The Stranglers , 1974 in Guildford, England, zunächst mit Hugh Cornwell (voc, g), am 28. August 1949 in London geboren, Jean-Jacques Burnel (voc, bg), am 21. Februar 1952 als Sohn französischer Eltern in London geboren, Jet Black (dr), bürgerlich: Brian Duffy, am 26. August 1948 in Ilford, Essex, geboren, als Guildford Stranglers gegründet, ein Jahr später mit Dave Greenfield (kb), am 29. März 1949 in Brighton, Sussex, geboren, komplettiert, machten "psychopathisch eindringliche Gegenwartsmusik" ("Sounds") mit brutalen rhythmischen Strukturen und finsteren Texten, in einer "seltsamen Mischung aus Pessimismus und Romantizismus" ("New Musical Express"). In ihrem Musikgefühl waren sie dem US-Westküstenrock der sechziger Jahre verhaftet, gebärdeten sich wie eine New Wave-Band, waren aber ganz sicher keine Punk-Gruppe.
"Der kennzeichnende pulsierende Rhythmus, die immer noch an die Doors erinnernde Orgel, die abgehackten Gitarrenläufe, dieses Sprachkauderwelsch und Herumgestottere, diese Überdrehtheit und Ruhelosigkeit der Stranglers ist doch nichts anderes als ein Symptom der Aufbruchstimmung, die endlich jene lärmende Lethargie und Resignation der 70er Jahre wegfegen will" (Kritikerin Ingeborg Schober). Mit sexistischen Songtexten, verbaler Kraftmeierei und tätlichen Angriffen auf kritische Journalisten machten sie sich alsbald einen zweifelhaften Namen. So glaubten sie an das "Gesetz des Dschungels", sonst "wird man so wie Schweden". Frauen waren für sie "Objekte männlicher Lust", die "bloß einen guten Orgasmus brauchen". Die Frauenbewegung verhöhnten sie als "brauchbar", denn "ich mag es immer, wenn sich eine Frau unter mir bewegt" (Cornwell). Mit einem Vokabular, das sie wiederholt dem Faschismusverdacht aussetzte, taten sie die Amerikaner als "minderwertige Rasse" ab, weil ihnen in den USA der Erfolg versagt blieb, und hielten Gewalt für "eine nützliche Sache" (Burnel). Nach ihrem Hit-Debüt Rattus Norvegicus (1977) und einigen Anschlußtreffern gerieten sie 1979 in ein Karrieretief. Sie gingen verstärkt auf Tournee, wurden in juristische Händel verstrickt und 1980 in Nizza sogar ins Gefängnis gesteckt. 1981 hatten die Stranglers mit den Alben The Meninblack, La Folie erneut eine Glückssträhne. Die Singles Golden Brown, Strange Little Girl waren mit ihrem untypischen sanften Sound internationale Erfolge. Dementsprechend versuchte die Band auch, ihr Image zu ändern, und tat ihr früheres grobschlächtiges, mißverständliches Gebaren als Zeichen einer überwundenen Unreife ab. Dennoch gerieten sie mit weiteren Produktionen ins Minenfeld verfestigter kritischer Vorurteile. So lobte der "Musikexpress" neuere Arbeiten als "großartige Synthese aus Rock_'n'_Roll, Pop, Boogie und Synthieblues", während der "NME" bösartig konstatierte: "Sie bleiben musikalisch ihrem Namen treu und strangulieren uns mit ihren häßlichen, uninspirierten und sinnentleerten Songs."
Spätestens seit Anfang der achtziger Jahre stand den vier versierten Musikern ihr Böse-Buben-Image im Wege. Die Alben The Raven (1979), La Folie (1981) und Aural Sculpture (1984) mit Songs wie Duchess, dem Cembalo-Walzer Golden Brown, dem französisch gesungenen La Folie und Let Me Down Easy zeigten das Pop-Potential der Band, handwerkliches Können, Ideenreichtum. Nebenbei produzierten Burnel, Cornwell sowie Burnel und Greenfield Soloalben. Stur hielt "Rolling Stone" die Band für eine ewiggestrige Punk-Formation - erst recht, als die Musiker mit markigen Sprüchen - "Americans got small brains" - aneckten. Verhängnisvoller als die abnehmende Publikumsgunst erwies sich das Desinteresse der Musiker an ihren eigenen Klängen. Auf Dreamtime (1986) folgte eine laue Zusammenstellung von Live-Aufnahmen, dann eine Singles-Collection. Cornwell begann sich von den Stranglers zu lösen und unterschrieb 1988 einen Solo-Vertrag bei Virgin; 1990, noch vor der Veröffentlichung des zehnten Albums (10) verließ er die Band. Burnel, Greenfield und Black engagierten Paul Roberts als Sänger und den Ex-Vibrators-Gitarristen John Ellis. Als die LP Stranglers In The Night 1992 erschien, verglich "Q" Roberts mit Julian Cope und Andy Bell (Erasure), doch war durchaus Ähnlichkeit mit Cornwells Timbre auszumachen. Immerhin: "Zu einem Zeitpunkt, als mehr darauf hindeutete, daß die Band auseinanderbreche, als daß sie sich zu neuen Höhen aufschwingen würde, reagieren sie mit einem Album solcher Qualität, wie um alte Fans, die sich schon abgewandt hatten, zu beschämen" ("Q").
About Time (1995) lobte "Mojo" abermals als "dunkel und gefährlich", wenn das Blatt sich auch an Paul Roberts' "manieriertem Pop-Gesang" stieß und Cornwell zurückwünschte. Written In Red (1997) schaffte es in den UK-Charts gerade noch auf Platz 52 - für eine einzige Woche. Das 21jährige Bestehen der Band zeigte die Stranglers als Club von Dirty Old Men: Für das Konzert zum Ereignis holten sie sich ein Streichorchester auf die Bühne, um die ausgebleichten Hits zu spielen - es bestand nur aus Frauen. Doch dann übernahm ein entschlossener Mann das Kommando und - zumindest für die Hälfte der Stücke - das Mikrofon. Mehr noch: Bassist Burnel sang auf Coup De Grace (1998) nicht nur, er steuerte mit Songs wie Miss You, In The End, You Don't Think ..., God Is Good auch ganz frische Melodien und Arrangements zum Repertoire bei. "Musikexpress": "Alles in allem Pop auf höchstem Niveau." J.J. Burnel: "Jetzt machen wir nur noch Sachen, die für uns Neuland bedeuten und die Stranglers nicht zu einem bloßen Job verkommen lassen."
Während des NATO-Einsatzes im Kosovo reiste die Truppe zur Truppenbetreuung ins jugoslawische Pristina und gab in Bosnien mehrere Konzerte. Burnel: "Die Soldaten haben im Laufe des Abends angefangen, um ihre Maschinenpistolen herumzutanzen." Aufnahmen vom martialischen Punk wurden u.a. im Live-Doppelalbum 5 Live 01 (2001) veröffentlicht. Burnel: "Es erscheint uns richtig, alle paar Jahre das jeweils letzte Kapitel unserer Historie mit einem Live-Album zu dokumentieren."
Neue Stücke enthielt es naturgemäß nicht, worauf "Stereoplay" mäkelte: "Hätten sie ihre Zeit doch besser in ein neues Studio-Album gesteckt." Man kann's eben nicht allen recht machen.
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