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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Dirty South
Frisch, kaum dreckig

 

HipHop liebt trotzdem den "Dirty South"

Die Geto Boys aus Texas und die 2 Live Crew aus Florida kamen Ende der 80ies ganz gewal(tät)ig im Gangsta Style. Doch schon mit der nachfolgenden Generation HipHop-Acts von da unten - wohl klingende Namen sind da Goodie Mob und OutKast - löste sich die Rede über den "dreckigen Süden" von ihrer ursprünglichen Bedeutung. Heute zeigen Bubba Sparxxx und Master P: Wer "Dirty South" sagt, meint keinen Style - sondern nur den Umstand, dass in den US-amerikanischen Südstaaten ganz viele, ganz unterschiedliche, ganz ernst zu nehmende Leute ihr Ding machen.

Man kann dem Ganzen schon ein Zentrum zuschreiben, ein Zentrum namens Atlanta/ Georgia. Dort tummeln sich schließlich jene MCs vom Goodie Mob, die 1995 einen ihrer Tracks "The Dirty South" nennen. Das gute Stück stellt die Klischees über Rap aus dem Süden in Frage. Ende der 80er Jahre hatten Gruppen wie die Geto Boys aus Texas mit ihrem ultraharten Gangsta Style oder die 2 Live Crew aus Florida mit ihren derben Sexismen dafür gesorgt, dass man bei Rap aus den US-amerikanischen Südstatten immer auch an schmutzige Styles dachte. Und eben jenes Klischee stellen Goodie Mob ein paar Jahre später in Frage: "What you niggas know about the dirty south?" heißt es im Refrain.

Was Cee-Lo, Khujo, T-Mo und Big Gipp dabei allerdings nicht beachten: "Dirty South" ist ein sehr, sehr einprägsamer Begriff. Und so verweilt er bis heute im Sprachschatz, Abteilung Rap. Auch wenn Goodie Mob am liebsten über politische Themen rappen.

Auch Big Boi und Dre aka OutKast haben mit ihren Alltagsthemen, Hippie-Outfits und jeder Menge Samples aus dem Southern Soul herzlich wenig mit Zuhälterei und Knarre am Hut. Gemeinsam mit dem Goodie Mob bringen sie Atlanta so Mitte der Neunziger Jahre auf die Landkarte des kulturkritischen HipHop. Mit dem fantastischen Frühwerk ATLiens machen sie schon die gesamte US-Szene scharf. Spätestens mit Stankonia, das 2000 erschienen ist, sorgen sie für die erfreulichen Momente von MTV- und Hitradioprogrammen weltweit.

OutKast und der Goodie Mob werden beide von einem Produzententeam gehegt und gepflegt, dem mit einem R'n'B-Act der ganz große Wurf gelungen ist. Organized Noize bestehen aus Rico Wade, Ray Murray und Pat "Sleepy Brown" und sorgen 1994 für einen der TLC-Hits, Waterfalls. Nach ihren Erfolgen mit dem Goodie Mob und OutKast treten Organized Noize 2001 auch als Teil der Dungeon Family auf. Mit Even In Darkness veröffentlicht die Posse ein Album, mit dem das Selbstbewusstsein der HipHop-Stadt Atlanta sichtbar wird. Neben OutKast und Goodie Mob treten lokale Stars wie Wichtdoctor und Cool Breeze im Flow munterer Lässigkeiten auf. Southern Funk, wie man ihn von Big Boi und Dre schon kennt. Dazu gibt's R'n'B-Darling Nivea und den neuen Star des Südens - Bubba Sparxxx.

Ja, auch das von Timbaland produzierte Weissbrot lebt in Atlanta. Ursprünglich kommt Warren Anderson Mathis aus einem solchen Kaff irgendow in Georgia, dass er seine ersten HipHop Tunes auf einer Kassette hört, die der befreundete Junge von der Nachbarfarm wiederum vom Cousin aus New York geschickt gekriegt hat. Inzwischen zelebriert der Bubba in seinen Videos augenzwinkernd ländliche Klischees wie Traktorrennen.

Der Süden kommt halt an. So sehr, dass mittlerweile auch der alte New Yorker KRS-One am Temple Of HipHop in Atlanta lehrt. Auch außerhalb von Atlanta verkaufen Mystikal aus Louisiana und Master P (auch Louisiana) mit ihren Hardcore Styles wie doof. Und beim Master, da geht's auch wieder dreckig zu.

Weitere Meister dieser Strömung sind

Rasheeda, Tweet, Lil' Romeo, Haystak, Moochie Mack, Miracle

Diese Alben besitzen Schlüsselqualitäten

Goodie Mob: World Party [1999]
Outkast: Stankonia [2000]
Ludacris: Back For The First Time [2000]
Bubba Sparxxx: Dark Days, Bright Nights [2001]
The Dungeon Family: Even In Darkness [2001]
KRS-One: Spiritual Minded [2002]
Mystikal: Tarantula [2002]

Oh my gosh! Noch mehr HipHop auf musicline.de: Zum Beispiel in den Thementexten Krauts mit Attitude (Rap deutscher Zunge), Jazzmatazz und all das (JazzRap) und Der DJ als Künstler (Turntablism). Dazu birgt das Thema Wir singen weiter etliche Infos über Soul vom Stax-Label in Memphis/ Tennessee.