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Soul II Soul

Soul II Soul

Biografie

Soul II Soul war die "Musikmaschine" ("Billboard") eines Londoner "Netzwerks von Aktivitäten, das schwarze Musik, Kultur, Mode und Lifestyle zusammenschweißt" (Chef-Initiator Jazzie B, bürgerlich: Beresford Romeo, geboren am 26. Januar 1963 in Hornsey, Nord-London). Nach dem Motto "A happy face a thumping bass for a loving race" bot der Soul II Soul-Clan auf seinem ersten Album einen sinnlichen afro-karibischen Mix von HipHop und House Music, reich an schwelgerischem Soulgesang, geladen mit harten Drum-Sounds, großorchestralen Schwellklängen und dröhnenden Reggae-Basslinien.

Jazzie B, der Sohn westindischer Immigranten, hatte bereits mit 14 seine erste Band Jah Rico formiert, bevor er sein Organisationstalent entdeckte und als Discjockey wie Impresario der alternativen Amüsierszene Londons Impulse zu geben begann. Mit einer Rotte inspirierter Freunde wie Nellee Hooper (Arrangeur), Nicolai Bean und Philip "Daddae" Harvey (Instrumentalisten) baute er ein Mini-Imperium aus Klamotten-Shops auf, in denen selbstentworfene T-Shirts, Jogging-Anzüge, Lederjacken, Regenschirme, Amulette und Afro-Schmuckstücke feilgeboten wurden, weiter gehörten ein Musikcomputer-Vertrieb, ein Party-Management und eigene Tanz-Clubs dazu. Dabei kombinierten Mercedes-Fahrer Jazzie und seine Freunde "die äußeren Kennzeichen geschäftlichen Erfolges mit dem afro-karibischen Dreadlock-Stil einer starken schwarzen Identität" und "überbrückten die Kluft zwischen Straßenjunge und Yuppie, ohne durch irgendwelche Konzessionen dem Klischee eines Aufsteigers zu verfallen" ("The Face"). Mit dieser merkantil orientierten Vision einer multirassischen Gesellschaft gaben sie "dem schwarzen Großbritannien ein neues Gesicht" ("Spin"), mussten sich allerdings auch Vorwürfe des Thatcherismus gefallen lassen.

Jazzie B ("Wir sind vor allem ein Business und keine politische Bewegung") sah sich missverstanden: "Jeder sollte die Freiheit besitzen, einen schönen Mercedes zu fahren, satanische Verse zu schreiben oder Julio Iglesias zu samplen. Warum soll (Virgin-Plattenboss) Richard Branson ein Held und ich ein Verräter sein? Darf ein Schwarzer denn partout keine Dollars machen?"

Schon vor der Veröffentlichung der LP Club Classics Volume One (1989) hatte die Single Keep On Movin’ die Gruppe nicht nur landesweit bekannt gemacht. Sängerin Caron Wheeler zog mit ihrer Stimme auch die aus der LP ausgekoppelte Single Back To Life (However Do You Want Me) beiderseits des Atlantiks in die Charts. 1990 schlug sie eine nicht minder erfolgreiche Solokarriere ein. Als Soundtüftler halfen Jazzie B und Hooper Fine Young Cannibals, Neneh Cherry und lieferten 1991 mit dem Arrangement des Prince-Songs Nothing Compares To You für Sinéad O’Connor ihr vorläufiges Meisterstück. Der Mühe Lohn: Brit Awards, American Awards, Grammys, "Rolling Stone"-Ehrung.

Ihr Sammelsurium-Imperium bauten die Musiker zielstrebig um eine Video- und Schallplattenabteilung sowie eine Talentagentur weiter aus. Für ihre zweite Platte engagierten sie Saxophon-Altmeister Courtney Pine (siehe Bio) und nahmen junge Talente wie HipHop-Musiker Fab 5 Freddie sowie die Sängerinnen Kym Mazelle und Razette neben einer Vielzahl von weiteren Musikern hinzu. Die "patentierte Formel" ("Q") ging wieder auf: Volume II: 1990 A New Decade (1990) stieg innerhalb kürzester Zeit auf Platz eins der britischen Charts und konnte sich auch in den USA behaupten.

Eine begonnene US-Tournee im selben Jahr konnten Soul II Soul nicht zu Ende führen: Jazzie B wurde bei einem Autounfall schwer verletzt. Wieder genesen, gründete er 1991 das lange geplante Label Funki Dred. Währenddessen hatte Hooper Massive Attacks LP Unfinished Sympathy produziert. Mit ihrer dritten eigenen Produktion setzte sich der Trend fort, in Europa erfolgreicher zu sein als in den USA: Volume III – Just Right enterte in Großbritannien mühelos die Top Ten, in den USA lediglich die Top 100. Ehrung aus den USA kam von anderer Seite: James Brown engagierte Jazzie B für seine Platte Universal James.

Die jungen Soul-Verwerter aus Großbritannien waren anerkannte Partner für die Soul-Stars der USA geworden. Dafür lief Jazzie B mit seiner eigenen Musik den Trends bald orientierungslos hinterher. Time For Change (1997) liebäugelte mit Soul, Drum ’n’ Bass, Reggae, setzte aber den Titel der LP nicht in die Tat um und verfehlte die Charts.

Do’reen Waddell, geb. 1966, Leadsängerin in Soul II Soul-Stücken wie Feel Free, Happiness, floh am 1. März 2002 in Shoreham, Sussex, vor einer Anzeige wegen Ladendiebstahls aus einem Supermarkt auf den Highway A 27 und wurde von drei Fahrzeugen überrollt. Es dauerte mehrere Tage, bis sie identifiziert werden konnte. Der "Daily Telegraph" zitierte Nachbarn in Shoreham, die Mutter eines vierjährigen Sohnes habe ihren erzwungenen Abschied von der Gruppe nicht verwunden.

Jazzie B wollte das nicht kommentieren. Er brachte 2003 das Remix-Album Soul II Soul At The Africa Center mit Aufnahmen aus dem Londoner Club heraus, in dem die Truppe in den Achtzigern residiert hatte.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Club Classics Volume One (1989)
Volume II:
1990 A New Decade (1990)
Volume III – Just Right (1992)
Volume IV – The Classic Singles ’88 – ’93 (1993)
Volume V – Believe (1995)
Time For Change (1997)
At The Africa Center (2003)

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