Start | Streisand,Barbra | Rowohlt-Biografie

Streisand,Barbra

Im Handel erhältliche Produkte

Streisand,Barbra

Biografie

Barbra Streisand Joan (voc), am 24. April 1942 als Tochter eines jüdischen Lehrers im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren und mit 15 Monaten vaterlos geworden, beklagte sich im Juni 1971 bei "Rolling Stone", sie sei zu Unrecht als Interpretin der Alten und des Establishment abgestempelt worden: "Ich bin doch erst 29, ist das vielleicht alt?"

Wie jung sie musikalisch geblieben war, versuchte der Broadway-, Hollywood- und Schallplattenstar danach auf einigen LPs zu beweisen. Auf ihre unverwechselbar dramatische Art, mit Jazzphrasierung, Soulfarben und Gospeltönen, sang sie auch Rockstücke von John Lennon, Paul Simon, Randy Newman, Laura Nyro, Carole King und putzte sie gelegentlich zu Show-Arien auf. In ihrem Album Barbra Joan Streisand wurde sie vom Damen-Rockquartett Fanny (siehe Bio) begleitet. In Enough Is Enough (No More Tears), für zwei Wochen Nummer eins in Amerika, war sie mitreißend neben Donna Summer zu hören. Der Welthit Woman In Love aus ihrem Bestselleralbum Guilty (weit über 20 Millionen Dollar Umsatz) wurde von Barry Gibb von den Bee Gees produziert.

Gewiss, Barbra Streisand hatte sich in den Musical-Filmen "Funny Girl", "Hello, Dolly!", "On A Clear Day You Can See Forever", "Funny Lady" als Spitzen-Entertainer der USA profiliert, sie hatte mit ihren Unterhaltungsmusik-LPs die Vortragskunst herkömmlicher Songs zur Vollendung gebracht und sich als Filmproduzentin ("Yentl") gegen viele Widerstände in der harten Männerwelt Hollywoods durchgesetzt. Sie beherrschte nach einer ärmlichen Kindheit und harten Lehrjahren als Putzfrau, Toilettenfrau, Platzanweiserin, Barsängerin aber nur annähernd das aggressive Rockidiom.

"Viele Rocksänger", sagte sie, "haben eine Begabung, die mir leider fehlt, sie schreiben sich ihr eigenes Repertoire." Als sie es mit dem "Love Theme" aus dem von ihr produzierten Film "A Star is Born" (Titel: Evergreen) zusammen mit dem Komponisten Paul Williams einmal versuchte, wurde sie prompt mit einem Grammy prämiert. Aber das war nur eine ihrer zahlreichen Auszeichnungen. Über die Jahre erntete sie zwei Oscars, zwei ASCAP Awards, drei Emmys, drei People’s Choice Awards, drei Golden Globes, zehn Grammys, einen Tony, zwei Cable Ace-Preise und mehrere Lifetime Achievement Awards. Die Vier-CD-Box Just For The Record (1991) versammelte Greatest Hits, Live-Höhepunkte und Raritäten ihrer bis dahin vollendeten Karriere.

Barbra Streisand hat – außerhalb der Rockmusik – ähnlich wie Frank Sinatra die Kunst der Popsong-Interpretation auf einen Höhepunkt geführt. Besonders ihre Live-Alben One Voice, 1987 im Garten ihres kalifornischen Anwesens aufgenommen, und das vom Konzert im Madison Square Garden 1994 demonstrierten ihren magischen Rapport mit dem Publikum. Diese Konzerttournee, vom "Time"-Magazin vorab als "The Music Event of the Century" apostrophiert, setzte bei Ticketpreisen von 50 bis 1500 Dollar einen neuen Einnahmerekord. "Rolling Stone": "Ihr Status als Pop-Ikone ist in den neunziger Jahren endgültig gesichert."

Als sie am Ende des Jahrzehnts und jenes Jahrhunderts, das sie zur "Voice of America" erhoben hatte, ihre späte Hochzeit mit dem Schauspieler James Brolin mit zwölf Love Songs auf dem Album A Love Like Ours (1999) feierte, bemerkte der "Musikexpress", die Arrangements plätscherten "reibungslos im Hintergrund", und erwies der Funny Lady Respekt: "Kantigere Produktionen wie auf Butterfly oder Stoney End werden wir wohl nie wieder von ihr hören, aber das geht in Ordnung: die 57-Jährige ist in ihrem eigenen Universum, Lichtjahre jenseits von Diva, Kitsch und Nasenoperation" (Christoph Lindemann).

