Start | Genres  | Alternative | New Wave

GENRES

New Wave
Das weite Feld...

 

...von Punk bestellt: New Wave

Längst gehört "New Wave" zu den Mantelbegriffen der Popgeschichte. Das liegt an der historischen Situation in den direkt auf das Phänomen Punk folgenden Jahren: Rock und Pop sind zu Beginn der 80er Jahre von der Schockwelle erfasst. Die Haltung New Wave kann deshalb auch so unterschiedliche Bands hervorbringen wie Blondie, Siouxsie & The Banshees, New Order oder The Smiths.

Was nach 1975 so langsam Gestalt annimmt und 1977 bereits ausgeschlachtet wird, verändert die gesamte Musikgeschichte: Punk. Nicht nur als musikalisches Phänomen wälzt die Bewegung aus den USA und Großbritannien alles bisher Bekannte um. Punk ist eine Haltung, zu der Anti-Kommerzialismus, eine Ästhetik der Armut und das Ethos des Do It Yourself gehören. Völlig verschiedenartige Musiken werden nachhaltig geprägt von diesem Blick auf die Welt. Und so kann es kaum verwundern, dass auch der auf Punk folgende Begriff der "New Wave" - entliehen von der "Nouvelle Vague", der Neuen Welle des französischen Films in den 60ern ? zunächst einmal kaum mehr bedeutet als Musik, die einen oder mehrere Teilaspekte der Punkhaltung erkennen lässt.

Im Zentrum der Attitüde

Ein gutes Beispiel dafür sind Blondie: Die New Yorker Band um die tatsächlich blonde Sängerin Debbie Harry spielt Popsongs mit Ohrwurmmelodien. Erst ihrer Coolness, die in jenen Jahren auch eine Absage an die offensive Weltumarmung der Hippies in sich birgt, ist die Nähe zu Punk Rock-Bands wie etwa den Freunden von den Ramones anzumerken.

Beide Bands leben in New York. Die Stadt ist das Zentrum der New Wave in den USA: die Talking Heads, der Tom Tom Club oder ESG spielen dort einen Neo-Funk, der sich seine Frische auch in dem Imperativ des "Mach es auf deine Art!" des Punk geholt hat. Wie schon in den 60er Jahren aber und wie schon in den Jahren des Punk bildet auch Großbritannien und da insbesondere London ein weiteres Zentrum der Musik. Attitüde ist schließlich das, womit sich Popmusik von der Insel seit dem Rock'n'Roll hervorhebt.

Die Schwarzen und die Hamburger

Legt man auf der anderen Seite des Atlantiks neue Skizzen des Funk an, so bearbeitet man auf der Insel den Reggae und andere karibische Musiken. Seit Ende der 50er Jahre erlebt Großbritannien die Einwanderung aus den ehemaligen Kolonien dort, und aus Jamaika sind so Ska, Rocksteady, Dub und Reggae gelandet. The Clash widmen sich dem Offbeat, und auch The Police spielen in ihrem sparsamen Pop mit Reggae-Motiven. Leere und Angst, zwei Themen des Punk, werden von Gruppen wie Siouxsie & The Banshees und Joy Division neu aufgegriffen. Sie greifen Motive des englischen Schauerromans auf, der im Original als "Gothic Novel" bezeichnet wird. Aus ihrer Zeichensprache wird im Laufe der Jahre eine ganze Subkultur, eben Gothic, entstehen. Gerade in Deutschland erfreut sich das Zeichenreservoir der "Schwarzen" bis heute großer Beliebtheit.

Zur Zeit direkt nach Punk schafft das Düsseldorfer Duo Deutsch Amerikanische Freundschaft den Sprung auf die internationalen Bühnen. Mute nimmt sie unter ihre Fittiche: eines der ersten Independent Labels. Auch dieser strukturelle Aspekt ist bezeichnend für die Jahre der New Wave: gegründet wurden die ersten unabhängigen Plattenfirmen zu Zeiten des Punk. Während der New Wave erleben einige eine unerwartete Professionalisierung. Mit Atatak in Düsseldorf gibt es auch in Deutschland einen Platz für musikalische Spielkinder wie etwa Der Plan oder Andreas Dorau, und in Hamburg bereitet Alfred Hilsberg mit seinen Labels Zickzack und What's So Funny About den Boden für die Hamburger Schule in den 90ern.

Längst hat sich die Geschichte weiter zerfaselt. Indie Pop als Soundtrack des Heranwachsens ist inzwischen eine eigene Subindustrie, und auch unter dem "Alternative"-Banner werden - oft auch bloß vermeintlich - "andere" Bands verkauft.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

The Jam, Pere Ubu, Madness, The Specials, Malaria!, Palais Schaumburg, Ideal