Start | Cash,Johnny | Biografie & Steckbrief

Cash,Johnny

Geburtstag:

26.02.1932
Geburtsort:

Kingsland, Arkansas, USA
Todestag:

12.09.2003
Todesort:

Nashville, Tennessee, USA
Instrument:

Gesang
GItarre
Textdichter

Cash,Johnny

Johnny Cash war, trotz aller Kontroversen, ein echter amerikanischer Held. War. Er verstarb am 12. September 2003 und damit nur vier Monate später als seine langjährige Frau June Carter Cash.
Die 71 Jahre alte Country-Legende hatte bis zu diesem Zeitpunkt alles erlebt und mitgenommen, was ein Kind des 20. Jahrhunderts erleben und mitnehmen konnte, angefangen von einer schwierigen und von Armut geprägten Kindheit, über den Krieg in Korea, den ersten Erfolgen als Musiker, bis hin zu Abstürzen in tiefe Täler aus Alkohol, Amphetaminen und anderen Rauschmitteln aller Art. Das Steh-auf-Männchen Cash überlebte alles - sogar sich selbst.
Dieser Hintergrund zusammen mit seinem nimmermüden Eintreten für alle, die links und rechts vom Mainstream ins Abseits zu geraten schienen, machten den Künstler Cash unsterblich.

Nach einer Kindheit, um die ihn sicherlich kaum jemand beneidet, arbeitet Cash kurzzeitig als Automechaniker, wurde aber schon bald zum Korea-Krieg eingezogen. Erst während dieser Zeit lernte er das Gitarrespielen und unternahm seine ersten ernsthaften Versuche als Songschreiber. Mitte der 1950er Jahre zog er nach Memphis, hatte ein kurzes erstes Ehe-Intermezzo und verdiente sich seine Lebensunterhalt mit Auftritten in einem Country-Trio. Zu jener Zeit war Sam Philipps, der Entdecker von Elvis Presley und Besitzer von Sun Records, immer auf der Suche nach Musik, die er veröffentlichen konnte. Cash stellte sich in dieser Hinsicht als eine Lizenz zum Gelddrucken dar - denn für die nächsten Jahre bis 1958 bescherte Cash der Firma nichts als Hits, an denen Sun auch nach Cash Wechsel zu Columbia kräftig weiterverdiente.

Nachdem Cash bei Columbia untergekommen war, riß seine Erfolgsserie bis 1965 nicht ab. Zu diesem Zeitpunkt allerdings steckte Cash in so vielen Schlamasseln gleichzeitig, dass außer einem radikalen Lebenswandel nichts mehr half. Seit Anfang der 1960er Jahre war Cash von Amphetaminen - Arbeitsdrogen, mit deren Hilfe er die bis zu 350 Shows und Konzerte im Jahr absolvierte - so abhängig, wie manch anderer von Sauerstoff. In El Paso fand man 1965 diverse dieser Substanzen in seinem Gitarrenkoffer - der Medienrummel um den kriminellen Country-Star brachte ihn nicht nur um Plattenverkäufe, sondern auch um lukrative Konzert-Offerten. Nur ein Jahr später reichte seine Frau die Scheidung ein. Cash konzentrierte sich auf seinen Drogenkonsum und entkam dem Teufelskreis der Abhängigkeit nur mithilfe seiner späteren zweiten Frau June Carter, die ihn übrigens auch zu einem Glauben verhalf, dem Cash bis an sein Lebensende treu blieb.

Im Anschluss an diese Wiedergeburt erlebte Cash sein erstes großes Comeback. Ganz wichtig waren dabei seine Auftritte in Gefängnissen, die er mitschneiden und veröffentlichen ließ. Zwischen 1969 und 1971 moderierte er gar eine eigene Fernsehshow. Diese Hochphase der Popularität Cashs dauerte bis zum Ende der 1970er Jahre an. Danach sank sein Stern erneut. Daran konnte auch der erste Plattenfirmenwechsel nichts ändern. Während der 1980er Durststrecke hielt sich Cash vor allem mit Konzerten über Wasser.

Als Cash 1994 bei Rick Rubins Label American Recordings unterschreibt, halten ihn nicht wenige für verrückt. Cash aber beweist ihnen das Gegenteil. Unter der vorsichtigen aber irgendwie genialen Regie von Rubin nimmt Cash vier Alben auf, die nicht nur seinen Status als Meilenstein amerikanischer Musikgeschichtsschreibung wiederherstellen und manifestieren; die American Recordings I-IV machen Cash noch unsterblicher als er vorher eh schon war - die Songs, die er auf diesen LPs interpretiert, gehören zur Musik-Kultur einer Generation, die Cash lediglich als alten Country-Barden abtat, wenn sie ihn überhaupt zur Kenntnis genommen hat.

Eines der Highlights der ersten American-Platte ist Bird On A Wire. Dieser Song stammt eigentlich von Leonard Cohen. Für Unchained, das zweite Album der American-Reihe, kann Cash 1996 Begleitmusiker von Tom Petty & the Heartbreakers, den Red Hot Chili Peppers und Fleetwood Mac für sich gewinnen. Als Höhepunkt von American III: Solitary Man kann sicherlich Cashs Interpretation von Nick Caves THE MERCY SEAT, der Monolog eines in der Todeszelle wartenden Strafgefangenen, angesehen werden. Mit seinem letzten Album - American IV: The Man Comes Around -, das im November 2002 veröffentlicht wird, schafft es Cash auf den 2. Platz der Country-Charts. Von Krankheit gezeichnet, passt die Gebrochenheit seiner Stimme zum Grundton des Albums, das vor allem von Liebe, Tod und dem Leben danach handelt. Diese vier letzten Cash-Alben fanden weltweit auch außerhalb der Countryszene große Anerkennung. Cashs Versionen von Depeche Mode oder Nine Inch Nails bringen ihm nicht nur Preise für Musikvideos ein, sondern machen ihn, seine Musik und Geschichte für eine Hörer-Generation interessant, die ihn sonst als eher traurigen Helden irgendwann vergessen hätte.