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SIMON,CARLY

Simon,Carly

Biografie

Carly Simon (voc, p, g), am 25. Juni 1945 als Tochter des Verlegers Richard Simon (Simon & Schuster) in New York geboren, war in Reichtum aufgewachsen, hatte vorzügliche Schulen besucht und sich neben ihren älteren Schwestern (Joanna wurde Opernsängerin) stets vernachlässigt gefühlt: "Um wenigstens irgendetwas zu sein, sprang ich einmal auf den Kaffeetisch, imitierte Al Jolson und galt fortan als Clown der Familie; das war wenigstens was."

Neben ihrer zweijährigen Ausbildung an der Sarah Lawrence-Schauspielschule trat sie zusammen mit Schwester Lucy als The Simon Sisters in Folkclubs auf, besang für Kapp Records drei Duo-LPs und hatte mit dem Song Winkin', Blinkin' And Nod 1964 einen winzigen Hit. Die Songs der ersten beiden LPs wurden in einer limitierten Auflage von 4000 Stück im Doppelalbum The Simon Sisters von der Edition Hip-O-Select wiederveröffentlicht. Als ihre Schwester heiratete und eine Familie gründete, gab Carly Simon ein sechsmonatiges Gastspiel bei der Rockband Elephant's Memory.

Bob Dylans Manager Albert Grossman lehnte es ab, ihr zu helfen: "Man merkt deinen Liedern an, dass du es immer zu leicht hattest. Du hast nie erfahren, was es heißt, für sein Leben schuften zu müssen." Daraufhin wurde sie Sekretärin, schrieb Reklametexte, gab Gitarrenunterricht und ging zur Psychoanalyse. Einen Vers ihres Songs Rolling Down The Hills nahm sie wörtlich: "People who have no hills write songs about plains" (Wer keine Berge hat, soll von Ebenen dichten).

Ihre folgenden Stücke, die sie mit einer wandlungsfähigen, oft leicht nasal klingenden Stimme vortrug, schilderten die flachen, manchmal nur eingebildeten Probleme und Emotionen der betuchten US-Bürgerjugend: Familienleben, Liebe, Ehe, Einsamkeit, Generationskonflikt. Die harmlosen Verse von "stillen Mittagen, tränenreichen Nächten, zornigen Morgenstunden", von "einem Leben, von dem man mir immer gesagt hat, es solle so sein" (Songtext That's The Way I've Always Heard It Should Be, US Pop 11), kamen an.

Ihr Debütalbum auf Elektra platzierte sich 1971 auf Position 30 der LP-Chart. Von dem Album Anticipation wurden im selben Jahr in vier Monaten 400000 Exemplare verkauft, No Secrets und Hotcakes erreichten in noch kürzerer Zeit die Millionengrenze. No Secrets (1972) hielt sich fünf Wochen an der Chartspitze und warf mit You're So Vain, drei Wochen auf Platz eins, ihre erste Top-Single ab.

Im Herbst 1972 hatte Carly Simon den Sänger und Gitarristen James Taylor (siehe Bio) geheiratet, der sie bei Hotcakes instrumental und auf der Hit-Single Mockingbird, Coverversion eines 1963er R & B-Songs von Charles und Ines Foxx, auch vokal begleitete. Die Ehe, der eine Tochter Sarah Marie ("Sally", geb. am 7. Januar 1974) und ein Sohn Benjamin Simon ("Ben", geb. am 22. Januar 1977) entstammt, wurde 1982 geschieden. Beide Kinder entwickelten sich zu Bürgerrechtsaktivisten und Popinterpreten, die später vielfach mit ihrer Mutter zusammenarbeiteten. 1988 heiratete sie ihren langjährigen Lebensgefährten James Hart.

