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Biografie

Yes , 1968 in London formiert, spielten laut "Sunday Times" mit "großem Talent eine überraschende, immens verfeinerte Musik", die "streckenweise zerbrechlich und überaus wohlklingend sein kann, dann aber wieder wirkt, als erklängen gleichzeitig mehrere Symphonieorchester, eine Batterie Artillerie und Dante'sche Höllenschreie". Ihrem sogenannten Progressive Rock, abgekürzt Prog Rock, Symphonic Rock oder auch Art Rock bescheinigte Ernesto Lechner im "Rolling Stone Album Guide" eine oftmals überbordende Anmaßung und Maßlosigkeit, die jedoch auch "Momente seltener Anmut und Schönheit" hervorbringe, "eine bizarre, flüchtige und total unwirkliche Paarung klassischer Texturen mit dem Pathos des Rock 'n' Roll". - "Yes waren in der Vergangenheit dafür bekannt", resümierte Keyboarder Rick Wakeman 2004 in "Good Times", "dass sie musikalische Grenzen einrissen, sich stets nach vorn bewegten. Das klappte zuletzt leider nicht immer."

Die Band entstand, als Sänger/Gitarrist Jon Anderson (geb. am 25. Oktober 1944 in Accrington) und Bassgitarrist Chris Squire (geb. am 4. März 1948 in London) beschlossen, gemeinsam Songs zu schreiben. Mit Peter Banks (geb. am 8. April 1947 in London; g), Tony Kaye (geb. am 18. Mai 1949 in London; org), Bill Bruford (geb. am 17. Mai 1949 in London; dr) gaben sie ihr Debüt im Londoner Marquee Club und als Vorprogramm-Gruppe beim Abschiedskonzert von Cream. "Als wir anfingen", so Anderson, "schwebte mir ein Klang irgendwo zwischen Nice und Fifth Dimension vor." Je mehr Stücke Anderson, der sich an Platten mit Werken von Chopin, Ravel, Liszt und Sibelius schulte, jedoch komponierte und mit literarisch anspruchsvollen Versen versah, desto mehr bekam das Yes-Repertoire ein unverwechselbar eigenes Gepräge. Anderson: "Im Song Prophet versuche ich den Leuten klarzumachen, dass sie Propheten wie Dylan oder den Beatles nicht blind wie Schafe folgen sollen. Das ist der ganze Sinn unserer Musik. Wir versuchen, das Publikum zum Denken zu bringen." Umbesetzungen kamen dem musikalischen Ensemble-Potenzial nur zugute. 1970 ersetzte Steve Howe (geb. am 8. April 1947 in London; g), vordem bei The Syndicates, The In Crowd, Tomorrow, den ausscheidenden Banks. 1971 trat Rick Wakeman (geb. am 18. Mai 1949 in Perivale, Middlesex; kb) an die Stelle von Kaye. 1972 wurde Alan White (geb. am 14. Juni 1949 in Durham), ein renommierter Session-Musiker mit Studioerfahrung bei John Lennon, George Harrison, Joe Cocker, für Bill Bruford neues Combomitglied. Ex-Strawbs-Musiker Wakeman (siehe Bio), Absolvent des Royal College of Music, trug durch seine vollendete Beherrschung sämtlicher Tasteninstrumente und seinen souveränen Umgang mit Cembalo, Mellotron und Moog-Synthesizer am meisten zum künstlerischen Wachstum der Gruppe bei, bis er 1973 für eine Solo-Karriere ausscherte.

Von Platte zu Platte wurden die Urteile und Rezensionen über Yes überschwänglicher. Schon das erste Album hatte die "International Times" als "Meilenstein in der Geschichte britischer Popmusik" willkommen geheißen. Das dritte Album nannte Aretha Franklin die "perfekteste Pop-Platte der letzten Zeit": "In sämtlichen Stücken herrscht solche Spannung, dass man eine weitere Steigerung nicht mehr für möglich hält. Aber Yes kennen keine Grenzen." Über Fragile, das sich drei Monate auf den vier Top-Plätzen der US-Bestsellerliste hielt, urteilte "Rolling Stone": "Ein mächtiges, bewegendes emotionales Ereignis." Nach dem Live-Dreieralbum Yessongs, das keine neuen Stücke enthielt, und den durch Wakemans bevorstehenden Abschied bereits gezeichneten, allzu konfus und rhetorisch geratenen Tales From Topographic Oceans schwang sich der "Melody Maker" bei Relayer abermals zu Superlativen auf: "Aufs höchste gelungen und zufriedenstellend."

