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Oasis

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OASIS

Biografie

Oasis , 1991 im englischen Manchester gegründet, stellten Mitte der neunziger Jahre eine Art Gegenentwurf zu Blur dar, als Suede bereits abgeschlagen waren. Dabei wurde von der sensationsheischenden britischen Musikpresse die angebliche Gegensätzlichkeit von Blur und Oasis derart angeheizt, dass die etwa zeitgleiche Veröffentlichung von zwei Singles im Spätsommer 1995 einem Showdown nahekam. Doch in Wirklichkeit schöpften beide Bands aus denselben Quellen: der britischen Musik von der Music Hall über Beatles, Kinks, T. Rex bis zu The Stone Roses.

Die Brüder Liam und Noel Gallagher kamen 1989 während eines Konzerts der Stone Roses in Manchester auf die Idee, es mit einer gemeinsamen Band zu versuchen. Doch Noel, geboren am 29. Mai 1967 in Longsight bei Manchester, wurde von den Inspiral Carpets als Gitarren-Roadie engagiert. Für die nächsten zwei Jahre begleitete Noel Gallagher die Inspiral Carpets auf Tourneen und nahm erst dann den Plan, eine eigene Band zu gründen, wieder auf. Liam Gallagher, geboren am 21. September 1972 in Burnage bei Manchester, hatte diesen Schritt unterdessen bereits gewagt. Zusammen mit Paul "Bonehead" Arthurs (g), Paul "Guigsy" McGuigan (bg) und Tony McCarroll (dr) hatte er die Band Rain ins Leben gerufen. Als Noel nach seiner Roadie-Karriere hinzukam, riss er sogleich das Heft an sich: Liam sollte zwar Sänger bleiben, die Band aber ausschließlich seine Songs spielen.

Ein Konzert in Glasgow beeindruckte den Chef des Labels Creation, Alan McGee, so sehr, dass er die Gruppe unter Vertrag nahm. Eine Promotion-Single verhalf zu etwas Airplay, dann machten sich die keineswegs immer brüderlich verbundenen Gallaghers an ihre erste LP. Die vorab ausgekoppelte Single Supersonic (1994) wurde vom "New Musical Express" und vom "Melody Maker" zur "Single der Woche" gekürt und läutete damit die rasante Karriere der Gruppe ein. Zwar bezogen sich Oasis deutlich auf die Beatles, doch schlug das Album Definitely Maybe auch andere Töne an. "Noel Gallaghers Empfänglichkeit für musikalische Strukturen und Phrasen grenzt an Sammelwut", staunte "Q". " Definitely Maybe ist weder Grunge-Lustlosigkeit noch Retro-Dilettantismus."

Der britischen Musikpresse schien Oasis trotz des violinseligen Beatles-Nostalgiestücks Whatever als Verkörperung des rohen Rock ’n’ Roll schlechthin. Das galt offensichtlich auch für den Umgang untereinander: Nachdem Liam Gallagher den Drummer McCarroll verprügelte, verließ dieser die Band und wurde durch Alan White (nicht verwandt mit dem Yes-Drummer) ersetzt. Für die künstlich angefachte Publicity-Kontroverse mit Blur ließ sich das nutzen. Als Gegensatz zum Middleclass-Image von Blur gerierten sich Oasis als Proletarier-Underdogs: Rüpel wie weiland die Rolling Stones mit ähnlicher Karrieremotivation. "Für einen Erfolg", kommentierte Konkurrent Morrissey Ende 1995 den Charts-Volltreffer Morning Glory, "würden die Gallaghers sogar das Gebiss ihrer Großmutter verkaufen." Zu legitimen "Erben der Pop-Genies" fehlten ihnen jedoch, so "Die Welt" im Januar 1996, "Witz und vor allem Charme". Und etwas Inspiration: Immer wieder bezogen die Gallaghers sich auf die Beatles und schreckten auch nicht davor zurück, in Promotion-Videos zu ihrer LP Be Here Now (1997) mit an "Yellow Submarine" erinnernden Versatzstücken zu arbeiten.

Tatsächlich gab es auch außerhalb der Musik Parallelen zu den Fab Four: Seit Mitte 1995 befand sich die Band in einem Dauerhoch, gab weltweit in den größten Hallen Konzerte, nahm nebenbei eine neue LP auf, wurde mit Auszeichnungen überhäuft und von Trennungsgerüchten nicht verschont. Ihr Privatleben – beide Gallaghers heirateten 1997 – schotteten die Musiker ab, so gut es ging. Dennoch wirkte sich die Belastung aus, für die seit je patriotische britische Musikpresse die "größte Band der Welt" zu sein ("Q"). Der Entfremdung von ihrer Umwelt begegneten die Brüder mit sattsam bekannten Rüpelhaftigkeiten und großen Sprüchen. Doch der Erfolg machte auch nachdenklich: "Mir würde es natürlich gefallen", versicherte Liam Gallagher, "überall in der Welt zur gleichen Zeit die Nummer eins zu sein. Aber ich riskiere weder meine Gesundheit noch meine Kraft, nur deshalb Songs zu schreiben."

So abgeklärt hätten die Gallaghers es eigentlich gelassen nehmen müssen, dass die Band bei den im Februar 1998 vergebenen Brit Awards leer ausging und der Konkurrenz von The Verve Platz machen musste. Doch zudem blieb das Album Be Here Now mit weltweit acht Millionen Exemplaren um die Hälfte hinter dem Vorgänger (What’s The Story) Morning Glory? zurück. Es war der am rasantesten verkaufte Tonträger der britischen Popgeschichte, der aber auch am schnellsten in den Second-Hand-Läden landete. Noel Gallagher versuchte es mit ein wenig Selbstkritik: "Bei der Produktion waren wir buchstäblich Koks-verrückt. Wir konnten einfach nicht aufhören, haben eine Line auf die andere getürmt. Im Ergebnis haben wir damit eine Dichte erreicht, die viel Sinn macht, aber so nie beabsichtigt war. Noch mehr stören mich allerdings die Texte: Sechstklässlerquark. Ich hätte mir mehr Zeit dafür nehmen sollen."

