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Woodstock
Im Epizentrum der Gegenkultur

 

Woodstock war die Wolldecke einer ganzen Generation

Es ist eines dieser Schlagwörter, das in der gesamten westlichen Welt in Gebrauch ist: Woodstock war mehr als ein Musikfestival, das steht fest. Als Inbegriff der Hippie-Kultur wärmt Woodstock schon bei bloßer Erwähnung all jene wie eine Wolldecke, die 1969 ein Faible hatten für Pete Seeger und seine politischen Folk-Songs, The Byrds und ihre Melodien einer sorgenlosen Existenz oder für die mehrschneidige Interpretation des Star Spangled Banner durch Jimi Hendrix.

Das Örtchen Bethel im US-Bundesstaat New York ärgert sich heute noch darüber, dass die Plakate schon gedruckt waren, als die Organisatoren des Ereignisses im Juli doch noch aus Woodstock vertrieben wurden. Und auch das Unternehmen Woodstock Ventures hatte sich in diesem Juli 1969 bereits nach dem Ort benannt, an dem die "Aquarius Exhibition", die "3 Days Of Peace & Music" ursprünglich stattfinden sollten. Woodstock war prädestiniert für ein Treffen jener Künstler, die sich aus unterschiedlichen Beweggründen zur Gegenkultur der 60er Jahre zählten.

Seit den 20er Jahren gab es im 4000-Einwohner-Ort im Bundesstaat New York eine Künstler-Kommune, die bis in die Stadt New York ausstrahlte. Das Landleben in Ullster County war besonders für die Folk-Bewegung, aber auch für Beat-Literaten und eben auch die ganz normalen Hippies die wahrgewordene Fiktion der Maxime "Back To The Land". So zählen Bob Dylan, The Band, Van Morrison und Janis Joplin Ende der 60er Jahre nur zu den besonders prominenten Leuten in der Gegend.

Die New Yorker Artie Kornfield und Michael Lang bringt das auf zwei Ideen: erstens für diese Musiker in der Gegend um Woodstock ein professionelles Studio zu bauen, und zweitens ein Festival dort zu veranstalten. Da Kornfield Vize-Präsident bei Capitol Records ist und im Alter von 25 bereits auf 30 von ihm verfasste Hit-Singles zurück blicken kann und der 23-jährige Michael Lang im Sommer 1968 mit dem Miami Pop Festival eines der bis dahin größten Musikfestivals überhaupt organisiert hat, klingen beide Ideen realistisch.

Die Jungs vom Golfplatz

Das nötige Geld finden sie in zwei weiteren Typen im gleichen Alter: dass John Roberts und Joel Rosenmann aus wohlhabenden Familien kommen und nach einer sinnvollen Anlage für ihr Vermögen suchen, wird daran deutlich, dass sie sich auf einem Golfplatz kennengelernt haben. Dieses Quartett also gründet im März 1969 die Woodstock Ventures, Inc.; ohne, dass bereits ein Festivalgelände gefunden wäre. Doch Dylan lebt in Woodstock, und er ist der Songwriter jener Jahre.

Die Planung verläuft chaotisch, und so kann Woodstock Ventures seine lange verfolgten Pläne nicht umsetzen: noch im Juli wird ihnen untersagt, ein Industriegelände in Walkill nahe Woodstock zu bespielen. Erst im letzten Moment finden sie ein neues Gelände in Bethel, N.Y.; mit einer kleinen Erhebung für die Bühne, einem See im Hintergrund scheint das weitläufige Gelände perfekt für die erwarteten bis zu 50 000 Menschen.

Die ganze Kompliziertheit von Pop

Vor dem Konzert werden die vier Woodstock-Organisatoren für größenwahnsinnig gehalten, denn bis dahin hat es noch nie ein Festival für ein Publikum von 50 000 gegeben. Doch am 15. August kommen sie, und sie kommen in Scharen: als Joan Baez mit ihrer inzwischen berühmten Interpretation von "We Shall Overcome" den ersten Abend beendet, wird das ganze Ausmaß des Festivals auf dem Acker des Milchbauern Max Yasgur schon deutlich. Die Staus in Richtung Bethel erreichen eine Länge von bis zu 20 Meilen, und am Ende der "Drei Tage Frieden & Musik", so die Losung angesichts des Vietnam-Krieges, haben 500 000 Menschen die ausufernden Rock-Improvisationen der Grateful Dead, die magischen Melodien der Byrds, die Friedensaufrufe von Pete Seegers und die Inbrunst der Janis Joplin erlebt.

Auch The Who werden mit einem Aufsehen erregenden Set in Woodstock zu Welt-Stars, mit dem indischen Sitar-Spieler Ravi Shankar zählen die Engländer zu den wenigen Nicht-US-Amerikanern des Festivals. Und so wird ein kommerziell organisiertes Festival - wenn es auch erst durch Film und Merchandising hinterher die erhofften Gewinne einbringt - zum Inbegriff einer an Werten orientierten Jugend. So wird am Beispiel Woodstock die ganze Kompliziertheit der Popkultur deutlich.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

Arlo Guthrie, Canned Heat, Richie Havens, Joe Cocker, Mountain, Sha Na Na, Melanie

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Pete Seeger: Folk Songs For Young People [1959]
The Jefferson Airplane: Surrealistic Pillow [1967]
The Grateful Dead: Live/ Dead [1969]
V.A.: Woodstock 1 [1994]
V.A.: Woodstock 2 [1994]
Jimi Hendrix: Live At Woodstock [1999]
Sly & The Family Stone: The Essential [2003]
Joan Baez: Live At Newport [2005]

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