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PRESLEY, ELVIS

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Presley,Elvis

Biografie

Elvis Presley A(a)ron (voc, g), am 8. Januar 1935 in East Tupelo, Mississippi, als Sohn des Landarbeiters Vernon Presley und seiner Frau Gladys geboren, verkörperte als "archetypischer Held der amerikanischen Populärkultur" ("Twen") den Mythos des Rockers par excellence - mit Aggressivität, grobschlächtiger Sinnlichkeit und der Schwermut des Außenseiters. Aus dem Bodensatz der Gesellschaft schwang sich der "Anwalt der unterdrückten Teenagersehnsüchte" (Franz Schöler), dessen Zwillingsbruder Jesse Garon kurz nach der Geburt gestorben war, zum Multimillionär auf, der beinahe jede Honorarsumme für seine Darbietungen fordern konnte.

Bis zu seinem Tod 1977 hatte Presley rund 500 Millionen LPs und Singles abgesetzt und übertraf damit jeden anderen Showstar. Für mehr als 100 Singles und 40 LPs nahm der höchstbezahlte Entertainer der Welt, Headliner in über 30 Hollywoodfilmen, Goldtrophäen entgegen. Seine Fernsehshow "Aloha from Hawaii" am 14. Januar 1973 wurde über Satellit weltweit live übertragen und von etwa einer Milliarde Menschen gesehen - auf den Philippinen bei einer Einschaltquote von 91 Prozent.

Dieser beinahe magische Konsens zwischen Sänger und Publikum funktionierte in den ersten Jahren seiner beispiellosen Karriere noch ohne Massenmanipulation. Elvis war damals der natürliche Outlaw, ein schüchterner Junge, der seine Mutter abgöttisch verehrte, sich während seiner Schuljahre Haare und Koteletten zur Selbstbestätigung lang wachsen ließ, die von Weißen verschmähten schwarzen Radiostationen abhörte und seine Zweidollarfünfzig-Gitarre nach dem Rhythm & Blues von Ghetto-Idolen wie Arthur Crudup, Junior Parker, Chuck Willis stimmte.

Der Song My Happiness, den er im Sommer 1953 als Geburtstagsgruß für seine Mutter im Plattenstudio von Sun Records in Memphis sang und pressen ließ, war in jenem Jahr ein aktueller Hit des schwarzen Ensembles The Ink Spots. Sun-Inhaber Sam Phillips (siehe Bio), der den jungen Lastwagenfahrer der Crown Electric Company daraufhin zunächst widerstrebend unter Vertrag genommen hatte, lancierte Presleys Coverversion von Crudups 1946 veröffentlichtem Blues That's All Right, Mama sowie des Bill Monroe-Bluegrass-Stückes Blue Moon Of Kentucky im Juli 1954 auf lokale Rundfunkwellen und erhielt in den darauf folgenden Tagen 5000 Bestellungen.

Mit seinen ständigen musikalischen Begleitern Scotty Moore (g), Bill Black (bg), J. D. Fontana (dr) entwickelte Presley sodann im Sun-Studio jenen Rockabilly-Personalstil, eine Melange aus Country, Blues, Gospel und Rock 'n' Roll, der "die Musikwelt entflammen" sollte ("The Memphis Commercial Appeal"). "Die Urszene, der Anfang des Anfangs!", jubelte Thomas Groß ein halbes Jahrhundert später über The Sun Sessions (CD-Titel) in der "Zeit": "Als führe Gottes Federkiel hernieder. Als käme der Geist einer Musik herab, die noch nicht weiß, was für ein Beben sie draußen in der Welt verursachen wird, und auch nichts davon wissen will, weil sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, mit dem Halten des Energielevels, mit der Feier des Augenblicks und seinen zentralen Botschaften: "That's all right, mama" und "we're gonna rock that blues away". Oder handelt es sich um eine Sinnestäuschung?

Ob in jenen Tagen in Memphis der Rock 'n' Roll erfunden wurde, ob die Rockkultur überhaupt eine einzige Stifterfigur kennt statt der vielen, die diesen Strom zustande gebracht haben, wird auf ewig umstritten bleiben wie die richtige Auslegung der Heiligen Schrift." Nachdem Baby, Let's Play House im Juli 1955 bis auf Platz 15 der nationalen Country-Bestsellerliste vorgestoßen und Elvis aus einer Discjockey-Umfrage als "vielversprechendster Country & Western-Star" hervorgegangen war, erwarb der New Yorker RCA-Konzern den Sun-Schallplattenkontrakt mitsamt allen bereits gefertigten Aufnahmen für 35 000 Dollar sowie einer Abschlagszahlung von 5000 Dollar für den Künstler.

