Omd
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Biografie
Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD), 1978 von Paul Humphreys (voc, kb, electronics), geboren am 27. Februar 1960, und Andy McCluskey (voc, bg, electronics), geb. am 29. Juni 1959, in deren Geburtsstadt Liverpool gegründet, galten als "Nouveau Liverpools Antwort auf Londons rohe Punk-Aggression" ("Rolling Stone") und ließen ihre Neigung zu Elektronikbands wie Kraftwerk in burlesken Popstücken aufklingen, die gelegentlich wie eine "Post-Pink Floyd-Hommage an endloses Synthigenudel" ("Village Voice") nervten und "den perfekten Soundtrack für Leute" lieferten, "die nie richtig zuhören" ("New Musical Express").
Humphreys und McCluskey hatten seit 1976 in den erfolglosen Ensembles VCL XI, Hitlerz Underpantz und der Acht-Personen-Elektronik-Experimentalband ID gespielt, bevor sie sich mit Hilfe einer Effektbandmaschine namens "Winston" selbständig machten und als Orchestral Manoeuvres in the Dark (benannt nach einem Stück aus dem VCL XI-Repertoire) auf dem unabhängigen Factory-Label die Single Electricity herausbrachten. Der Wechsel zu Virgin bescherte ihnen die Chance, im Vorprogramm einer Gary Numan-Tournee einem breiten Publikum bekannt zu werden. Zur Aufnahme ihrer ersten LP rekrutierten sie Malcolm Holmes (dr), David Hughes (bg, kb), später ersetzt durch Martin Cooper (kb, sax). Enola Gay (wie das Flugzeug, das die Atombombe nach Hiroshima transportierte) wurde ihre erste Hit-Single. 1981 hatten OMD mit Souvenirs, Joan Of Arc, Maid Of Orleans und der Top-LP Architecture And Morality ihr erfolgreichstes Jahr.
Danach fiel es ihnen zunehmend schwerer, ihren "technokratischen Kitsch, der perfekt sein musste, um überhaupt einen Wert zu haben" (Kritiker Robert Christgau), formvollendet zu produzieren. Sie schwemmten ihre Stücke mit Klangfetzen aus dem Fernsehen, Schreibmaschinengeräuschen, Ätherwellenrauschen "prätentiös" ("Billboard") auf und begingen den "Kardinalfehler, Banalität mit Schlichtheit zu verwechseln" ("NME"). "Jene speziellen Momente, die Exzellenz in Magie verwandeln, wurden geringer", hörte "Rolling Stone" aus dem Manoeuvres-?uvre heraus, und der "Melody Maker" ortete die Band "schiffbrüchig auf dem Meer eines selbstgefälligen Eskapismus, der als ernsthafte Musik getarnt ist, für den Fall, dass die Fans der ersten Jahre beleidigt sind".
Immerhin reichte das Charisma der Band, die aus dem introvertierten Humphreys und dem extrovertierten McCluskey bestand, vor allem in Europa nach wie vor für Platzierungen in den Hitlisten. Junk Culture (1984) wartete mit ausgetüftelten Rhythmen und filigranen Arrangements auf. Nach der Tour zum Album entschloss sich Humphreys, die Band zu verlassen, um ein ruhigeres Leben führen zu können, doch besann er sich nach nur zehn Tagen eines anderen. Während in Großbritannien der Stern des Duos allmählich zu sinken begann, verzeichnete OMD in den USA zunehmenden Erfolg. So In Love, eine der aus Crush (1985) ausgekoppelten Singles, kam sogar unter die Top 40.
McCluskey und Humphreys, die mit schöner Regelmäßigkeit die anderen Musi-ker der Gruppe austauschten, veröffentlichten 1986 noch The Pacific Age, dann trennten sie sich. Humphreys gründete mit Martin Cooper (sax), Mal Holmes (dr) als The Listening Pool eine eigene Band. McCluskey ließ sich bis 1991 Zeit, OMD neu zu formieren. Er nahm Abe Juckes (dr) sowie Nigel Ipinson (kb) und Phil Coxon (kb) hinzu und hatte, anders als Humphreys, auf Anhieb Erfolg. Die Single Sailing On The Seven Seas, gefolgt vom Album Sugar Tax, brachten es auf Platz drei der britischen Charts. Mit dem in seiner Ambivalenz vom ambitioniert und geschmacklos verstörenden Sound der früheren OMD hatte dieses polierte Mainstream-Produkt nur noch wenig gemein. Es orientierte sich an Disco-Originalen wie Barry White, dem McCluskey mit dem Stück Dream Of Me auf der CD Liberator (1993) ungeniert huldigte. Universal (1996) versuchte diese Tendenz fortzusetzen. Da sich aber nun auch Humphreys wieder daran beteiligte, enthielt das Album auch Reminiszenzen an die frühe OMD und wirkte so unentschieden, dass es die Musiker dabei beließen.
Andy McCluskey wandte sich in Liverpool als Songschreiber, Produzent und Manager einheimischen Newcomer-Bands wie Gypsy Queen und Atomic Kitten zu. 2006 drohte er eine weitere OMD-Wiedervereinigung mit Humphreys, Holmes und Cooper an und gab im Mai/Juni 2007 in dieser Besetzung tatsächlich wieder Konzerte. Die erste Hälfte des Programms bestand aus Songs der LP Architecture And Morality von 1981, die dazu in einer remasterten Fassung nebst einer DVD mit dem Drury Lane-Konzert aus dem gleichen Jahr in die Läden kam. In der zweiten Konzerthälfte gab es Greatest Hits. Das funktionierte so gut, dass die Band beschloss, die Prozedur zu wiederholen. McCluskey ließ den Auftritt im Londoner Apollo Hammersmith für CD und DVD mitschneiden und kündigte ein Remix von Dazzle Ships zu dessen 25-jährigem Jubiläum 2008 im Doppelpack an.
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Orchestral Manoeuvres In The Dark (1980)
Organisation (1980)
Architecture And Morality (1981)
Dazzle Ships (1983)
Junk Culture (1984)
Crush (1985)
The Pacific Age (1986)
Sugar Tax (1991)
Liberator (1993)
Universal (1996)
The Peel Sessions (2000)
Zusammenstellungen (Auswahl):
The Best Of OMD (1988)
The OMD Singles (1998)
Navigation - The B Sides (2001)




