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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Afrobeat
Pankontinentale Popmusik

 

Fela Kutis Freiheitsgedanke: Afrobeat

Kaum eine Idee von Sound lässt sich so sehr auf eine Person zurückverfolgen wie der Afrobeat auf Fela Kuti. Monotone, synkopische Schlagzeugbeats ließ er darin unter den Bläsern des HiLife hinwegpulsen, in den 70ern die Popmusik Afrikas. Sein in Lagos errichteter Treffpunkt "The Shrine" war immer auch ein politisches Gegeninformationszentrum in den Diktaturen Nigerias. Heute lebt Afrobeat durch Fela Kutis Ex-Drummer Tony Allen weiter, ist weitergereicht worden durch den Sohn Femi Kuti, und rund um den Erdball setzen nachwachsende Bands auf diese gewisse Polyrythmik.

Fela Kuti hatte bereits einige Jahre als Musiker gelebt, bevor er seinen Komplex aus Sound und Politik ersann. Geboren 1938 als Sohn einer angesehenen Frauenrechtlerin und Gewerkschafterin, spielte er bereits im Alter von 16 Jahren in der HiLife-Band des damaligen Stars Victor Olaiya. HiLife war seit den 30er Jahren eine beliebte Musik in West-Afrika. Die Rhythmik war stark von den komplizierten Polyrhythmen traditioneller Musik des Kontinents geprägt. Doch hörte sie auch in die USA hinein, was sich insbesondere durch die bestimmende Rolle der Trompete in der Melodieführung niederschlug.

Für lange Zeit konnte so der Trompeter Louis Armstrong als einer der Schlüsselfiuren nicht nur des Jazz, sondern eben auch des HiLife angesehen werden, so groß war sein Einfluss im Westen Afrikas.

Als entscheidend für Fela Kutis Vermächtnis sollte sich allerdings der Verlauf der 60er Jahre erweisen. Kuti studierte einige Jahre Musiktheorie in London, und als er zurückkam, gründete er seine eigene Gruppe: Koola Lobitos. Während eines Aufenthaltes in den USA lernte er die Black Panther Party kennen, die für militanten Widerstand der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA plädierte. Deren politischen Rigorismus verband Kuti schließlich mit seinerzeit ebenso virulenten Ideen des Panafrikanismus: Diese intellektuelle Strömung forderte eine Einigung aller afrikanischen Staaten zu einem Kontinent, um die gewaltigen Probleme Afrikas im Zuge der Entkolonialisierung zu lösen.

Ein Mächtiger ohne Staat

Africa 70 hieß die neue Band Kutis. Mit ihr erspielte er sich seinen Ruf, weit mehr als ein besonders begabter Musiker zu sein - ein politisch Mächtiger ohne staatliche Funktionen, ähnlich wie Bob Dylan in der westlichen Welt oder Bob Marley auf Jamaika. In der nigerianischen Hauptstadt Lagos gründete er die Kommune Kalakuta ("Schlitzohr"), wo er mit seinen 27 Frauen und seiner Band lebte. Während die gewöhnliche HiLife-Musik von ganz alltäglichen Dingen zu sprechen pflegte wie die westliche Popmusik auch, ließ Kuti manche seiner Stücke auf über eine halbe Stunde ausdehnen. Seine politischen Forderungen sollten während der Konzerte in seinem Club "The Shrine" (Der Schrein) untrennbar werden von einer tiefen, spirituellen Erfahrung.

Als Fela Kuti, der sich zwischenzeitlich den Namen Anikulapo ("Jäger, der den Tod mit magischen Amuletten in Schach hält") zugelegt hatte, an den Folgen einer AIDS-Infektion starb, war er außerhalb Afrikas beinahe in Vergessenheit geraten. Doch mit seinem Tod im Jahr 1997 und den damit verbundenen Nachrufen, Best Of- und Wiederveröffentlichungen wurde ein Revival eingeläutet. Die Trance erzeugenden Grooves des Schlagzeugers Tony Allen, der Gesang und das Bariton-Saxofon des Fela-Sohnes Femi Kuti trugen die Idee des Afrobeat weiter.

Wiederbelebung im großen Stil

Und stießen auf offene Ohren: Anfang der 00er Jahre erwies sich Afrobeat mit seiner Fülle an Rhythmen, seiner sozialpolitischen Geschichte und kollektiven Organisation - im Gegensatz zum Individuum hinter dem Notebook - als willkommene Idee in HipHop-Kreisen. Während in Afrika die Popularität nie nachgelassen und Afrobeat auch nachfolgende Musiken wie etwa Kwaito mit beeinflusst hat, gründeten sich in den USA Afrobeat- und Big Bands wie etwa die New Yorker Kokolo und Antibalas Afrobeat Orchestra.

Ein britischer HipHop-MC wie Ty tourt als Stimme Tony Allens durch die Welt, und Ahmir Thompson von The Roots bekräftigt enthusiastisch, Kuti-Beats zu sampeln - wie auch Lauryn Hill, Erykah Badu und Mos Def.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

Positive Force, Baba Ani & Egypt 80, The Daktaris, Groove Collective, Koo Nimo, Dele Sosimi, Lagbaja, Lafayette Afro Rock Band, The Good, The Bad & The Queen

Einige Schlüsselalben dieses Genres:

Fela Kuti: Zombie [1977]
The Allenko Brotherhood Ensemble: The Allenko Brotherhood Ensemble [2001]
Femi Kuti: Fight To Win [2002]
Peter King: Shango [2002]
Tony Allen: Black Voices [2002]
V.A.: Afrobeat... No Go Die! [2003]
Antibalas Afrobeat Orchestra: Who Is This America? [2004]
Kokolo: More Consideration [2004]
Tony Allen & Jimi Tenor: Inspiration Information 4 [2009]

Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Informationen rund um das Thema Afrobeat an. Zum Beispiel in den Einträgen Hitfundus der Popmusik (Motown), Hört die Botschaft (Gospel) oder Einmal Glokalkolorit bitte (Worldbeat).