Mit dem Konzert Timeless, am Silvesterabend 1999 im MGM Grand Hotel von Las Vegas für ein Doppelalbum mitgeschnitten und in je zwei Galas im September 2000 in Los Angeles und New York wiederholt, verabschiedete sie sich von der großen Bühne, um fortan nur noch in Film- und Plattenstudios aufzutreten oder Regie zu führen – "aus Lampenfieber", wie sie sagte.

Timeless – Live In Concert (2000) war ein Rückblick auf die beispiellose Schallplattenkarriere der höchstbezahlten Popsängerin des 20. Jahrhunderts. 36 ihrer Alben wurden mit Gold ausgezeichnet, 20 mit Platin, zehn davon sogar mehrfach. Seit sie in den Sixties die Szene betrat, hatte sie in jedem Jahrzehnt zumindest zwei Langspielplatten an die Chartspitze platziert. 2005 wurde ihr Status als umsatzstärkste US-Schallplattenkünstlerin aller Zeiten durch eine Statistik der Record Industry Association of America (RIAA) offiziell.

Im Herbst 2006 überwand sie ihre Bühnenangst und ging mit ihren Songs und politischen Statements gegen die Kriegspolitik ihres Präsidenten George W. Bush abermals auf Tournee, dokumentiert im Doppelalbum Live In Concert 2006 (2007). Einen Zwischenrufer im New Yorker Madison Square Garden beschied sie wenig ladylike: "Shut, the fuck, up!", sinngemäß: "Halt die Fresse!", und erklärte anschließend: "Die Aufgabe des Künstlers ist es, zu verstören." Einen politischen Gegner, der in Fort Lauderdale, Florida, einen vollen Trinkbecher nach ihr schleuderte, nahm sie umgekehrt in Schutz: "Dies ist ein freies Land, und die Leute müssen ausdrücken können, was sie empfinden."

Über ihre Herkunft erklärte sie am 17. Oktober 2006 im Konzert in Toronto: "Als ich dort aufwuchs, habe ich Brooklyn gehasst. Nun beziehe ich aus meinen Wurzeln meine Kraft." Ende Juni 2007 gastierte La Streisand – in der Berliner Waldbühne – erstmals in der Bundesrepublik.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs und
Zusammenstellungen (Auswahl):
The Barbra Streisand Album (1963)
The Second Album (1963)
People (1964)
Funny Girl (1964 Original Broadway Cast)
On A Clear Day You Can See Forever (1965 Soundtrack)
The Third Album (1965)
My Name Is Barbra (1965)
My Name Is Barbra – Two (1965)
Color Me Barbra (1966)
Je m’appelle Barbra (1966)
A Happening In Central Park (1967)
Simply Streisand (1967)
Funny Girl (1968 Soundtrack)
Hello, Dolly! (1969 Soundtrack)
What About Today? (1970)
Stoney End (1971)
Barbra Joan Streisand (1971)
Barbra Streisand Live (1972)
Live Concert At The Forum (1972)
Classical Barbra (1973)
And Other Musical Instruments (1973)
The Way We Were (1974)
Greatest Hits (1974)
Butterfly (1974)
Funny Lady (1975 Soundtrack)
Lazy Afternoon (1975)
The Christmas Album (1976)
Classical Barbra (1976)
A Star Is Born (1977 mit Kris Kristofferson)
Streisand Superman (1977)
Songbird (1978)
Greatest Hits Vol. 2 (1979)
Wet (1979)
The Main Event (1979 Soundtrack)
Guilty (1980 mit Barry Gibb)
Memories (1981)
Yentl (1983 Soundtrack)
Emotion (1984)
The Broadway Album (1985)
One Voice (1987)
Nuts (1987 Soundtrack)
Till I Loved You (1988)
A Collection:
Greatest Hits … And More (1989)
Just For The Record (1991 4-CD-Box, Raritäten und Aufnahmen von 1955–1988)
The Prince Of Tides (1991 Soundtrack)
Back To Broadway (1993)
Barbra – The Concert 1994 (1994)
The Mirror Has Two Faces (1996 Soundtrack)
Higher Ground (1997)
A Love Like Ours (1999)
Timeless – Live In Concert (2000)
Christmas Memories (2001)
Duets (2002)
The Ultimate Collection (2002)
The Movie Album (2003)
The Very Best Of (2004)
Guilty Pleasures (2005 mit Barry Gibb)
Live In Concert 2006 (2007)

Ähnliche Künstler