Beinahe immer gelang es den Musikern im Konzertsaal, der Qualität ihrer Platten gerecht zu werden. "Es macht uns nichts aus", sagte Anderson, "von den Städten, die wir besuchen, so gut wie nichts zu sehen. Wir sind ausschließlich daran interessiert, möglichst gute Sets abzuliefern." Dahinter jedoch brodelte ein höchst trivialer Konflikt: Wakeman speiste Steaks und schluckte Bier im Angesicht der anderen Musiker, sämtlich Vegetarier. 1974 wollte niemand mehr diese Unbill aushalten. Wakeman verließ die Körnerfresser und machte mit Konzeptalben wie Journey To The Centre Of The Earth (1974) satten Gewinn. An seine Yes-Stelle trat der am 24. Juni 1948 in Morges, Schweiz, geborene Patrick Moraz (kb) von der Band Refugee, ebenfalls klassisch geschult. Nach einer Welttournee 1976 feuerte die Band den geizigen Schweizer und holte sich Wakeman zurück. Zu dieser Zeit entstand auch eine Reihe von Solo-Alben der Yes-Musiker. 1979 stiegen Anderson und Wakeman gemeinsam aus, um Solo-Projekte zu verwirklichen, und wurden durch Trevor Horn und Geoff Downes von der Gruppe Buggles ersetzt. Sie blieben nur ein Jahr, um dann, von Carl Palmer (siehe Bio) angestachelt, die Gruppe Asia zu gründen. Squire und White versuchten sich ebenfalls mit einer Band namens Cinema. Yes war vorübergehend out, wurde aber 1983 von Trevor Horn wiederbelebt.

Die USA-Tournee Anfang 1984 mit Eddie Jobson anstelle von Kaye, Trevor Rabin an der Gitarre und Anderson stimmlich besser als je brach alle Kassenrekorde. Im November 1988 taten sich vier Yes-Spieler zusammen und nahmen auf der Karibikinsel Montserrat ein neues Album auf. Chris Squire, der die Rechte am Gruppennamen besaß, sagte jedoch No zu der geplanten Yes-Reunion, sodass die vier Abtrünnigen ihre Comeback-LP unter dem Bandwurm-Namen Anderson, Bruford, Wakeman, Howe herausbringen mussten. Dem Erfolg tat das keinen Abbruch: Das Album platzierte sich im Sommer 1989 in den USA auf Position 30, im UK sogar auf 14. Zu dieser Zeit hatte der Konflikt der beiden Fraktionen einen Höhepunkt erreicht. Squire, White, Rabin und Kaye konzertierten als Yes, die Anderson-Truppe als Solisten-Quartett. Treffen gab es zeitweise nur vor Gericht. Gesunder Menschenverstand und wohl auch die Verlockung des Mammons brachte die Gegner zur Produktion des Albums Union (1991; UK 7, USA 30) und sogar zu einer erfolgreichen Welttournee wieder zueinander. Für die Fans mochte zur Spannung beigetragen haben, dass die Fraktionen auf der Bühne eher gegeneinander und nur etwa ein Drittel der Show zusammen spielten.

Diese Union war brüchig und hielt nicht lange. 1994 veröffentlichten Anderson, Kay, Squire, White und Rabin das Yes-Album Talk (UK 20, USA 33). Zuvor hatte Anderson mit Bruford und Howe The Symphonic Music Of Yes (1993) mit dem London Philharmonic Orchestra eingespielt. Anderson, 1994 unter dem Titel Change We Must auch wieder mit einem Solo-Album zur Stelle, blieb der charismatische Einzelgänger. Das Video von einem weiteren Yes-Reunionkonzert, mit Wakeman, Squire, Howe und White im März 1996 in San Luis Obispo, Kalifornien aufgenommen, zeigte ihn "als fast jesushafte Erscheinung: wallendes weißes Gewand, braune Holzkette, das blonde Haar zur Mähne ausgewachsen" ("Stereoplay"). Bei einer Pressekonferenz für das ohne Wakeman in San Luis Obispo mitgeschnittene Live-Doppelalbum Keys To Ascension (1996), das ein Jahr später Volume 2 nach sich zog, "sinnierte Anderson mit entrücktem Blick über die selbstzerstörerische Kraft der keltischen Kulturen oder über Frösche auf Hawaii, die im Sechsachteltakt quäken und zu deren Gesängen er sein nächstes Soloalbum einspielen will" (Kritiker Christof Hammer). Wakeman dachte dabei eher ans Marketing: "Die nächsten zwei Jahre werden hart für uns, und sie werden über die Zukunft von Yes entscheiden. Wenn sich die Leute, die wir erreichen wollen, von uns abwenden, ist es Zeit, das Kapitel Yes abzuschließen."

