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Herb Alpert

Alpert, Herb

Biografie

Herb Alpert (tp, voc), am 31. März 1935 in Los Angeles geboren, schäumte einen Mix aus Rock and Roll, Jazz und mexikanischer Mariachi-Musik auf zur "Schlagsahne im Espresso unserer damals noch nicht so bitteren sechziger Jahre" ("Rolling Stone"). Mit seiner Tijuana Brass in der Besetzung Lou Pagini (p), John Pisano (g), Tonni Kalash (tp), Pat Senatore (g), Bob Edmondson (tb), Nick Ceroli (dr) erspielte sich das "wahre Matinee-Idol" (Kritiker Nik Cohn) von 1962 bis 1969 einen weltweiten Umsatz von 45 Millionen Langspielplatten. Sein gefälliger, leichtgewichtiger "Tijuana Sound", der von dem Doppelspiel zweier Trompeten dominiert wurde, war "nichts für Puristen oder musikalische Diätschwestern, wohl aber für Sound-Schlemmer" ("Stereo Review"). "Die Leute waren es wohl leid, Musik zu hören, die einen Unterton von Trübsinn, Aggression oder gar Sadismus hatte", erklärte Alpert den internationalen Erfolg von Stücken wie Tijuana Taxi, Spanish Flea, A Taste Of Honey, Zorba The Greek.

Nach dem Militärdienst hatte er zunächst als Schauspieler und erfolgloser Solosänger gearbeitet, bevor er sich als Produzent selbständig machte. Mit Lou Adler, dem späteren Betreuer von Scott McKenzie, The Mamas & The Papas, Cheech & Chong, Carole King und Mäzen des Projektes "Rocky Horror Show", arrangierte er die Aufnahme-Session für den Top-Hit Baby Talk des Duos Jan and Dean; außerdem schrieb er mit Adler unter anderem für Sam Cooke die Hits Wonderful World, Only Sixteen. 1962 gründete er mit Jerry Moss und einem Startkapital von 200 Dollar A & M Records, die später zu einem der größten unabhängigen Medienkonzerne aufstiegen und Künstler wie Carpenters, Cat Stevens, Police, Supertramp, Janet Jackson, Sting beherbergten.

Alperts musikalischer Ein-stand bei A & M war The Lonely Bull, ein mit Stierkampfarena-Geräuschen verschnittenes Instrumental, das auf Anhieb ein Hit wurde und die Klangmarke des "Tijuana Sound" etablierte. 1968 glückte Alpert mit This Guy’s In Love With You ein vokaler Solohit. Ein Jahr später löste er die Tijuana Brass auf, reformierte das Ensemble zwar 1974 und 1984 kurzfristig, konzentrierte sich jedoch auf Einzelprojekte, unter anderem 1978 mit Hugh Masekela (siehe Bio). Der gelegentlich als "höchst mittelmäßiger Trompeter" ("Hi-Fi Stereophonie") gescholtene Musikunternehmer schaffte bei instrumentalen Alleingängen wie Rise (1979) und vor allem Keep Your Eye On Me (1987) mit einem Clan versierter Musiker, Arrangeure und Producer stets den Anschluss an den jeweiligen Zeitgeschmack.

Ende der achtziger Jahre zog Alpert sich mehr und mehr vom Musikgeschäft zurück, trat aber gelegentlich noch auf. 1989 verkauften er und sein Partner Jerry Moss A & M für knapp 500 Millionen Dollar an die Polygram-Gruppe. Im gleichen Jahr veröffentlichte Alpert die LP North On South St. "Ich habe immer dieses Trauma, nicht spießig klingen zu wollen", erklärte er "Billboard". "Spießig heißt für mich, verzweifelt zu sein, dass die Leute sagen: "Herb braucht um jeden Preis eine Hitplatte, dafür tut er alles"; dabei stimmt es gar nicht." Seine Bemühungen, den letzten Schrei auf der Trompete auszustoßen, hörten sich jedoch oftmals an wie "Bubblegum-Versionen der intensiven und kompromisslosen Sounds, die Miles Davis sein Leben lang erklingen ließ" ("City Limits").

1993 verließen Moss und Alpert auch offiziell ihre alte Firma, in deren Führungsetage sie nach dem Verkauf noch tätig gewesen waren. Midnight Sun (1992) war Alperts letzte LP für A & M. Unter dem Dach von Geffen gründete er 1994 mit Partner Moss das Label Almo und veröffentlichte 1996 ein softes Jazz-Album mit dem beziehungsreichen Titel Second Wind. Auf Passion Dance (1997) erzeugte er mit Hilfe brillanter Begleitmusiker aus Kuba, Peru und Kolumbien erneut jene Karnevalsatmosphäre, mit der er in seinen Tijuana-Tagen berühmt geworden war. 2000 kaufte er die Rechte an seinen A & M-Alben von Universal zurück und begann mit deren digitaler Bearbeitung. Seit 2005 war sein Gesamtwerk in den USA wieder im Handel. 1997 wurden Herb Alpert und Jerry Moss für ihr Lebenswerk mit einem Grammy bedacht, 2006 kamen sie in die Rock and Roll Hall of Fame.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs (Auswahl):
Just You And Me (1976)
In Europe (1976)
Solid Brass (1977)
Main Event (1978)
Alpert & Masekela (1978)
Rise (1979)
Beyond (1980)
Magic Man (1981)
Fandango (1982)
Blow Your Own Horn (1983)
Bullish (1984)
Wild Romance (1985)
South Of The Border (1987)
Keep Your Eye On Me (1987)
Spanish Moon (1988)
My Abstract Heart (1989)
North On South St. (1991)
Midnight Sun (1992)
Second Wind (1996)
Passion Dance (1997)
LPs Herb Alpert & The Tijuana Brass:
The Lonely Bull (1962)
Volume 2 (1963)
South Of The Border (1964)
Whipped Cream And Other Delights (1965)
Going Places (1965)
What Now My Love (1966)
S.R.O. (1966)
Sounds Like … (1967)
Herb Alpert’s Ninth (1967)
The Beat Of The Brass (1968)
Christmas Album (1968)
Warm (1969)
The Brass Are Coming (1969)
Summertime (1971)
You Smile – The Song Begins (1974)
Coney Island (1975)
Bullish (1984)
Lost Treasures (2005)
Whipped Cream & Other Delights Rewhipped (2006)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Greatest Hits (1970)
Solid Brass (1972)
Foursider (1973)
Greatest Hits Vol. 2 (1977)
Classics Volume 1 (1987)

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