Auf der Bühne war die Künstlerin, die unter extremem Lampenfieber litt, nur selten zu sehen. Ihr Album Greatest Hits Live (1988) nahm sie vor geladenen Gästen im Hafen von Gay Head auf der Prominenteninsel Martha's Vineyard auf - ein Heimspiel. Auf Platten versuchte sie mehrfach durch überraschende und überraschend musikalische Stilwendungen dem Vorwurf, sie sei der "perfekte Yuppie-Popstar" ("Rolling Stone"), zu entkommen. 1981 brachte sie auf der LP Torch herkömmliche Standards von Hoagy Carmichael, Duke Ellington, Rodgers & Hart in eine zeitgemäße Form. 1983 ließ sie sich für Hello Big Man von Bob Marleys Reggae zum Flirt mit schwarzer Musik verführen und holte sich die besten Rhythmiker aus Jamaika ins Studio: Sly (Dunbar, dr) & Robbie (Shakespeare, bg, siehe Bio).

Vom Kino war Carly Simon fasziniert, seit sie 1977 mit ihrem Titelsong Nobody Does It Better zum James Bond-Film "Der Spion, der mich liebte" bis auf Platz zwei der Charts vorgestoßen war. 1986 wurde ihr Beitrag zum Ehe-Lichtspiel "Heartburn", Coming Around Again, als "Filmsong des Jahres" für einen Oscar nominiert. 1988 lieferte sie fast den vollständigen Soundtrack zu "Working Girl" ("Mit den Waffen einer Frau") und sang in dieser Emanzipationssaga neben dem Titelstück Let The River Run, für das sie den Oscar erhielt, vier weitere Songs. Weitere Soundtracks: Postcards From The Edge (1990) mit dem Song You Are The Love Of My Life, This Is My Life (1992).

Am 25. Februar 1993 wurde ihre Kinderoper "Romulus Hunt" über den vergeblichen Versuch eines Sohnes, die geschiedene Ehe der Eltern wieder zu kitten, im New Yorker John Jay Theater uraufgeführt und anschließend im Kennedy Center in Washington sowie in der Metropolitan Opera gezeigt. Sie schrieb die vier Kinderbücher "Amy the Dancing Bear", "The Boy of the Bells", "The Fisherman's Song", "The Nighttime Chauffeur" und veröffentlichte 1997 einen Roman für Erwachsene, "Midnight Farm". In den Neunzigern brachte sie bis dahin nur eine einzige LP mit neuen Songs heraus (Letters Never Sent, 1994) und unternahm - nach 15 Jahren - 1995 nur eine einzige Tournee.

Unverändert bevorzugte sie für ihre Live-Auftritte die entspannte Ferienatmosphäre von Martha's Vineyard, wo sie schon einmal Präsident Clinton auf dem Saxophon begleitete (September 1994) und wo sie (August 1995) vor 10000 Besuchern mit ihrem Ex-Gatten James Taylor ein Benefizkonzert für die Agricultural Society gab. 1994 wurde Carly Simon im New Yorker Sheraton Hotel in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen. Dass sie die Auszeichnung verdiente, belegte die 3-CD-Box Clouds In My Coffee (1995), in der Arista die besten Produkte ihrer Schallplattentätigkeit bei Elektra, Warner Bros., United Artists, Angel und Arista editorisch vorbildlich zusammengefasst hatte. "Stereoplay": "Eine Singer/Songwriterin, die um den feinen Unterschied zwischen Emotion und Kitsch weiß."

Ihren Überdruss an dem permanenten Vorwurf, sie sei doch nur ein privilegiertes, reiches Mädchen, hatte sich die Sängerin, die sich Anfang 1998 einer Brustoperation mit anschließender Chemotherapie unterziehen musste, schon 1985 vom Songautor Larry Raspberry für ihr Album Spoiled Girl von der Seele schreiben lassen: "Tired of all the platinum frustration, tired of looking like a cutie on the cover of a magazine, tired of chasing all the latest sensations, tired of being blonde."

