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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Brit Pop
Posen mit dem Union Jack

 

Brit Pop und ein ewiges Duell

Muhammad Ali gegen George Foreman, King Kong gegen Godzilla, Oasis gegen Blur. Oasis gegen Blur? Ein epochaler Zweikampf war auch dieser. Doch der Brit Pop hat noch ein paar weitere ziemlich gute Bands hervor gebracht. Die Sänger von Pulp und Suede zelebrierten ein glamouröses "Ich bin ein Star", Radiohead schrieben erste Hits. Hier kommt die Story, Morning Glory.

Zu Beginn der Neunziger Jahre wurden in Großbritannien die letzten Madchester Raves getanzt. Die Glanzphase von dancefloorkickenden Gitarrenbands wie den Happy Mondays, Stone Roses und Charlatans war vorbei. Und die introvertierten Shoegazers um Ride hatten zwar ein paar hervorragende Alben rausgebracht, konnten sich bis auf besagtes Quartett aber nie in den Hitparaden fest setzen.

Was jetzt wieder zählte, das waren ewige Werte wie die schöne Melodie, die eingängige Hookline und eine glamouröse Aura für die Bühne. Die großen Posen der Sänger von Pulp und Suede kamen da zur richtigen Zeit. Ein Streit nach dem anderen tobte unter Indieliebhabern - es ging um die Goldene Federboa und ob diese nun an Jarvis Cocker (Pulp) oder doch an Brett Anderson (Suede) verliehen werden musste. Die Songs beider Bands kreisten um Drogen und Sex, bei Pulp wurde auch noch von Klassenunterschieden geredet.

Brit Pop wird zur Marke

Gerne thematisierten auch Blur und Oasis spezielle Gewohnheiten von Middle oder eben Working Class. Kaum eine Woche verging Mitte der Neunziger Jahre, ohne dass eine der beiden Bands auf den Titelblättern von NME und Melody Maker verewigt wurde. Blur waren smarter, sie kamen ja auch von der Art School und galten deshalb als Mittelklasse-Jungs. Weniger selbstironisch und wesentlich roher klangen Oasis und wurden mit der Arbeiterklasse identifiziert. Doch galt: Wer Blur hört ("Damon ist ja so süß!"), der hört auch Oasis ("Liam ist so geil asozial!").

Der enorme internationale Erfolg der Kontrahenten machte sensibel für ähnlich klingende Bands, und die kamen alle aus Großbritannien. Ein Markenzeichen war gefunden: "Brit Pop". Die Girlband Elastica brachte eine new wavige Hit-Platte raus und war alleine unter den Brit Boys, sieht man mal ab von ein paar One Hit Wonders.

Die Tradition, sie kommt und geht

Da traditionelle Werte zählten, konnte Paul Weller - früher Sänger bei The Jam und Style Council - wieder kommen. Wie er bedienten sich Supergrass bei Modbands wie The Who und The Small Faces und klangen dabei ganz schön frisch. In den Zeiten des Brit Pop-Hypes hatten auch Radiohead und Placebo ihre ersten Hits, zwei Bands, die dann um die Jahrtausendwende so richtig groß werden sollten. Da war die hitzige Erregung über die Marke Brit Pop längst verdampft.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Boo Radleys, Lightning Seeds, Echobelly, Gene, Kula Shaker, Ocean Colour Scene, Rialto, Catatonia

Einige Alben mit Schlüsselqualitäten:

Boo Radleys: Giant Steps [1993]
Radiohead: Pablo Honey [1993]
Blur: Parklife [1994]
Suede: Suede [1994]
Pulp: A Different Class [1995]
Oasis: What?s The Story, Morning Glory [1995]
Supergrass: I Should Coco [1995]