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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Chicago Blues
Wir brauchen Verstärkung

 

E-Gitarre und Mundharmonika für neue Standards: Chicago Blues

Blues wie wir ihn heute kennen basiert auf E-Gitarren und verstärkten Mundharmonikas. Diese Form entsteht im Chicago der Vierziger Jahre. Schwarze Auswanderer aus den Plantagen des Mississippi Delta wie Muddy Waters und Howlin' Wolf reagieren hier auf die neuen, städtischen Lebensverhältnisse. Auch nach Rock'n'Roll hält in Chicago die Bluesbegeisterung noch an.

In den USA der Vierziger Jahre setzt eine Abwanderung aus dem ländlichen Süden in den industrialisierten Norden ein. Besonders ehemalige Sklaven und deren Nachfahren verlassen die Plantagen, etwa des Mississippi Delta. Zur neuen Mobiliät tragen besonders die Kriegserlebnisse der afroamerikanischen Gesellschaftsschichten bei. Viele haben den Süden zum ersten Mal verlassen, als sie für die USA im 2. Weltkrieg kämpften. Industriestädte wie Chicago und Detroit bieten ihnen Aussicht auf ein Leben in relativem Wohlstand.

Betrachtet man die Lebensläufe inzwischen legendärer Bluesleute wie Muddy Waters, Howlin' Wolf oder Elmore James, dann fällt auf: Sie alle sind im Süden geboren und im Laufe ihres Lebens nach Chicago übergesiedelt. Dort arbeiten sie vor und auch neben ihren musikalischen Karrieren in bürgerlichen Berufen, als LKW-Fahrer (Waters) oder auch als Radio-Reparateur (James). Vor allem aber treffen die Auswanderer in der Großstadt auf neue Lebensumstände. Durch die ändert sich auch die aus dem Süden mitgebrachte Musik, der Blues.

Vor allem von Muddy Waters ist überliefert, seine Gedanken zur neuen Lebenssituation direkt in den Blues umgesetzt zu haben. Unverstärkt und nur mit Begleitung der Akustik Gitarre wie im Süden üblich ist in den lauten Bars der Innenstadt kaum ein Stich zu machen. Also sattelt er um auf die E-Gitarre. Und mehr noch: Er braucht eine Band. Also stellt er im Jahre 1948 eine Gruppe zusammen, deren Instrumentarium noch bis heute als Standard des Chicago Blues, ja des Blues überhaupt gilt. Mit Schlagzeug, Bass, einer zweiten Gitarre plus Little Walter an der verstärkten Mundharmonika sind die Headhunters komplett. Ihr Name ist so inoffiziell wie beschreibend: Jede Gruppe wird dank der ohrenzerberstenden Mundharmonika Little Walters und der Wucht des Zusammenspiels der Headhunters um einen Kopf kleiner.

Massig Applaus erhält Waters und seine Band. Die Folge dieser Begeisterung besteht im Wunsch der Konzertveranstalter, möglichst viele derart lauter Bands zu engagieren - und so wird Waters Bandbesetzung allmählich zur Norm. Zu den neuen Namen gehören Bo Diddley und Howlin' Wolf. Vor allem mit dem heulenden Wolf verbindet Muddy Waters ein ausgeprägtes Konkurrenzverhältnis. Es endet erst, als Wolf 1976 verstirbt. Sie streiten sich um Aufnahmen von Willie Dixon-Originalen, klauen sich gegenseitig Mitmusiker und laufen zu Höchstform auf, wenn sie an einem Abend auf der gleichen Bühne spielen müssen.

Auch als in den 50er Jahren der Rock'n'Roll aufkommt, verliert der Blues in Chicago selbst nie an Popularität. Das zeigt auch der 1980 gedrehte Blues Brothers -Film, in dem der Musikliebe dieser Stadt ein Denkmal gesetzt wird. Blues: spielt eine tragende Rolle, neben Soul und Funk. Everybody needs somebody to love.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Earl Hooker, John Brim, Johnny Shines, Big Walter Horton, J.B. Lenoir, Buddy Guy, Jimmy Reed, Sonny Boy Williamson

Einige Schlüsselalben dieses Genres:

Bo Diddley: Bo Diddley [1957]
Little Walter: The Best [1958]
Junior Wells: Hoodoo Man Blues [1965]
Magic Sam: Westside Soul [1967]
Otis Rush: Cobra Recordings 1956 - 1958 [2000]
Elmore James: Very Best Of [2000]
Muddy Waters: The Anthology 1947 - 1972 [2001]
Howlin' Wolf: His Best [2001]

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