1999 gab sie ihr Elf-Zimmer-Apartment am New Yorker Central Park West auf, nachdem die Monatsmiete von 2500 Dollar auf 8000 Dollar erhöht worden war, und zog nach Boston, wo ihr im Mai 1998 vom Berklee College die Ehrendoktorwürde verliehen worden war. Dort und auf Martha's Vineyard schrieb sie sich zur Produktion im Heimstudio mit namhaften Gastmusikern, darunter Jazz-Drummer Steve Gadd, die Krebsangst und die Tortur der Therapie von der Seele.

The Bedroom Tapes (2000), voller Narben (im Song Scar), Furcht (I Forget) und der Darstellung ihrer Maskeraden (Actress), wurde ihr bis dato persönlichstes und anrührendstes Album. Stilistisch oszillierte es zwischen Folk, Dixieland, R & B und Mainstream Rock mit einer unmissverständlichen Broadway-Reverenz. Der Schlusstitel, In Honor Of You (George), war an George Gershwin gerichtet. Textprobe: "Wie kann ich weitermachen, wenn jeder Gedanke schmerzt / Ich flirte mit der Vorstellung, nie wieder Songs zu schreiben."

Ins Great American Songbook gehörte Carly Simon bereits, seit sie 1990 auf Placido Domingos Album The Broadway I Love das jazzige The Last Night Of The World aus dem Musical "Miss Saigon", 1993 für den Film "Sleepless in Seattle" sowie Frank Sinatras Duets I den Klassiker In The Wee Small Hours Of The Morning und 1994 für das Coveralbum The Glory Of Gershwin des Mundharmonikavirtuosen Larry Adler I've Got A Crush On You sang. Es waren Interpretationen von seltener Einfühlsamkeit.

2002 brachte sie bei Rhino Records das ebenso gefühlige Weihnachtsalbum Christmas Is Almost Here heraus, das sich so gut verkaufte, dass es im folgenden Jahr, um zwei weitere Songs ergänzt, noch einmal erschien: Christmas Is Almost Here Again. 2004 erschien unter dem Titel Reflections ihr vierter Sampler mit Greatest Hits (US Pop 22), 2005 Moonlight Serenade, ihr viertes Coveralbum mit Standards und ihrer höchsten Chartswertung seit Hotcakes von 1974: Platz sieben. Dafür ging sie zum ersten Mal seit zehn Jahren sogar wieder auf Tournee.

Doch wie es im Song heißt, Into Each Life Some Rain Must Fall, schlug sich Carly Simon seit 2000 auch wieder einmal mit der Justiz herum. Ihr Patenjunge, der schwarze Singer/Songwriter und Rapper John Forte, 26, aus dem gefährlichen Brownsville-Viertel von Brooklyn, Freund ihres Sohnes Ben Taylor, saß wegen Rauschgiftschmuggels für 14 Jahre im Knast - für die Lady ein unverhältnismäßiges Urteil. "John ist ein gering einzuschätzender Missetäter", erklärte sie im Juli 2005 dem "Boston(...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Carly Simon (1971)
Anticipation (1971)
No Secrets (1972)
Hotcakes (1974)
Playing Possum (1975)
Another Passenger (1976)
Boys In The Trees (1978)
Spy (1979)
Come Upstairs (1980)
Torch (1981)
Hello Big Man (1983)
Spoiled Girl (1985)
Coming Around Again (1987)
Working Girl (1988 Soundtrack)
Greatest Hits Live (1988)
My Romance (1990)
Have You Seen Me Lately (1990)
Postcards From The Edge (1990 Soundtrack)
This Is My Life (1992 Soundtrack)
Romulus Hunt - A Family Opera (1993)
Letters Never Sent (1994)
Film Noir (1997)
The Bedroom Tapes (2000)
Christmas Is Almost Here (2002)
Christmas Is Almost Here Again (2003)
Moonlight Serenade (2005)
Into White (2007)
This Kind Of Love (2008)
Never Been Gone (2009)

Zusammenstellungen (Auswahl):
The Best Of (1976)
Clouds In My Coffee 1965-1995 (3-CD-Box, 1995)
The Very Best:
Nobody Does It Better (1999)
Anthology (2002)
Reflections:
Greatest Hits (2004)

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