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Ten Years After

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Ten Years After

Biografie

Ten Years After schrieben sich mit ihrer zehnminütigen Zugabe I’m Going Home zu ihrem 90-Minuten-Set beim Woodstock Festival 1969 als Ikone in die Rockgeschichte ein. Der rasante Gitarren-Rocker wurde als einziges Stück mit drei Kameras für die Techniscope-Filmdokumentation des Festivals aufgezeichnet. Da jedoch eine der Kameras während der Nummer ausgefallen war, behalf sich Regisseur Michael Wadleigh, indem er die Aufzeichnung der rechten Kamera auf der dreifach gesplitteten Leinwand links spiegelte. Der Trick geriet zum Highlight des Films, wirkte weltweit als Archetyp und beförderte die Band zur beständigs-ten und erfolgreichsten Gruppe des britischen Blues Revivals.

Sie ging aus mehreren Amateurbands namens The Atomites, The Jaycats, The Jaybirds hervor, in denen Alvin Lee (voc, g), geb. am 19. Dezember 1944 in Nottingham, und Leo Lyons (bg), geb. am 30. November 1943 in Standbridge, Bedshire, zwischen 1964 und 1967 in Nottingham, England, zusammen spielten. Als Abstecher nach London und ein Musiktrip nach Hamburg keinen Erfolg brachten, taten sich die beiden Musiker im Mai 1967 in ihrer Heimatstadt mit Chick Churchill (kb), geb. am 2. Januar 1949 in Mold, Wales, und dem nicht mit Alvin verwandten Ric Lee (dr), geb. am 20. Oktober 1945 in Cannock, Staffordshire, zusammen. Im Londoner Marquee Club versuchten sie sich mit Blues und ernteten beim 7. National Jazz & Blues Festival 1967 in Windsor von etwa 20000 Zuhörern ihre ersten Ovationen.

Bis 1975 war das Quartett ständig unterwegs, gastierte beim Newport Jazz Festival, beim Miami Pop Festival, beim Toronto Peace Festival, 1970 auf der Isle of Wight und bespielte die imageträchtigsten Hallen: Londons Royal Albert Hall, New Yorks Madison Square Garden, Tokios Budokan. Da sich die Musiker nur selten zu ernsthaften Interviews bereitfanden, wurden zahlreiche Legenden über Ten Years After kolportiert – etwa: Alvin Lee sei als Kind im Haus seiner bluesbegeisterten Eltern durch den schwarzen Sänger Big Bill Broonzy zur Musik bekehrt worden, oder: er habe seine Kollegen zufällig in Nord-Wales an einer Bushaltestelle kennengelernt, oder: der Name Ten Years After solle symbolisieren, dass Lee und Lyons zehn Jahre nach dem Beginn des Rock ’n’ Roll erstmals zusammengetroffen seien.

Derlei Mystifizierung diente dem Image der Band, die in den USA vielfach zu Unrecht wegen ihrer angeblichen "Rock-Stimmungsmusik" abqualifiziert wurde. "Rolling Stone": "Man dreht sie laut auf, aber man hört ihr nicht zu." Auf ihren Platten hatten die vier Musiker soliden, vom Kansas City Jump abgeleiteten Combo-Swing ( Ten Years After), lebendigen Orgel- und Gitarren-Jazz ( Undead), bizarre Klangcollagen ( Stonedhenge) sowie immer wieder handfesten Blues, Boogie Woogie und Rock ’n’ Roll vorgelegt. Auf die Dauer jedoch wirkten die flinken Gitarren-Monologe von Alvin Lee, der sich auf der Bühne manchmal wie eine Greta Garbo der Rockmusik gerierte, tatsächlich monoton. Im April 1973 empfahl "Melody Maker" dieser "institutionalisierten Band, die für immer zu bestehen scheint", einen Musikerwechsel: "Es ist Zeit für eine Veränderung, selbst wenn die Gruppe anschließend Fifteen Years After heißen müsste."

Lee verstand das Signal, produzierte eine abwechslungsreiche Studio-LP mit dem Sänger Mylon LeFevre ( On The Road To Freedom) sowie prominenten Gästen wie Steve Winwood, Mick Fleetwood, Ron Wood und ließ sich anschließend auf Tournee mit einer neuen Band als Alvin Lee & Co. plakatieren. Ein Live-Doppelalbum wurde im Londoner Rainbow Theatre in folgender Besetzung aufgenommen: Mel Collins (sax, fl), Neil Hubbard (g), Tim Hinkley (kb), Alan Spenner (bg), Ian Wallace (dr) plus Vokal-Trio. In dieses Line-up fügte sich Ex-Star Alvin Lee vortrefflich ein. Ten Years After war gestorben, auch ohne Todesanzeige seitens des Managements.

