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Placebo

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Placebo

Biografie

Placebo , 1994 in London gegründet, vollzogen mit Musikern aus Schweden, England und den USA einen weiten Bogen von artifiziellem Progressive Rock zu unprätentiösem Gitarrenrock, der sie zu einer der führenden Alternative Bands auf der Jahrtausendschwelle machte. Dabei war nicht immer klar, ob sich das Interesse der Medien mehr auf die Musik oder auf das androgyne Outfit des Bandleaders Brian Molko richtete.

"Vieles an Placebo ist ein bisschen verwirrend", klagte "Visions": "Ein amerikanisch-englisch-schwedisches Trio, das unter dem Label Britpop populär wurde, aber eigentlich nie welchen gespielt hat, das von David Bowie zum Tour-Support eingeladen wurde, noch bevor das Debütalbum veröffentlicht war, und dessen Sänger von 98 von 100 Menschen auf den ersten Blick als Frau identifiziert wird." "Intro" traf mit einer provokant formulierten Frage das Dilemma der Band: "Genügt es, den eigenen Drang nach geschlechtlicher Indifferenz und beruflicher Maßlosigkeit verschwenderisch zur Schau zu stellen, um catchy Wave Rock in die Charts zu wuchten?" Molko antwortete: "Wenn du als Rockstar ernst genommen werden willst und dann durch eigene Dummheit und Naivität zur Comic-Figur mutierst, ist das ein ziemlicher Schock."

Für "Kerrang" waren sie dennoch "die letzten großen Rockstars" der britischen Inseln. Der Amerikaner Brian Molko (voc, g) und der Schwede Stefan Olsdal (bg) lernten sich bereits mit acht Jahren auf einer internationalen Schule in Luxemburg kennen. 1994 trafen sie sich in London wieder und beschlossen spontan, eine Band zu gründen. Nach ersten Experimenten konsolidierte sich der Post-New Wave des Projekts mit dem Breed-Schlagzeuger Steve Hewitt, der zuvor schon bei den Boo Radleys aktiv gewesen war. Noch vor der ersten Veröffentlichung fühlte sich Hewitt der Doppelbelastung nicht mehr gewachsen und räumte seinen Stuhl für den Schweizer Robert Schultzberg. Erste Singles auf Independent-Labels weckten das Interesse verschiedener Major-Firmen.

1996 kam es zum Debütalbum Placebo, dessen Auskopplung Nancy Boy sogleich in die britischen Top Ten stieg. So galt Placebos "Glam-Sex-Punk mit einem melodischen Dreh als letztes Gegengift gegen den Britpop" ("Rolling Stone"). Der Erfolg wurde begünstigt, weil Sänger Molko, der wie eine Kreuzung aus Boy George und Marilyn Manson wirkte, sich als Titelthema für Musikgazetten empfahl. Für das zweite Album Without You I'm Nothing (1998) kehrte Steve Hewitt zu Placebo zurück. Musikalisch war die Platte introvertierter, textlich ein Ausdruck von Selbstreflexion. Mit ihrem Auftritt in dem Glamour-Retro-Film "Velvet Goldmine" und einer beinahe authentischen Version des T. Rex-Klassikers 20th Century Boy wurden Placebo auch zur festen Größe bei den Seventies-Revivalisten. Das dritte Opus Black Market Music (2000) war "eine oft sinnliche, immer stimmige Mischung aus dem lärmenden Rock des Debüts und dem mal melancholischen, mal glamourösen Pop des Zweitlings, angereichert mit Texten über Liebe, Lust und den Kater danach" ("Der Spiegel").

Unter dem Eindruck der Straßenkrawalle während der WTO-Konferenz in Seattle 1999 und den Londoner Unruhen am 1. Mai desselben Jahres gestalteten die vormaligen Teenie-Rocker ihre dritte Platte "merklich politischer und realitätsnäher" ("Visions"). Nach Black Market Music und den anschließenden Touren nahm die Band erst mal eine mehrjährige Pause, machte aber auf Sleeping With Ghosts (2003) exakt mit dem "Mythenrecycling" ("Die Zeit") ihrer vorherigen Platten weiter. "Sie sind hoffnungslos retro. Wie der Titel ihrer neuen CD besagt: Außer dem Schlaf mit Gespenstern passiert wenig", beurteilte "Die Zeit" das für Placebo-Verhältnisse ungewohnt harte Album etwas ungerecht.

Wie entwicklungsfähig Molko und die Seinen noch waren, bewiesen sie 2006 auf Meds. Es gelang ihnen, allen androgynen Glamour und mystischen Firlefanz abzulegen und nur noch durch ihre Musik zu sprechen. Als niemand mehr Placebo auf der Rechnung hatte, zauberten sie ihr reifstes und rundestes Album aus dem Hut.

2007 trennten sich Molko und Olsdal wegen persönlicher und musikalischer Differenzen von Drummer Steve Hewitt. Statt seiner kam von der kalifornischen Punkband Evaline der wesentlich jüngere Steven Forrest (* 25. September 1986). Das im neuen Trio eingespielte Album Battle For The Sun (2009) war jedoch nur noch ein vager Schatten seines Vorgängers Meds.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Placebo (1996)
Without You I'm Nothing (1998)
Black Market Music (2000)
Sleeping With Ghosts (2003)
Meds (2006)
Battle For The Sun (2009)

Zusammenstellungen:
Once More With Feeling (2004)
Covers (2007)
Extended Play '07 (2007)

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