So weit kam es nicht, aber die Chartswertungen gingen in den Keller: Keys To Ascension 1: UK 48, USA 99; Keys To Ascension 2: UK 62, in den USA nicht mehr platziert. Zwischen den beiden Live-Doppelalben, die ohne Sinn und Verstand auch noch mit Neuaufnahmen für ein Studioalbum mit dem Arbeitstitel "Know" befrachtet worden waren, hatte sich Wakeman wieder einmal grollend davongemacht. Billy Sherwood (kb, g), der Band lange verbunden, besetzte als festes Yes-Mitglied flink seinen Stuhl. Die Studio-Tracks der beiden Ascension-Sets kamen später noch einmal auf der CD Keystone in den Handel. Im September 2001 erschien das Doppelalbum Magnification (UK 71) mit einem 60-köpfigen sinfonischen Klangkörper, für das der Filmkomponist Larry Groupé neues Material komponiert und arrangiert hatte. Rick Wakeman: "Bei einem anderen Management wäre ich geblieben. Ich bereue es durchaus, dass ich bei einigen Alben nicht dabei war. Die Songs von Magnification mag ich, nur die Orchester-Arrangements sind schwach. Ich habe immer gesagt, Yes eignen sich perfekt für ein Album mit Orchester. Ich wäre sogar vor Gericht gezogen, um die Arrangements selbst machen zu dürfen, denn ich dachte, vielleicht etwas egoistisch, dass ich der Beste dafür gewesen wäre. Schließlich kenne ich die Band in- und auswendig(...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Yes (1969)
Time And A Word (1970)
The Yes Album (1971)
Fragile (1971)
Close To The Edge (1972)
Yessongs (1973)
Tales From Topographic Oceans (1973)
Relayer (1974)
Going For The One (1977)
Tormato (1978)
Drama (1980)
Yesshows (1980)
90125 (1983)
90125 Live:
The Solos (1985)
Big Generator (1987)
Union (1991)
The Yes Solo Family Album (1993)
Talk (1994)
Keys To Ascension (1996)
Keys To Ascension 2 (1997)
Open Your Eyes (1997)
Something's Coming (1998 BBC-Aufnahmen von 1969/70)
The Ladder (1999)
House Of Yes (2000)
Magnification (2001)
The Word Is Live (2005 3-CD-Set)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Yesterdays (1975)
Classic Yes (1983)
Yesyears (1991 Kassette mit vier CDs, teilweise bis dahin unveröffentlichte Aufnahmen)
Yesstory (1992)
In A Word:
Yes (2002)
Yes Remixes (2003)
The Ultimate Yes:
35th Anniversary Collection (2003)
LP Anderson, Bruford, Wakeman, Howe:
Anderson, Bruford, Wakeman & Howe (1989)
LPs Jon Anderson:
Olias Of Sunhillow (1976)
Song Of Seven (1980)
Animation (1982)
3 Ships (1985)
In The City Of Angels (1988)
The Best Of South America (1994)
Deseo (1994)
Change We Must (1994)
Angels Embrace (1995)
Toltec (1996)
Lost Tapes Of Opio (1996)
The Promise Ring (1997)
Earth Mother Earth (1997)
The More You Know (1998)
LPs Jon Anderson mit Vangelis:
Short Stories (1980)
The Friends Of Mr. Cairo (1981)
Private Collection (1983)
Page Of Life (1991)
Chronicles (1994)

Zusammenstellung:
The Best Of Jon And Vangelis (1984)
LP Chris Squire:
Fish Out Of Water (1975)
LPs Steve Howe:
Beginnings (1975)
The Steve Howe Album (1979)
Turbulence (1991)
The Grand Scheme Of Things (1993)
Not Necessarily Acoustic (1994)
Homebrew (1996)
Quantum Guitar (1998)
Pulling Strings (1999)
Portraits Of Bob Dylan (1999)
Homebrew 2 (2000)
Natural Timbre (2001)
Skyline (2002)
Elements (2003)
Spectrum (2005)
Remedy Live (2005)
Homebrew 3 (2005)
LP Alan White:
Ramshackled (1976)
LP Trevor Rabin:
Can't Look Away (1989)
Weitere LPs Rick Wakeman

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