Noch einmal wurden die Musiker Anfang 1975 für eine USA-Tournee zusammengeholt, und erst danach, im Mai 1975, erklärte Alvin Lee das Ableben der Band. Er selbst machte danach Studio-LPs und arbeitete als hochkarätiger Begleiter. "Sein Spiel erschöpfte sich nie in virtuosem Blendwerk", bescheinigte ihm Franz Schöler ("RS"): "Stilistisch war der Mann so ungemein vielseitig, dass er den Wasserträger für so verschiedene Brötchengeber wie Jerry Lee Lewis und Joan Armatrading, Jackson Browne und die Hot Band von Emmylou Harris, Joe Cocker, Dave Edmunds und die von demselben 1984 bei ihrem Comeback produzierten Everly Brothers spielen konnte." Chick Churchill ließ sich vom Chrysalis-Musikverlag anstellen, Leo Lyons wurde Plattenproduzent (u. a. UFO), Ric Lee eröffnete eine eigene Produktionsfirma, ließ sich aber immer mal wieder ans Schlagzeug locken, unter anderem 1979 für einen Aufguss von Chicken Shack.

Die Band, mit der sich Alvin Lee zwischen 1978 und 1980 umgab, nannte er spöttisch Ten Years Later, veröffentlichte deren Studioprodukte Rocket Fuel (1978) und Ride On (1979) aber unter seinem Namen. 1983 trommelte er die Ten Years After-Veteranen für einige Nostalgieauftritte wieder zusammen. Seitdem hielt die Anhänglichkeit der Uralt-Fans die Gruppe wenigstens dem Namen nach in wechselnden Besetzungen am Leben. 1988 spielte eines dieser Reunion-Sets auf vier Festivals in Deutschland und produzierte das Album About Time (1989). Eine US-Tournee schloss sich an. 1991 nahm er den Titel Ten Years Later für ein Konzert im Londoner Town & Country Club wieder auf. 1992 bereiste Lee mit Peter Maffay die Bundesrepublik, veröffentlichte 1996 das Album Live In Vienna und die Compilation Pure Blues und bestellte 1997 für die CD Solid Rock die alten Kameraden wieder ein: "Solange ich nicht endgültig das Ende ansage, gibt es die Band – auch noch 30 Jahre danach."

Die kurzfristige Reunion zeigte allerdings nur, wie weit sich der Solist Lee mit seinen früheren Partnern auseinandergelebt hatte. Als sich Chick Churchill, Leo Lyons, Ric Lee, durch erfolgreiche TYA-Wiederveröffentlichungen inspiriert, 2003 noch einmal zu Ten Years After – Now (CD-Titel, 2004) vereinigten, baten sie nicht Alvin Lee, sondern den 1977 geborenen Newcomer Joe Gooch an die Gitarre. Das alt/neue Ensemble bereiste 2004 Europa und Kanada, 2005 dasselbe nochmal plus USA, Lateinamerika, Ostasien und Australien, im Live-Doppelalbum Roadworks (2005) dokumentiert.

Alvin Lee, seit 1995 auch in Südspanien ansässig, reagierte verschnupft. 2004 tat er sich in den USA mit Elvis Presleys ehemaligen Begleitmusikern Scotty Moore (g, bg), D. J. Fontana (dr) zusammen und nannte das Projekt "Alvin Lee in Tennessee".

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Ten Years After (1967)
Undead (1968)
Stonedhenge (1968)
Ssssh (1969)
Cricklewood Green (1970)
Watt (1971)
A Space In Time (1971)
Alvin Lee And Company (1972)
Rock ’n’ Roll Music To The World (1972)
Recorded Live (1973)
Positive Vibrations (1974)
About Time (1989)
The Friday Rock Show Sessions – Live At Reading ’83 (1990)
Live 1990 (1992)
Live At The Fillmore East 1970 (2001)
Ten Years After – Now (2004)
Roadworks (2005 live)
Evolution (2008)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Classic Performances (1977)
Portfolio (1988)
LP Alvin Lee & Company:
In Flight (1974)
LP Alvin Lee & Mylon LeFevre:
On The Road To Freedom (1973)
LPs Alvin Lee:
Pump Iron (1975)
Let It Rock (1978)
Detroit Diesel (1986)
Zoom (1992)
1994 (1994 USA-Titel:
I Hear You Rockin’)
Live In Vienna (1996)
Alvin Lee In Tennessee (2004)
Saguitar (2007)
In Between The Cracks (2007 mit Hogan Heroes)
LPs Ten Years Later:
Rocket Fuel (1978)
Ride On (1979)
LPs Alvin Lee Band:
Free Fall (1980)
RX 5 (1981)
LP Chick Churchill:
You And My (1973)

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