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VEGA, SUZANNE

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Vega,Suzanne

Biografie

Suzanne Vega (voc, g), leitete Mitte der achtziger Jahre ein von Kritikern und der Schallplattenindustrie kaum für möglich gehaltenes Folk Revival ein. Beobachter der Nachtclub-Szene von Greenwich Village, wo sie in den Clubs Gerde's Folk City, Speakeasy, Bottom Line auftrat, verglichen sie mit den großstädtischen Folk-Lyrikerinnen Laura Nyro und Dory Previn (siehe Bios). Nach Erscheinen ihres Debütalbums 1985 wurde sie gar als "eine neue Joni Mitchell" gefeiert. Das Kritikerpaar Paul Evans und Arion Berger in Charlottesville, Virginia, erinnerten ihre Verse im "Rolling Stone Album Guide" an die "hochfliegende Poesie Leonard Cohens", aber ebenso an die Straßenschärfe von Lou Reed: "Doch bei allem ist Vega eine ganz eigenständige Künstlerin. Mitgefühl, Hoffnung und Geheimnis sind in der Popmusik nicht gerade subtil abgehandelte Themen. Vega nimmt sich ihrer mit einer geradezu philosophischen Genauigkeit an."

Am 11. Juli 1959 mit dem zweiten Vornamen Nadine als Tochter des Graphikers Richard Peck in Santa Monica, Kalifornien (nach anderen Quellen am 12. August 1959 in New York), geboren, seit ihrem dritten Lebensjahr mit der Mutter, einer Systemanalytikerin, und ihrem Stiefvater Ed Vega, einem Schriftsteller aus Puerto Rico, an der Upper West Side von Manhattan aufgewachsen, schrieb sie sich zuerst als Tanz-Elevin an der renommierten Fiorello H. LaGuardia High School of Music & Art and Performing Arts an der West 46th Street ein (die im Film-Musical "Fame" das Setting abgab) und studierte dann am Barnard College Englische Literatur. Außerdem besuchte sie jeden Montag einen Songwriters Workshop im Cornelia Street Café.

1983 boten ihr der Anwalt Ron Fiernstein und der Tonmeister Steve Addabbo an, sie zu managen, und gründeten zusammen mit ihr die Musikverlage Waifersongs, AGF Music Limited. Nachdem Stephen Holden Suzanne Vega im Juli 1984 in der "New York Times" "one of the most promising talents on the New York City folk circuit" genannt hatte, kam ein weltweit wirksamer Plattenvertrag mit A & M zustande. Das erste Album Suzanne Vega wurde von Addabbo und Lenny Kaye, vormals Gitarrist bei Patti Smith, koproduziert, erzielte Power Play in den College-Radiostationen und hielt sich - mit der Spitzenposition 91 (UK 11) - 27 Wochen in den "Billboard"-Charts. Es enthielt mit Marlene On The Wall (UK 21) auch bereits einen Hit.

Mit dem Song Left Of Center (UK 32), der zum Soundtrack des Films "Pretty in Pink" gehörte, folgte kurz danach der zweite und mit Luka (USA 3, UK 23), der ihr die erste Grammy-Nominierung einbrachte, aus dem zweiten Album Solitude Standing (1987; USA 11, UK 2) schließlich der dritte. Hinter der melancholischen Melodie, dem kühlen, fast ausdruckslosen Gesang und dem klaren Rocksound verbarg sich eine massive Anklage gegen Kindesmisshandlung und das Schweigen der Erwachsenen.

Der Schmerz der Sängerin wurzelte in ihrer eigenen Kindheit. Sie war in dem Glauben aufgewachsen, dass ihr puerto-ricanischer Vater ihr Erzeuger sei, und erfuhr erst spät, dass sie einen weißen Vater hatte: "Ich war wirklich verwirrt, weil ich dieses sehr starke Identitätsgefühl eines halbpuerto-ricanischen Mädchens hatte. Ich hatte all diese verdrehten Ansichten über weiße Menschen. So war es ein großer Schock, als ich feststellte, dass ich tatsächlich selbst eine Weiße war." Zu Solitude Standing erklärte sie: "Bei meinem ersten Album ging es um Menschen in seltsamen Situationen. Diesmal würde ich sagen: ... in vereinzelten, spezifischen Situationen. Ich schreibe nicht über mich, sondern über jenen Teil in mir, der in allen steckt. Ich versuche, Identitäten zu definieren, den Gefühlen der Menschen Kontur, Farbe und Struktur zu vermitteln."

Eine Band, die im Studio an den Songs mitarbeitete, half ihr diesmal dabei: Marc Shulman (g), Anton Sanko (kb), Michael Visceglia (bg), Sul Evans (dr), Stephen Ferrera (perc). Producer Lenny Kaye: "Die Musiker sind sehr eng verflochten. Es gibt wenige Soli, auch wenn sich die Instrumente hin und wieder hervortun. Es ist, als ob sie hinter Suzanne die Musik weben." Suzanne Vega: "Mit einer Band kriegt man ein Gespür von Energie, das ich erst verstand, als ich in einer spielte. Da sind Ecken und Kanten, die ich allein nicht erreichen konnte. Doch jetzt, glaube ich, kommen sie durch." Von Mai bis Dezember 1985 bereiste die Sängerin mit der Band den Globus: Start im Shubert Theatre am New Yorker Broadway, im Juli Carnegie Hall, im Herbst Ostasien und Australien, zweimal USA und Kanada, zweimal der alte Kontinent. Mit ihren sanften Kompositionen, anspruchsvollen Texten und überlegener Gestaltungskraft fand Suzanne Vega vor allem in Europa ihre Fans. Höhepunkte: Londons Royal Albert Hall, fünf Abende in Dublin sowie "Special Shows" im Regent Park Amphitheater in London, wo sonst William Shakespeare residiert.