Am 28. Januar 1956 präsentierte Presley in der "Tommy & Jimmy Dorsey Stage Show" seinen ersten RCA-Titel Heartbreak Hotel. "Er ließ seine weit gespreizten Beine schlottern", erinnerte sich sein Biograph Jerry Hopkins, "und zuckte kaum merklich mit dem rechten Knie. Es war eine Art Mischung aus rasantem Schlurfen und Charleston-Geschlenker. Er grinste höhnisch, senkte seine Augenlider, lächelte aus dem linken Mundwinkel und zuckte mit den Hüften. So etwas hatte das amerikanische Fernsehpublikum noch nie gesehen; und Elvis bot es ... im Fernsehen ... von Küste zu Küste." Heartbreak Hotel verkaufte sich auf Anhieb eineinhalb Millionen Mal. In einer Woche im September 1956, in der Presley bei einer Sehbeteiligung von 82,6 Prozent in der Ed Sullivan-Fernsehshow auftrat, warf RCA sieben Singles gleichzeitig auf den Markt - unmittelbar gefolgt vom Titelsong Love Me Tender des ersten Presley-Films, der eine Singleauflage von sieben Millionen erreichte.

Es kam die Zeit, da sich der Sänger im goldenen Cadillac mit Perlmuttdach zum hysterischen Kreischen verzückter Teenager auf die Konzertbühne chauffieren ließ und auf dem Cover einer LP erklärte: "50 Millionen Elvis-Fans können sich nicht irren." Zwar wetterten die professionellen Kritiker in der ganzen Welt einhellig wie nie zuvor gegen den "Albtraum an schlechtem Geschmack" ("Look"), den "Striptease in Kleidern" ("New York Times") und die "aufdringliche Barbarei" ("Encyclopaedia Britannica"). "Unaussprechbar, untalentiert und vulgär" nannte ihn die "Herald Tribune", einen "heulenden Hillbilly" die Illustrierte "Life", Reverend Robert Gray schleuderte den Bannstrahl: "Ein neuer Tiefpunkt spiritueller Degeneration ist erreicht."

Aber das allerorten vorausgesagte baldige Ende der Presleymanie blieb aus - dank der "genial gelungenen Strategie eines cleveren Unternehmers" ("Die Zeit"). Von Anfang an wurde Presleys Karriere von seinem Manager "Colonel" Tom Parker (siehe Bio) gelenkt. Der einstige Tingeltangel-Schausteller, der im Süden der USA vordem Spatzen gelb angemalt und als Kanarienvögel verkauft sowie tanzende Hühner auf heißen Blechplatten zur Jahrmarktsattraktion erhoben hatte, "trieb einen Wucher mit Elvis' Pfunden, der zwar maßlos und lachhaft war, aber dennoch ständig erstaunliche Erfolge brachte" ("Die Welt").

Parker sorgte dafür, dass Presley auch während seiner Militärzeit in Deutschland (1958 bis 1960) in den Schlagzeilen blieb, obgleich er sich keine privaten Exzesse zuschulden kommen ließ. Er konnte es sich leisten, bei einer TV-Show nur 2500 Dollar für den Presley-Auftritt zu verlangen und auf die Frage nach dem Grund für diesen billigen Tarif zu antworten: "Die restlichen 47 500 Dollar kassieren wir für den Abgang." Er erhielt die geforderten 25 000 Dollar Zusatzhonorar bei einer MGM-Filmproduktion, in der Elvis vor der Kamera seine eigene Armbanduhr getragen hatte - Parker: "Dass er seine eigene Garderobe beibringen muss, war nicht ausgemacht." Er setzte sogar die Komponisten, die für seinen Schützling schreiben wollten, mitunter derart unter Druck, dass sie den Sänger als angeblichen Co-Autor an ihren Tantiemen beteiligten. Eigentümer des Musikverlags: "Colonel" Parker. Für ihn war Presley wohl wirklich von Anfang an "die ideale Marionette für lukrative Überlegungen, der Idealfall eines geglückten Managements, die traurige Karikatur eines Rockers, dem man nach erfolgreicher Gehirnwäsche jegliche Vitalität ausgetrieben hat" (Franz Schöler).

