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Biografie

Van Halen , 1974 in Pasadena, Kalifornien, gegründet, kamen aus einem Teenagermilieu, wo der Besitz des schnellsten Autos, der hübschesten Freundin, des teuersten Surfbretts den sozialen Status definierte. Entsprechend großspurig gestalteten David Lee Roth (voc, siehe Bio), am 10. Oktober 1955 in Bloomington, Indiana, geboren, Edward "Eddie" Van Halen (g, electronics), geb. am 26. Januar 1957 in Nijmwegen, Niederlande, Mike Anthony (bg), geb. am 20. Juni 1955 in Chicago, Alex Van Halen (dr), geb. am 8. Mai 1955 in Nijmwegen, ihre Stadionauftritte mit gigantischen Lautsprechertürmen, überdimensionierten Lichtanlagen und einem Bühnengebaren, das an Outriertheit bei den Fans keine Wünsche mehr offenließ. "Unsere Musik ist die City: Crash! Boom! Boom! Bang!", verkündete Roth, der Laut-Sprecher der Gruppe. "Van Halen heißt: einen draufmachen, high am Leben werden. Wir treiben mit voller Lautstärke die bösen Geister aus."

Dazu zwängte sich Roth in hautenge, phantasievoll gemusterte Spandex-Hosen, unter denen sich alle Geschlechtsmerkmale deutlich abzeichneten, und trieb vor dem Mikrophon eine absurde Showgymnastik, die Hollywood und Hard Rock vereinigte. Dieser amüsant narzisstische Vaudeville-Akt machte mögliche Einwände wegen seiner mangelnden vokalen Qualifikation nahezu überflüssig. Dafür brillierte Eddie Van Halen auf der Gitarre und an den Keyboards mit Schrill-, Heul- und Splitter-Effekten in atemberaubendem Tempo, voller trickreicher Übergänge, verblüffender Brüche, ungemein komplexer Phrasierungstricks. "Aus einem Guss war die dämonisch dröhnende und seraphisch glitzernde Mixtur aus irrwitzigen Legatos, brüllend-jauchzenden Tremoloeffekten und den beidhändigen Turbo-Tapping-Kaskaden nicht", so Jürgen Roth im "Musikexpress", "aber nach der Rock 'n' Roll-Revolte der 50er Jahre und nach Hendrix' noch recht archaischem Geräuschchaos eroberte Eddie Van Halen durch Spielfreude und Kalkulation ein unbekanntes Terrain der E-Gitarre, weil er die "Schnörkellosigkeit und Härte" ("Frankfurter Rundschau") und die zwischen Pein und Ekstase changierenden Ausdrucksmöglichkeiten um die Eleganz und Noblesse des lachenden Magiers erweiterte."

Dennoch, so fand die "Village Voice", hatte seine instrumentale Pyrotechnik nur "die emotionale Tiefe eines Steven Spielberg-Films". Eddie und sein Bruder Alex wurden in den Niederlanden als Söhne eines Jazzmusikers geboren, studierten Piano und klassische Kompositionstechnik, bevor sie 1968 mit ihren Eltern nach Kalifornien auswanderten. Dort taten sie sich dann mit Roth, Anthony zum Quartett Mammoth zusammen, das sie später in Van Halen umtauften, weil - so Eddie - "sich das wie eine deutsche Atombombe anhört". Ihr erstes Album (1977) war "ohne Zweifel eine der größten Heavy Rock-Veröffentlichungen unserer Zeit; eine schnelle, aufregende, elektrisierende Angelegenheit. Es war eigentlich fast zu gut" ("Melody Maker"). Der Musik-Mix aus Jazz, Klassik und altmodischem bluesgetöntem Rock 'n' Roll erinnerte bisweilen an Led Zeppelin, an den Donnerbeat der Vanilla Fudge, das Poseur-Getöse von Aerosmith, den funkorientierten Rock der Bad Company. Ihren sogenannten Big Rock brachte die Band am vorteilhaftesten auf der LP MCMLXXXIV (1984) zu Gehör, die den weltweiten Hit Jump enthielt.

