Vega, Suzanne (voc, g), am 12. August 1959 in New York geboren, leitete Mitte der achtziger Jahre ein von Schallplattenindustrie und Kritikern kaum für möglich gehaltenes Folk-Revival ein. Nachdem die Songpoetin das in New York übliche Tingeln in den Clubs von Greenwich Village hinter sich gebracht hatte, nahm die Plattenfirma A&M sie 1984 unter Vertrag. Ihr erstes Album wurde von Lenny Kaye, vormals Gitarrist in der Band von Patti Smith, coproduziert und enthielt mit Marlene On The Wall bereits einen Hit. Mit dem Song Left Of Center, der zu dem Soundtrack des Films "Pretty in Pink" gehörte, folgte kurz danach der zweite und schließlich mit Luka, aus der zweiten LP Solitude Standing (1987), der dritte. Hinter der melancholischen Melodie, dem kühlen, fast ausdruckslosen Gesang und dem klaren Rocksound verbarg sich eine massive Anklage gegen Kindesmißhandlung und das Schweigen der Erwachsenen. Der Schmerz der Sängerin wurzelte in ihrer eigenen Kindheit. Sie war in dem Glauben aufgewachsen, daß ihr puertorikanischer Vater ihr Erzeuger sei, und erfuhr erst spät, daß sie einen weißen Vater hatte: "Ich war wirklich verwirrt, weil ich dieses sehr starke Identitätsgefühl eines halbpuertorikanischen Mädchens hatte. Ich hatte all diese verdrehten Ansichten über weiße Menschen. So war es ein großer Schock, als ich feststellte, daß ich tatsächlich selbst eine Weiße war."
Mit ihren sanften Kompositionen, anspruchsvollen Texten und überlegener Gestaltungskraft fand Suzanne Vega vor allem in Europa ihre Fans. 1990 veröffentlichte sie ihre dritte LP, Days Of Open Hand, gleichzeitig verbuchte das britische DJ-Duo DNA mit einem nicht autorisierten Remix des Vega-Songs Tom's Diner von Solitude Standing einen Hit. Der unbekümmerte Umgang mit ihrem Copyright verstimmte die Sängerin vorübergehend, doch konnte man sich einigen und sogar noch Kapital aus dem cleveren - und sehr erfolgreichen - Dance-Mix schlagen. Die LP Tom's Album enthielt Vega-Coverversionen von R.E.M. und dem Rapper Nikki D. Days Of Open Hand verkaufte sich gemessen an der Vorgänger-LP schlecht. Songkritiker Stephen Holden in der "New York Times": "Ein schwieriges Album über eine Welt gestutzter Erwartungen, betäubter Gefühle und okkulter Phantasien."
In "Rolling Stone" stellte die Sängerin klar, daß sie "nie Songs machen wollte, um im Radio gespielt zu werden - das war nur eine hübsche Dreingabe". 1992 veröffentlichte Suzanne Vega mit 99.9û F minimalistische Erzählungen von Verlierern, frustrierten Frauen, mißbrauchten Kindern, Aids-Tests, Geschlechtsumwandlungen und dem Tod in einer stilisierten Karnevalsatmosphäre mit Echos von Tom Waits' Swordfishtrombones und Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band. "Es ist ihr bei weitem überzeugendstes Album, sozusagen ein künstlerischer Quantensprung", befand "Q" und wählte 99.9û F unter die 50 besten Schallplatten des Jahres. In den USA wurde Vega gelegentlich als musikalische Vertreterin der gehobenen weißen Ostküsten-Mittelschicht angesehen und ihre Musik als "Frauenmusik" (Camille Paglia) verspottet. Am 17. März 1995 heiratete sie in der New Yorker Radio City Music Hall den Pianisten Mitchell Froom, der 99.9° F produziert hatte, und gebar kurz darauf die Tochter Ruby. Das Familienleben hielt sie vom Song-Schreiben ab, bis sie ein Kindermädchen engagierte und sich in der Nachbarwohnung ein Arbeitsstudio mietete. Nach vier Jahren Plattenpause erschien 1996 Nine Objects Of Desire mit eher heiteren, sexy und auch komischen Episoden über mütterliche Bedürfnisse, verbotene Begierden sowie seltsame Erlebnisse auf der Hochzeitsreise und auf einem Friedhof. Die Ehe mit Froom ging nach kurzer Zeit in die Brüche. Suzanne Vega verarbeitete ihre Erfahrungen der letzten Jahre auf Songs In Red And Grey (2001)
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