Wir sind Helden
Biografie
Wir Sind Helden , 2001 in Berlin gegründet, schafften es mit einer einzigen Single, in den Ruf Deutschlands aufmüpfigster Band des neuen Jahrtausends zu gelangen und Teenager und Eltern gleichermaßen für sich einzunehmen. Flüchtig gehört, klangen ihre Songs wie eine Wiederbelebung der Neuen Deutschen Welle. Doch das Berliner Quartett verstand es wie keine deutsche Band zuvor, leichte und eingängige Melodien unaufdringlich mit doppelbödigen Texten zu verbinden, die man nehmen mochte, wie man wollte, oder aus denen man Sozial- und Konsumkritik wie auch melancholische Feinfühligkeit heraushören konnte. Wir sind Helden entwickelten ein scharfes Ohr für Zwischentöne, ohne je belehrend oder moralisierend zu wirken. Sie "wollen die Welt retten und meinen es ernst" ("WOM Magazin"). Ihr größtes Kapital war die Fähigkeit, auch bei brisanten Themen ein Gefühl von Gelassenheit zu vermitteln. Im Gegensatz zu Epigonen wie Juli oder Silbermond hatten es Wir sind Helden zu keinem Zeitpunkt nötig, mit optischen Reizen um ihr Publikum zu buhlen.
Sängerin Judith Holofernes, als Judith Holfelder-von der Tann am 12. November 1976 in Berlin geboren, wuchs in Freiburg auf, kehrte aber nach dem Abitur in ihre Geburtsstadt Berlin zurück. Vor der Gründung ihrer Band tingelte sie als Solokünstlerin durch die Berliner Clubs und veröffentlichte die unbeachtete CD Kamikazefliege. Ihr Künstlername spielte auf eine biblische Geschichte an, in der Judith den Feldherrn Holofernes köpft. Mit ihrem Freund, Schlagzeuger Pola Roy, als Sebastian Roy am 18. Oktober 1975 in Karlsruhe geboren, und Gitarrist Jean-Michel Tourette, als Jens Eckhoff am 10. Juli 1975 in Hannover geboren, rief sie 2001 Wir sind Helden ins Leben. Auf Empfehlung von Pola Roy komplettierte Bassist Mark Tavassol, geb. am 18. Februar 1974 in Bremen, die Antihelden.
Da sie wenig Lust auf den obligatorischen Label-Marathon hatten, veröffentlichten sie zunächst eine selbst produzierte, auf 3000 Einheiten limitierte EP, die sofort vergriffen war. Immer noch ohne Plattenvertrag, gelangten die Helden mit der Single Guten Tag in die deutschen Singlecharts. Die Textzeile "Ich tausch nicht mehr, ich will mein Leben zurück" wurde als Parole für eine ganze Generation selbstbewusster Jugendlicher verstanden. "Die Kulturpessimisten sind die Alten, wir Jungen aber haben Lust aufs Leben – auf ein neues", frohlockte der Kritiker Tino Hanekamp als Reaktion auf den Song. Ein Auftritt in der "Harald Schmidt Show" bewirkte einen deutschlandweiten Popularitätsschub.
Auf der im Sommer desselben Jahres erschienenen CD Die Reklamation spielte die Band ihr Potenzial endlich voll aus. Die Songs changierten zwischen keck und nachdenklich, blumig verschlüsselt und geradeheraus. Bis Mitte des folgenden Jahres verkaufte sich die CD eine halbe Million Mal, und die heroischen Berliner räumten so ziemlich alle musikalischen Preise ab, die es in Deutschland zu holen gab.
Trotz wachsenden Erfolgs gaben sich die vier jedoch nie als Stars und blieben auf Tuchfühlung mit ihren Fans. In Konzerten behielten sie auch vor fünfstelligen Besucherzahlen ihren verbindlichen Plauderton bei. Ihre zweite CD Von hier an blind (2005), "wohl die mit größter Spannung erwartete deutsche Platte dieses Jahres" ("Musikexpress"), war musikalisch ein wenig komplexer und melancholischer als das Debüt, folgte aber dessen Grundrichtung. "Die Helden wollten sich nicht selbst kopieren, aber sie hatten auch keine Lust, angestrengt zu versuchen, alles anders und besser zu machen", konnte man auf der Website der Band lesen.
Eine schwangerschaftsbedingte Auszeit ab Sommer 2006 verkürzte die Gruppe mit der gelungenen Kompilation Wir sind Helden, auf der auch einige französische Versionen ihrer größten Hits zu hören waren. Die Zwangspause wurde 2007 mit der CD Soundso beendet, die aber bei der Kritik eher gemischte Gefühle auslöste und auch umsatzmäßig nicht an die Vorgängeralben anknüpfen konnte.
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Die Reklamation (2003)
Von hier an blind (2005)
Soundso (2007)
Bring Mich Nach Hause (2010)
Zusammenstellung:
Wir sind Helden (2006)
LP Judith Holofernes:
Kamikazefliege (1999)


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