1985 trennte sich Roth von der Gruppe, die mit ihm Millionen von Platten verkauft und die größten Arenen gefüllt hatte, und ging auf einen Solotrip. Sammy Hagar, am 13. Oktober 1947 in Monterey, Kalifornien, geboren und einst bei der Heavy Metal-Powerband Montrose, danach lange Jahre solo, nahm seine Stelle ein. Die Alben 5150 (Radio-Code der US-Polizei für "gemeingefährlicher Psychopath ausgebrochen"), OU 812 (Kürzel für das erotisch mehrdeutige "oh, you ate one, too" und Anspielung auf David Lee Roth' erstes Soloalbum Eat 'Em And Smile) balancierten auf dem schmalen Grat zwischen dem Glamour-Image von Sex & Suff & Schlägerei und einem eher harmlosen Klamauk-Rock und hielten die Band nach wie vor in der Oberliga der Bestseller-Gruppen.

Der Weggang ihres Leadsängers schadete Van Halen ebenso wenig wie die parallele Solokarriere von Sammy Hagar, die dieser mehr oder weniger ambitioniert betrieb. Eine längere Platten- und Konzertpause glaubte sich der von Michael Jackson, Frank Zappa, Miles Davis hochgeschätzte Gitarrist Eddie Van Halen Ende der 80er Jahre gönnen zu dürfen. Der Zuspruch von Publikum und Kritikern gab ihm recht: For Unlawful Carnal Knowledge (1991; die Anfangsbuchstaben ergaben das unziemliche "fuck") notierte sofort auf Platz eins der US-Charts und brachte "weitere Verfeinerungen in Van Halens Sound" ("Rolling Stone"). Die Konkurrenz hatte aber mittlerweile aufgeholt: Liebhaber von Schwermetall-Rock bedienten sich nun auch bei den Platten von Metallica oder Megadeth, bei Extreme, Bon Jovi, Aerosmith. Das 1993 veröffentlichte Live-Doppelalbum Right Here, Right Now knickte die Karriere Van Halens leicht nach unten, wenn es auch immer noch ein Top Ten-Album war.

Der Schock für die Band kam, als sie 1995 als Europa-Toursupport für die "Poser" (Alex Van Halen) Bon Jovi auftreten sollte. Dabei war das Album zur Tour, Balance (1995), von Metal-Meister Bruce Fairbairn produziert worden und hatte durchaus gute Kritiken erhalten: "Van Halen in Top-Form", bewunderte "Rolling Stone" und fand lediglich an Hagar etwas auszusetzen. sah das ähnlich: "Hätte Van Halen einen einfallsreicheren Sänger als Hagar, würde man die Band in einem Atemzug mit Led Zeppelin nennen." Eddie Van Halen: "Wir haben uns noch nie sonderlich um die ständig wechselnden Musikgeschmäcker gekümmert. Das ist eher ein Ding der Plattenfirmen und Medien." Die reagierten überrascht, als Van Halen Ende 1996 Hagar kurzerhand entließ.

Für ein kurzes Zwischenspiel kehrte Roth zu seinen alten Kumpanen zurück, doch wollte Van Halen nicht auf Dauer mit ihm zusammenarbeiten. Mit Gary Cherone, Ex-Extreme, bekam die Band einen Sänger, der aus seiner Bewunderung für Robert Plant nie ein Hehl gemacht hatte. Mit seiner Vorliebe für Zahlenspiele nannte Van Halen die mit Cherone aufgenommene CD Van Halen III (1998) - weil er der dritte Sänger der Band war. Sänger und Band schienen sich abzutasten. Eddie Van Halen, der nun ausschließlich mit Edward angesprochen werden wollte, füllte den leeren Raum, den Cherone ließ, mit allerlei Gitarrengeräuschen. "Musikexpress" mochte es nicht fassen: "Das war einst eine amüsante Rockband." "Zitty" assistierte: "Die endlosen Gitarrensoli nerven inzwischen auch die eingefleischtesten Rocker." Das Magazin "New York" gab noch eins obendrauf: "Van Halen grows ever more irrelevant." Und als habe es den Zeitgeist persönlich als Autor gewonnen, führte das Berliner carrousel-Theater im April 1998 in der Regie von Matthias Messmer ein Off-Drama (von Alexej Schipenko) mit dem Titel "Der Tod Van Halens" auf.