Enttäuschung auch bei den alten Kumpanen. Gitarrist "Bonehead" Arthurs und Bassist "Guigsy" McGuigan verließen die Band und mussten durch "Mietmusiker" (Noel Gallagher) ersetzt werden: die Profis Gem Archer (g) von Heavy Stereo und Andy Bell (bg), vormals Gitarrist bei Ride und Hurricane # 1. In die Neuformierung der Band und die Vorbereitung der nächsten CD platzte die Nachricht, ihr Entdecker und Förderer Alan McGee habe sein Indie-Label Creation, an dem Sony schon seit 1992 mit 49 Prozent beteiligt war, nun komplett an den Multi verkauft. Derart geschockt und wohl auch wieder alkoholisiert, las Liam Gallagher das Zitat von Isaac Newton auf dem Rand der britischen Zwei-Pfund-Münze falsch, das er als Titel für das nächste Album übernahm: "If I have seen further, it is by standing on the shoulders of giants." Bei Gallagher war aus dem Plural "shoulders" ein falscher Singular geworden: Standing On The Shoulder Of Giants (2000). Arne Willander konstatierte im deutschen "Rolling Stone": "Ist nicht der gesamte Noel, der gesamte Gallagher und die gesamte Oasis ein einziger grammatischer Fehler, eine Fehlleistung, ein Gebrechen? Dada auf Reimzwang, chronische Wiederholungssucht, Zitatenbrei allüberall, Sound-Modernismen hurtig angeeignet, zunehmende Neigung zu Bombast und Lärm – das Oasis-Projekt krankt."

Wenn es denn eine Weiterentwicklung gab, dann von den Sechzigern in die Siebziger – von der Beatles-Kopie zum Nachhall von Led Zeppelin und Slade oder, wie es David Sinclair in der "Times" formulierte: "Unfortunately they have not moved into the 21st century at all." Während der "Shoulder"-Asien- und Amerikatournee im Frühjahr 2000 gaben sich die Brüder Gallagher in Interviews lammfromm, während hinter den Kulissen zwischen ihnen wieder die Fetzen flogen. Im Mai, vor der Europatournee, beschloss Liam, zu Hause zu bleiben und sich vom Gitarristen Matt Deighton (Paul Weller Band) vertreten zu lassen. "Todgeweihte grüßen ein letztes Mal müde den Zeitgeist und das Publikum", überschrieb Thomas Groß seinen Konzertbericht aus der Berliner Arena in der "Zeit". Wolfgang Doebeling: "Das Heroische hat sich verflüchtigt, aus der Oasis-Saga droht eine Seifenoper zu werden." Im Herbst verließ Noels Frau und Muse Meg Matthews, Mutter der neun Monate alten Tochter Anais, ihren Mann und die gemeinsam erworbenen Besitztümer auf Ibiza und in Buckinghamshire. Liams Frau, die Schauspielerin Patsy Kensit, tat es ihr nach.

Da war an Studioarbeit nicht zu denken. In seiner Not veröffentlichte der einstige Creation-Plattenboss Alan McGee auf seinem neuen Label Big Brother im Sony-Vertrieb die Live-CD Familiar To Millions (2000). Ein Live-Album, während das Standing bröckele, sei "so clever wie der Börsengang eines Fußballclubs im Formtief", befand Wolfgang Doebeling ("Rolling Stone"). Dessen ungeachtet sei Familiar To Millions "eine prächtige Werkschau, ein bemerkenswert stimmiges Tondokument und für Fans, die dabei waren, ein prima Souvenir". Rund 30 Millionen Tonträger hatten Oasis mit vier Alben bis dahin verkauft. Im August 1996 hatten sie im Knebworth Park bei London vor 250000 Menschen gespielt: bis dahin Europa-Rekord. "Am Tag nach Knebworth", erinnerte sich Liam Gallagher, "stand ich da, schaute über dieses riesige, einsame Feld und dachte: Was nun? Die Bar war geschlossen, die Party vorbei." Dass Standing On The Shoulder Of Giants von den meisten Kritikern als "nostalgischer Brei" (Rob Sheffield) empfunden wurde, versuchte Noel Gallagher 2005 im Gespräch mit Hagen Liebing ("Tip") zu relativieren: "Es war offenbar unser "Anti-Ruhmes-Runterkomm-Album". Trotzdem sind auch großartige Texte darauf und tolle Songs wie Fucking In The Bushes oder Go Let It Out.

Aber es war eben ein Downer-Album, das in finsteren Zeiten entstand." Doch es kam noch schlimmer. Obgleich Oasis’ bombastische fünfte Studio-CD mit dem Nonsense-Titel (...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Definitely Maybe (1994)
(What’s The Story)
Morning Glory? (1995)
Be Here Now (1997)
Standing On The Shoulder Of Giants (2000)
Familiar To Millions (2000)
Heathen Chemistry (2002)
Don’t Believe The Truth (2005)
Dig Out Your Soul (2008)

Zusammenstellungen:
The Masterplan (1998)
Stop The Clocks (2006)
LPs Liam Gallagher mit Beady Eye:
Different Gear, Still Bleeding (2011)
LPs Noel Gallagher:
Noel Gallagher’s High Flying Birds (2011)

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