TAYLOR,JAMES
Biografie
James Taylor Vernon (voc, g), wurde am 12. März 1948 im Bostoner General Hospital geboren. Sein Vater, der damals dort als Medizinstudent arbeitete, wurde später Dekan an der medizinischen Fakultät der University of North Carolina in Chapel Hill. In einem liberalen Elternhaus mit elf Zimmern und auf der idyllischen Ferieninsel Martha's Vineyard vor der Küste von Maryland luxuriös aufgewachsen, besang James Taylor seine "komfortable Neurose" ("Melody Maker") mit der "Intensität eines blinden Bluesinterpreten" (Jazztrompeter Miles Davis). Er sang und spielte, von der Mutter an Klavier, Geige und Cello geschult, so sensibel und intim, dass er in einer Riesenarena den Eindruck privaten Musizierens in einer Wohnstube vermitteln konnte. Seine bittersüßen Songs erzählten "auf einem Niveau, das in der populären Musik nur selten erreicht wird" ("Time"), vom Gemütszustand und den psychischen Problemen eines Großteils der Woodstock-Generation um 1970. Unsicherheit, Willensschwäche, die Flucht zur Droge, der Flirt mit dem Suizid: Taylor konnte davon erzählen, denn er hatte das alles hinter sich gebracht.
Er verließ die renommierte Milton Academy bei Boston, deren militärischen Drill er hasste, und schloss sich zusammen mit seinem Bruder Alex in North Carolina der Rock 'n' Roll-Band Fabulous Corsayers an. Zurück im College, unternahm er mit siebzehn einen Selbstmordversuch und ging anschließend ins McLean-Nervensanatorium nach Belmont, Massachusetts. Nach neun Monaten hinter vergitterten Fenstern floh er im Juli 1966 nach New York, lebte in einer Bude, die mit nichts als einer Matratze und einem Radio möbliert war, gründete zusammen mit dem Gitarristen Danny "Kootch" Kortchmar die Band Flying Machine und spritzte Heroin. Nach einem eiskalten Rauschgift-Winter waren, wie er in seinem Hit Fire And Rain berichtet, "die süßen Träume und die Flugmaschine am Boden zerschellt".
Der Drogenhölle Manhattan entkam er nach London. Dort erkannte der Plattenproduzent Peter Asher (früher Mitglied des Duos Peter and Gordon) Taylors Talent und vermittelte ihn für eine Solo-LP an die Beatles-Firma Apple. Von dieser LP mit der düsteren Gift-Poesie solcher Songs wie Don't Talk Now, Knocking 'round The Zoo und Rainy Day Man, die aber auch den späteren Hit Carolina In My Mind enthielt, wurden in einem Jahr nur 30000 Exemplare verkauft. Von der zweiten, nach einer Entziehungskur für Warner Bros. aufgenommenen Produktion Sweet Baby James gingen 1970 rund zwei Millionen Platten über den Ladentisch. Das Anschlussalbum Mud Slide Slim befand sich bereits zwei Monate nach Erscheinen auf Platz zwei der amerikanischen LP-Charts; die ausgekoppelte Single You've Got A Friend von Carole King schaffte es bis Juni 1972 - als Taylors einziger Top-Hit - bis auf Platz eins.
Zu dieser Zeit war er bereits prominent genug, um in der normalerweise klassischen Interpreten vorbehaltenen "Great Performers"-Konzertserie des New Yorker Lincoln Center aufzutreten; die 27 Konzerte seiner ersten USA-Tournee waren binnen kurzem vollständig ausverkauft. Da auch sei-ne Geschwister Alex (geb. 1947), Kate (geb. 1950) und Livingston (geb. 1951) mittlerweile Gesangsalben aufgenommen hatten, nannten "Rolling Stone" und "Time" die Taylors in Cover-Storys die "First Family of New Rock". Tatsächlich waren diese vier der fünf Kinder von Professor Isaac Taylor musikalisch talentiert. Alex (voc) verfügte über eine kräftige Rockstimme; Kate (voc) artikulierte professionell im klassischen Bluesidiom; Livingston (voc, g) war ein Texter und Komponist mit Imagination. Nur James aber, in dessen Musik die "einsamen Gitarrenakkorde des Country-Klanges, die kernige Erzählweise des Folksongs und die rhythmische Melancholie des Blues", jene "drei schwarzen und weißen Hauptströme der Popmusik" ("Time"), zusammenfließen, entwickelte das Charisma einer Kultfigur. "Wenn uns James düster zum Mitsingen einlädt, ist es eine Aufforderung, auf Grabsteinen zu tanzen", schrieb "Rolling Stone".
Nach seiner Heirat mit Carly Simon (siehe Bio) am 3. November 1972 freilich war Taylor vom Friedhof in die bürgerliche Wohnstube zurückgekehrt. Dort ging ihm die Inspiration für bedeutungsvolle Songtexte aus. Seine folgenden Hits wa-ren entweder Duette mit seiner Frau (Mockingbird, 1974, Devoted To You, 1978) oder Ausflüge in Fremdmaterial (How Sweet It Is von Holland/Dozier/Holland, Handy Man von Jimmy Jones/Otis Blackwell, Up On The Roof von den Drifters). Seine LPs, die er in regelmäßigen Abständen veröffentlichte, plätscherten musikalisch dahin, wurden aber von der College-Jugend gern gekauft. Taylor regenerierte sich zum boy-next-door. Auch durch häufige Gastspiele auf den LPs anderer Künstler wie Tom Rush, Joni Mitchell, Linda Ronstadt, Arlo Guthrie, Art Garfunkel verlor er an Profil. Er schrieb blassere Songs als früher, interpretierte sie aber mit größerer Autorität und jubelte manche LP mittels stets ausverkaufter Konzerte zu Gold-Status empor. Seine Greatest Hits (auf Warner Bros., 1976) und JT (erstmals auf Columbia, 1977) erreichten sogar Platin. JT (USA Pop 4) enthielt mit der angejazzten R & B-Coverversion des Stückes Handy Man aus dem Jahr 1960 einen massiven Single-Hit, Chartposition vier, für den Taylor - "Best Male Pop Vocal Performance" - seinen zweiten Grammy erhielt.