Das Wirken des Managers reicht freilich nicht aus, den überdimensionalen Initialerfolg des Sängers in den Jahren 1956 bis 1958 zu erklären. Auch die Tatsache, dass die damals kommerziellsten Produzenten, Jerry Leiber und Mike Stoller (siehe Bio), den Top-Rocker betreuten, ist als Grund für das Presley-Charisma ungenügend. "Elvis tat nichts anderes", schrieb die Londoner "Times", "als das Höllenfeuer und die Verdammungsintensität der Pentecostal-Gemeinde, der er in seiner Jugend angehörte, in ein Good Rockin' Tonight zu übersetzen." - "Elvis gab den Weißen ihren Körper zurück", befand Black Panther Eldridge Cleaver in seinem Buch "Soul On Ice".

Aber auch das definiert die Erfolgsformel nicht genau. Presleys Songs waren - zumal im Anfang - stets dreidimensional in Text, Musik und Live-Interpretation. Die Texte seiner Lieder spiegelten allenfalls eine unschuldige, pubertäre Teenager-Erotik wider und stießen deshalb bei den Rundfunksendern kaum auf Ablehnung. Seine vokale Interpretationsweise deutete diese Texte, für Zensurinstanzen unwägbar, durch eine sexuell wirksame Atemgeräuschtechnik und sinnliche Dehnungen als laszives Kopfkissengeflüster während eines Beischlafs aus. Auf der Bühne schließlich wirkte der "Wolf (Stimmton) im Schafspelz (Texte)" ("The Guardian") durch die eindeutigen Bewegungen seines Unterleibs unmaskiert "wie ein sexueller Freibeuter" (Geoffrey Cannon) - und wurde damit insgesamt zum Teenageridol. In ihm verkörpere sich zum ersten Mal, schrieb der Publizist Alan Posener wenige Tage nach Presleys Tod, "der in seinen(...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs und
Zusammenstellungen (bis 1977):
Elvis Presley (1956)
Elvis (1956)
Loving You (1957)
Elvis' Christmas Album (1957)
Elvis' Golden Records (1958)
King Creole (1958)
For LP Fans Only (1959)
A Date With Elvis (1959)
Elvis' Golden Records Volume 2 (1959)
Elvis Is Back! (1960)
G. I. Blues (1960)
His Hand In Mine (1960)
Something For Everybody (1961)
Blue Hawaii (1961)
Pot Luck (1962)
Girls! Girls! Girls! (1962)
It Happened At The World's Fair (1963)
Elvis' Golden Records Volume 3 (1963)
Fun In Acapulco (1963)
Kissin' Cousins (1964)
Roustabout (1964)
Girl Happy (1965)
Elvis For Everyone (1965)
Harum Scarum (1965)
Frankie And Johnny (1966)
Paradise, Hawaiian Style (1966)
Spinout (1966)
How Great Thou Art (1967)
Double Trouble (1967)
Clambake (1967)
Elvis' Gold Records Volume 4 (1968)
Speedway (1968)
NBC-TV Special (1968)
From Elvis In Memphis (1969)
From Memphis To Vegas/From Vegas To Memphis (1969)
On Stage:
February 1970 (1970)
Almost In Love (1970)
That's The Way It Is (1970)
Elvis Country (1971)
You'll Never Walk Alone (1971)
Love Letters From Elvis (1971)
Elvis Sings The Wonderful World Of Christmas (1971)
Elvis Now (1972)
He Touched Me (1972)
Elvis:
As Recorded At Madison Square Garden (1972)
Burning Love & Hits From His Movies Volume 2 (1972)
Separate Ways (1972)
Aloha From Hawaii:
Via Satellite (1973)
Elvis (1973)
Raised On Rock (1973)
Elvis:
A Legendary Performer Volume 1 (1974)
Good Times (1974)
Elvis:
As Recorded Live On Stage In Memphis (1974)
Promised Land (1975)
Today (1975)
Elvis:
A Legendary Performer Volume 2 (1976)
The Sun Sessions (1976)
From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee (1976)
Welcome To My World (1977)
Moody Blue (1977)
Elvis In Concert (1977)
Postume
Zusammenstellungen (Auswahl):
Platinum - A Life In Music (1997 4-CD-Box)
Sunrise (1999)
Artist Of The Century (1999 3-CD-Box)
The Essential (2007)
Elvis The King (2007 18 CD- oder Vinyl-Singles + DVD)

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