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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Doom Metal
Aus der Asche

 

Doom brachte den Metal zu seinen Wurzeln zurück

Aus der Asche des New Wave Of British Heavy Metal erhebt sich Mitte der 80er Jahre eine monolithische Gitarrenmacht. Sie schreibt das Testament von Black Sabbath neu. Bezüge zur NWBHM sind bei Pionieren wie Witchfinder General, Pentagram und Candlemass unüberhörbar, aber ihre Musik weist trotz dieser Verwandtschaft deutlich traditionellere Wurzeln auf. Der schwere, düstere Black Sabbath-Sound wird wieder salontauglich.

Mit Belustigung und Verständnislosigkeit reagieren gestandene Metalheads in den 1980er Jahren auf die ersten Doom-Bands. Schon äußerlich wirken sie wie Hippie-Relikte aus den tiefsten 1970er Jahren. Witchfinder General stoßen mit ihrem Album "Death Penalty" auf wenig Gegenliebe und werden nicht zuletzt wegen des Fantasy-Covers in der Szene belächelt. Heute gelten Witchfinder General als schwer verkannte Begründer eines Doom-Revivals, das Mitte der 1980er seinen Anfang nimmt.

Mit ähnlichen Problemen haben The Obsessed bereits seit 1979 zu kämpfen: zu langsam für Punk und zu bedrückend für Metal klingen sie. Zwischen alle Fraktionen hat sich die Band gesetzt, indem sie ihre Gitarren-Soli in epische Längen zieht. Alles fängt mit Black Sabbath an und hört mit Black Sabbath auf. Deren Songs wie "Cornucopia" und "Under The Sun" etwa, schlugen in den frühen 1970er Jahren völlig neue Töne an. Sie klangen heavy, klangen schwerfällig und erschütterten in diesem erbarmungslos mächtigen Groove, der die wogenden Körper der Post-Hippies mit sich riss. Ein neues Gefühl von Paranoia nach dem Massaker von Kent State, Ohio. Die amerikanische Jugend war nicht gut drauf und die Gitarre wurde zum Befindlichkeitsmesser. Je länger die Stücke, desto größer das Gefühl der Ohnmacht.

Wino und seine Babys

Später wurde Doom immer wieder zur Deprimusik erklärt, dabei gab es nur wenig Bewußtseinserweiternderes als ein schnittiges Candlemass-Riff oder die solide Gitarrenarbeit von The Obsessed-Frontmann Scott Wino Weinrich, der sein ganzes Leben dem Doom gewidmet hat. Auch heute, wo Metal-Bandshirts plötzlich von hochbezahlten Models auf den Laufstegen von Paris und Mailand getragen werden, gibt es nur wenig Unmoderneres als einen Doommetaller.

Trotzdem ist Doom mehr als ein unendlicher Retro-Trip. Seit den 80er Jahren mit einem qualitativ hochwertigen Teilnehmerfeld bestehend aus der schwedischen Sabbath-Tribute-Band Solitude Aeturnus, Pentagram (die schon in den frühen 70ern zu schlurfen begannen), den Heavy Blues-Doomstern Trouble und natürlich Winos zweitem Baby Saint Vitus hat sich das enge Feld in Subvarianten aufgeteilt.

In den frühen 90ern z.B. kam aus England dann eine Welle von sog. Doom/Death-Bands, die sich zwar der Mittel des Deathmetal bedienten, sehr bald aber eher zu einer Art Gothic-Metal tendierten: Black Sabbath schienen für Paradise Lost und My Dying Bride weit weniger maßgeblich zu sein als Fields of the Nephilim oder Sisters of Mercy. Cathedral dagegen degenerierten innerhalb kürzester Zeit zu einer konventionellen Rockband.

Extreme Langsamkeit

Fast zur selben Zeit näherten sich in den amerikanischen Südstaaten Crowbar und Eyehategod dem Doom eher vom sumpfigen Festland; sie vermischten Hardcore mit Deathmetal- und Southern Rock-Elementen und prägten damit den Begriff des Sludgemetal.

Weniger musikalische als ideelle Bezüge (wieder: Black Sabbath und die 70er) findet man dagegen bei einer relativ jungen Welle von Stonerrock-Bands. Die Schwermütigkeit ist hier einem Hang zum Stadionrockistischen gewichen, während textlich der ganze Große Jungs-Katalog von Chicks bis Cars abgearbeitet wird. Kyuss sollten aber genau wenig unerwähnt bleiben wie frühe Monster Magnet, Winos neue Band Spirit Caravan und Fu Manchu. Mit Earth und Sunn O)))) nehmen in den 1990er und 2000er Jahren zwei Bands die Langsamkeit zu neuen Extremen.

Weiter Meister dieser Strömung sind:

Down, Goatsnake, Solstice, Tiamat, Anathema, Penance

Alben mit Schlüsselqualitäten sind:

Black Sabbath: Paranoid [1971]
Pentagram:Day of Reckoning [1987]
Candlemass: Epicus Doomicus Metallicus [1987]
Cathedral: Forest of Equilibrium [1991]
Sleep: Sleeps Holy Mountain [1993]
The Obsessed: Obsessed [1993]
Saint Vitus: Children of Doom [1992]
Earth: The Bees Made Honey In The Lion's Skull [2008]
Sunn O))): Monoliths And Dimensions [2009]

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Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Informationen rund um die Musikstile an. Zum Beispiel in den Einträgen Anarchie ist ein Headbanger (Punk Rock), Dafür suchen manche die Wüste auf (Stoner Rock) oder Mehr so eine Haltung (Post Rock).