Insgesamt aber wurde das Album, wohl wegen der eher lieblosen Streicherarrangements von Arif Mardin, von der Kritik unter Wert rezipiert. Wäre zum Beispiel "das in der Wolle Folk-gefärbte Millwalker auf Sweet Baby James erschienen", spekulierte Franz Schöler später im deutschen "Rolling Stone", "es wäre wegen seiner melodischen Qualität von jedermann als ein Song-Kleinod gepriesen worden". 1979 trug Taylor einige Songs zu dem mäßig erfolgreichen Broadway-Musical "Working" bei. Es beruhte auf Interviews der amerikanischen Radiolegende Studs Terkel aus Chicago, die der Songtexter und Theaterkomponist Stephen Schwartz ("Godspell") für die Bühne eingerichtet hatte.
1981 unternahm James Taylor, parallel zum Album Dad Loves His Work, auf einer Tournee durch Ostasien, Australien und die USA einen neuen Karriereanlauf - ohne nachhaltige Folgen. Auf Tournee - 1982 einmal mit 30, einmal mit 37 Konzerten in den USA - füllte er immer noch große Hallen und Arenen. Im Juni dieses Jahres sang er im New Yorker Central Park vor einer Million Menschen. Doch die Droge hatte ihn nach stressreichen Auseinandersetzungen mit seiner Frau wieder im Griff, und ihm fiel als Songschreiber nichts mehr ein. 1982 wurde er von Carly Simon, mit der er eine Tochter Sally und einen Sohn Ben hat, geschieden und heiratete 1985 die Schauspielerin Kathryn Walker. Den Mut dazu verdankte er einem Konzerterlebnis am 12. Januar 1985 in Brasilien.
Er war ausgebrannt und hatte in mehreren Interviews erklärt, er wolle aufhören. Zum Festival "Rock in Rio" fahre er nur noch, um diese vertragliche Verpflichtung zu erfüllen. Er trat als Vorletzter auf, doch 250000 jubelnde Fans ließen ihn nicht von der Bühne. Als das Konzert zwei Tage später in derselben Reihenfolge wiederholt werden sollte, bat der Gitarrist George Benson, der nach Taylor kommen sollte, vor ihm auftreten zu dürfen. Da war er der Headliner. Taylor: "Das hat mein Leben verändert."
In den achtziger und neunziger Jahren ließ er kaum eine Gelegenheit zu Benefiz-Galas aus, immer in der Nähe der berühmtesten Stars: zur Pflege des Central Park im Central Park, mehrfach in der Carnegie Hall für die Ret-tung des Regenwaldes, für die Landwirtschaft auf Martha's Vineyard, für Kinder ("For Our Children", 1991) und Tiere ("Among Animals", 1992). Allein im Dezember 1987 ging er dreimal zu wohltätigen Zwecken auf die Bühne: am 4. im Prince's Trust Concert im Londoner Palladium, am 10. in Washington für Amnesty International, am 13. im Madison Square Garden für die medizinische Versorgung obdachloser Kinder. Stets waren seine Auftritte, Tourneen und Schallplatten bei allem Mangel an erregenden Momenten von hoher handwerklicher Qualität. John Rockwell von der "New York Times" nannte den Stil auf Platten wie Taylors That's Why I'm Here (1985), Never Die Young (1988) und New Moon Shine (1991) "WASP-Rock".
White Anglo-Saxon Protestants, die betuchte, angepasste weiße Mittelklasse im Nordosten der USA, stellte das Gros von Taylors Publikum, mit dem er so manche Erfahrung teilte: Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, der Partnerschaft, der Erziehung von Kindern, Trauer um Freunde und Verwandte, politische Enttäuschungen, Alkoholprobleme und schlechte Drogentrips. James Taylor, so schien es, gehörte auch in den Neunzigern zu vielen amerikanischen Familien. Er konzertierte regelmäßig und brach im Oktober 1991 im Bacon Theatre in New York den Hausrekord. An sechs Abenden mit insgesamt 32 400 Besuchern wurden 842 820 Dollar erlöst. Im August 1992 nahm sein Management für zwei Konzerte im Mann Music(...)
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
James Taylor (1968)
Sweet Baby James (1970)
Mud Slide Slim And The Blue Horizon (1971)
James Taylor And The Original Flying Machine - 1967 (1971)
One Man Dog (1972)
Walking Man (1974)
Gorilla (1975)
In The Pocket (1976)
JT (1977)
Flag (1979)
Dad Loves His Work (1981)
That's Why I'm Here (1985)
Never Die Young (1988)
New Moon Shine (1991)
(Live)
(1993)
(Best Live)
(1994)
Original Flying Machine 1967 (1996)
Hourglass (1997)
Live At The Beacon Theatre (1998)
October Road (2002)
A Christmas Album (2004 2006 unter dem Titel At Christmas wiederveröffentlicht)
One Man Band (2007)
Covers (2008)
Other Covers (2009)
Zusammenstellungen (Auswahl):
Greatest Hits (1976)
Greatest Hits Volume 2 (2000)
The Best (2003)

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