1990 veröffentlichte sie ihre dritte LP, Days Of Open Hand, gleichzeitig verbuchte das britische DJ-Duo DNA mit einem nicht autorisierten Remix des Vega-Songs Tom's Diner von Solitude Standing einen Hit. Der unbekümmerte Umgang mit ihrem Copyright verstimmte die Sängerin vorübergehend, doch konnte man sich einigen und sogar noch Kapital aus dem cleveren - und sehr erfolgreichen - Dance-Mix schlagen. Die LP Tom's Album enthielt Vega-Coverversionen von R.E.M. und dem Rapper Nikki D. Days Of Open Hand (1990; USA 50, UK 7) mit Exkursen in experimentellere Sounds verkaufte sich gemessen an der Vorgänger-LP schlecht. Songkritiker Stephen Holden in der "New York Times": "Ein schwieriges Album über eine Welt gestutzter Erwartungen, betäubter Gefühle und okkulter Phantasien." In "Rolling Stone" stellte die Sängerin klar, dass sie "nie Songs machen wollte, um im Radio gespielt zu werden - das war nur eine hübsche Dreingabe".

1992 veröffentlichte Suzanne Vega mit 99.9° F (USA 86, UK 20) zu einem weitgehend elektronisch erzeugten oder durchwachsenen Soundtrack, dem sogleich das Etikett "Industrial Folk" aufgepappt wurde, minimalistische Erzählungen von Verlierern, frustrierten Frauen, missbrauchten Kindern, Aids-Tests, Geschlechtsumwandlungen und dem Tod in einer stilisierten Karnevalsatmosphäre mit Echos von Tom Waits' Swordfishtrombones und Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band. "Es ist ihr bei weitem überzeugendstes Album, sozusagen ein künstlerischer Quantensprung", befand und wählte 99.9° F unter die 50 besten Schallplatten des Jahres. Amerikanische Kritiker schüttelten dazu eher den Kopf. In den USA wurde Vega gelegentlich als musikalische Vertreterin der gehobenen weißen Ostküsten-Mittelschicht angesehen und ihre Musik als "Frauenmusik" (Camille Paglia) verspottet.

Am 17. März 1995 heiratete sie in der New Yorker Radio City Music Hall den Pianisten Mitchell Froom, der 99.9° F produziert hatte, und gebar kurz darauf die Tochter Ruby. Das Familienleben hielt sie vom Songschreiben ab, bis sie ein Kindermädchen engagierte und sich in der Nachbarwohnung ein Arbeitsstudio mietete. Da merkte sie dann wohl auch nicht gleich, dass Froom seine freien Abende zunehmend aushäusig verbrachte. Suzanne ließ sich nach dreijähriger Ehe scheiden. Sie vertiefte sich in die Editionsarbeit für ihr erstes Buch "The Passionate Eye: The Collected Writing of Suzanne Vega", wechselte Plattenfirma und Management und begab sich nach einigem Abstand wieder ins Studio: "Mit Mitchell spielten seine Musiker auf meinen Platten. Nach der Trennung nahm er sie auch wieder mit. Ich kehrte also zu dem zurück, was ich schon vorher gut kannte. Aber wie ein 60er-Folk-Album klingen sollte es auch nicht." Rupert Hine wurde für Songs In Red And Grey (2001), das sich in den ausschlaggebenden Charts nicht platzieren konnte, ihr neuer Produzent. "Songs wie Soap & Water und Penitent", so Jörg Feyer in "Tip", "unterziehen die schmutzige Scheidungswäsche einer spirituellen Reinigung. Das Bild, das Suzanne Vega über die Jahre von sich selbst gewonnen hat, weist heute klarere Konturen auf." Songs In Red And Grey sei nicht nur ein Album des Zweifels und des Haderns geworden, ergänzte Jan Wigger im deutschen "Rolling Stone", sondern vor allem auch eine Demonstration von Vegas Stärken, der Finesse und dem filigranen Songwriting.

Am 11. Februar 2006 heiratete sie in zweiter Ehe den Anwalt und Lyriker Paul Mills, den sie zu Beginn ihrer Karriere 1983 im Club Gerde's Folk City kennengelernt hatte. Im Juli 2007 erschien beim respektablen Jazz-Label Blue Note ihr Album Beauty & Crime mit zwölf sehr persönlichen Story-Songs rund um New York - ihre Hochzeit (Bound), ihre Tochter (As You Are Now), aber auch über den 11. September ein Jahr danach (Anniversary). Ein Happy End? Das Älterwerden, hatte sie 2002 in einem Interview erklärt, bedeute für sie auch eine neue Art von Freiheit, "weil dieser Konkurrenzdruck weg ist und du mit den Jahren die Lizenz bekommst, exzentrischer zu sein. Früher habe ich mich oft gefragt: Warum bin ich nicht jemand anderes? Aber es hieß auch: Warum ist sie so blass? Warum trägt sie schwarz? Warum ist sie(...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Suzanne Vega (1985)
Solitude Standing (1987)
Days Of Open Hand (1990)
99.9° F (1992)
Nine Objects Of Desire (1996)
Songs In Red And Grey (2001)
Beauty & Crime (2007)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Tried & True:
The Best Of (1998)
Retrospective:
The Best Of (2003)

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