Die Band eröffnete zu dieser Zeit in Wellington, Neuseeland, eine Welttournee, das von allen Studioveröffentlichungen am wenigsten erfolgreiche Album Van Halen III stand in den US-Charts immerhin auf Platz vier. Für Best Of Vol. I meldete die Record Industry Association of America zwei Millionen verkaufte Exemplare. Am 3. Juni 1998 wurde Drummer Alex Van Halen beim Soundcheck zu einem Konzert im Hamburger Hafen von einem herunterfallenden Zementbrocken so schwer getroffen, dass mehrere Konzerte abgesagt werden mussten. Im Herbst gastierte die Band in Alaska, Hawaii und Japan. 1999 meldete die RIAA, das Album MCMLXXXIV habe die Zehn-Millionen-Marke passiert. Im gleichen Jahr musste sich Eddie Van Halen einer Hüftoperation unterziehen. Dann passierte monatelang nichts. Im April 2001 wurde bekannt, der Gitarrist kämpfe mit einer Krebserkrankung. Der alte Partner und Rivale David Lee Roth übermittelte auf seiner Website Genesungswünsche und verriet, er habe mit Van Halen im Juli 2000 drei neue Songs geschrieben - "some of the most amazing, phenomenal music ever". Es klang, als stehe eine Reunion der alten Band unmittelbar bevor.

Es wurde nichts daraus. Die Bandmitglieder gingen weiterhin Solowege. 2002 kippten Warner Brothers die Band aus dem seit 1978 bestehenden Plattenvertrag. Im gleichen Jahr beteiligten sich Roth und Hagar an der Tournee "Song for Song - The Heavyweight Champs of Rock 'n' Roll". Michael Anthony stieg verschiedentlich bei Hagars Solo-Band Planet Us ein. Für die zweite Greatest Hits-CD The Best Of Both Worlds, die im Sommer 2004 erschien, nahm Van Halen mit Sammy Hagar drei neue Songs auf. Eine Tournee schloss sich an, die angeblich 55 Millionen Dollar einbrachte und laut Pollstar zu den zehn einträglichsten des Jahres zählte. Die Zeitschrift "Rolling Stone" verriet jedoch, es sei mit der Tour Geld verloren worden. Die Konzerte waren mit Ticketpreisen bis 200 Dollar zu teuer, die meisten Shows desaströs. Aus dem United Center in Chicago wurde berichtet, der zumeist betrunkene Eddie Van Halen sei so oft über das Verstärkerkabel gestolpert, dass seine Gitarre während des Konzerts(...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Van Halen (1977)
Van Halen II (1979)
Women And Children First (1980)
Fair Warning (1981)
Diver Down (1982)
MCMLXXXIV (1984)
5150 (1986)
OU812 (1988)
For Unlawful Carnal Knowledge (1991)
Right Here, Right Now - Live (1993)
Balance (1995)
Van Halen III (1998)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Best Of - Volume 1 (1996)
The Best Of Both Worlds (2004)
LPs und
Zusammenstellungen Sammy Hagar (Auswahl):
Sammy Hagar (1977)
Musical Chairs (1978)
All Night Long (1978)
Street Machine (1979)
Danger Zone (1980)
Standing Hampton (1982)
Three Lock Box (1982)
Rematch (1982)
Through The Fire (1984)
VOA (1984)
I Never Said Goodbye (1987)
Unboxed (1994)
Marching To Mars (1997)
Red Voodoo (1999)
Ten 13 (2000)
Not 4 Sale (2002)
Sammy And The Wabos Live:
Hallelujah (2003)
The Essential Red Collection (2004)
Livin' It Up (2006)
Weitere LPs David Lee Roth

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