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ARCTIC MONKEYS

Arctic Monkeys

Biografie

Arctic Monkeys , 2003 im englischen Sheffield gegründet, wurden Mitte des ersten Jahrzehnts im neuen Jahrtausend als veritable Alternative zum Alternative Rock vermarktet. Sie galten als Band, die aus eigener Kraft ohne Label, Presse-Hype und andere branchenübliche PR-Krücken ins Zentrum der britischen Rock-Befindlichkeit schoss. Wie viel davon auf Tatsachen beruhte und was ins Reich der geschickt lancierten Legende gehörte, ließ sich jedoch nur schwer entwirren. Immerhin konnte das vorerst letzte Glied einer Kette von Hypes, die von Franz Ferdinand über die Kaiser Chiefs bis zu Maximo Park reichte, durch eine halbwegs interessante Geschichte auftrumpfen.

Die befreundeten Teenager Alex Turner (voc, g), Jamie Cook (g), Andy Nicholson (b) und Matt Helders (dr) gründeten die Band, nachdem die beiden Gitarristen ihre Instrumente erst knapp ein Jahr zuvor unter dem Weihnachtsbaum gefunden hatten. Zunächst jammten sie über Songs von den White Stripes und Vines. Nach ihrem ersten Auftritt Anfang 2003 stellten die gerade 19-jährigen Anfänger ihre Songs und Demos ins Internet und avancierten binnen weniger Wochen zu gefeierten Antihelden. Im Ohr eines Kritikers der "FAZ" klangen "die sehr smarten, aggressiven Songs des neuen englischen Popwunders Arctic Monkeys vor allem nach The Jam und den Buzzcocks, nach den ersten Jahren unter Margaret Thatcher, als sich blasse, dünne junge Männer mit Gitarre, Bass und Schlagzeug das Blei ihrer Städte von der Seele spielten". Musikalisch war nichts neu an der Band, doch ihr haftete eine Aura geheimnisvoller Glaubwürdigkeit an. So wie sie könnte es jeder schaffen. "Die Arctic Monkeys sind keine Styler wie Franz Ferdinand, keine Traditionalisten wie The Coral, keine Ironiker wie Pulp und auch keine Lads wie Oasis. Die Arctic Monkeys sind nichts als eine verdammt gute Band", jubilierte "Visions" über das Quartett, dessen Mitglieder noch ausnahmslos bei ihren Eltern wohnten. Im Herbst 2003 unterschrieben sie einen Plattenvertrag mit dem Label Domino, das kurz zuvor der schottischen Band Franz Ferdinand zu weltweitem Erfolg verholfen hatte, und gestanden damit ein, dass man vom Internet allein doch nicht leben kann.

Ihre erste Single I Bet You Look Good On The Dancefloor stieg im Oktober 2005 auf Platz eins in die britischen Charts ein. Auch ihr stilistisch zwischen The Jam und Franz Ferdinand angelegtes Debütalbum Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not (2006) führte mit 118 501 innerhalb einer einzigen Woche verkauften Exemplaren ein Vierteljahr später die britischen Album-Charts an und vermerkte einen Rekord mit mehr verkauften Einheiten als alle restlichen Alben der Top-20 zusammen. Später sollten die erfolgreichen Newcomer nicht müde werden zu betonen, dass der sperrige Albumtitel eine Absage an ihren eigenen Hype symbolisierte.

Das Arctic Monkeys-Virus übertrug sich umgehend auch auf den Rest Europas. Das deutsche Internet-Magazin "Laut.de" bescheinigte dem Quartett "Dynamik, Melodiefreude und Rock ’n’ Roll – die perfekte Mischung". Unerwartete Schlag-zeilen machten die polaren Affen im März 2006, als Britpop-Veteran Morrissey den jähen Erfolg der oft mit seiner Ex-Band The Smiths verglichenen Newcomer als "zu früh und unnatürlich" kritisierte und aufgrund des öffentlichen Drucks umgehend einen Rückzieher machen musste. Die Arctic Monkeys hatten ihre Feuertaufe bestanden und waren endgültig in der Maschinerie des britischen Pop-Biz angekommen. Eine Ankunft, die bei den vier Teenagern ihren Preis forderte.

Bassist Andy Nicholson kehrte der Band bereits im Juni 2006 vor Erschöpfung den Rücken. Nachdem sich die drei anderen Gründungsmitglieder vergeblich bemüht hatten, ihren Bassisten umzustimmen, fanden sie in Nick O’Malley Ersatz. Von einer Zäsur war indes nichts zu spüren, denn mit kostenlosen Downloads hielt die Band weiterhin Tuchfühlung mit ihren Fans, und der Videoclip zu ihrem Song Fake Tales Of San Francisco lief auf MTV in Dauerrotation. Im September 2006 erhielten sie zunächst den Mercury Music Price für ihr Debütalbum, sechs Monate später räumten sie die begehrten Brit Awards als beste Band und für das beste Album ab.

Im April 2007 erschien ihr zweites Longplay Favourite Worst Nightmare. Die charmante Lässigkeit ahnungsloser Neueinsteiger war der effizienten Arbeitshaltung engagierter Rock-Profis gewichen. "Die Arctic Monkeys sind nicht mehr die Lümmel von nebenan, die mal kurz einen Ohrwurm nach dem anderen aus dem Ärmel schütteln. Sie haben gefeilt und arrangiert, nachgedacht und verworfen" ("www.laut.de"). Statt Hit-Tauglichkeit setzte die Band auf Experimentiergeist, statt Wiedererkennbarkeit auf Verzerrung, "als ginge es darum, jetzt ja nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner des Indie- und Mainstreampublikums zu kommen" ("Intro"). Josh Homme von Queens Of The Stone Age produzierte das dritte Album Humbug (2009), mit dem die Band den Prozess des künstlerischen Reifens beharrlich vorantrieb.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LP:
Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not (2006)
Favourite Worst Nightmare (2007)
Humbug (2009)
Suck It And See (2011)

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