MUNGO JERRY
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Biografie
Mungo Jerry war vor allem ein Song: In The Summertime taucht seit dem denkwürdigen Auftritt der Jug-Band Ray Dorsets (voc, g) beim Hollywood Pop Festival 1970 in Staffordshire, England, regelmäßig "in der Sommerzeit" wieder auf und wurde bis 2007 auf rund 30 Millionen Tonträgern (Compilations nicht mitgerechnet) verkauft.
Dorset, geboren am 21. März 1946 in Ashford, Kent, hatte mit Colin Earl (voc, p), geb. am 6. Mai 1942 in Hampton Court, Paul King (voc, banjo, jug, g) und Mike Cole (b) nicht nur Gitarre, Klavier und Kontrabass auf die Bühne geschleppt, sondern auch einige große Ballonflaschen, in die er und King immer wieder bliesen. Das den amerikanischen Jug-Bands abgeschaute Instrumentarium, dessen uriger Klang und die unbekümmerte Spielfreude des Quartetts stellten die Auftritte illustrer Starbands wie Grateful Dead, Traffic und Free in den Schatten und brachte Mungo Jerry weltweit Toppositionen in zahlreichen Hitparaden ein.
Dabei hatte der von seinem ehrgeizigen Vater angetriebene Dorset in den Sixties bereits in zahlreichen eigenen Bands mit den Namen The Buccaneers, The Conchards, The Sweet & Sour Band, Camino Real, Memphis Leather gewirkt. Seine Good Earth Band taufte er mit dem ersten Plattenvertrag mit Pye Records 1970 auf den Namen eines Charakters aus T. S. Eliots "Book of Practical Cats" um. Ähnlich erfolgreich wie In The Summertime war auch die einige Monate später folgende Single Baby Jump, doch erlahmte die Begeisterung des Publikums für Skiffleklänge nach der Veröffentlichung der dritten Single Lady Rose aus dem zweiten Album Electronically Tested (1971). Dorset, dem schon nach Baby Jump "Monotonie" vorgeworfen worden war, hatte versucht, mit elektrischen Gitarren den Klang seiner Gruppe zu modernisieren. Das Titelstück des dritten Albums You Don't Have To Be In The Army To Fight In The War (1971) kam sogar als handfester Protestsong daher.
Mit geringem Erfolg: Die Singles dümpelten auf hinteren Plätzen der Charts, ständige Umbesetzungen der Band änderten nichts am festgefahrenen Konzept Dorsets, und auch ein Alleingang mit dem Album Cold Blue Excursion (1972) verhalf ihm nicht zum gewünschten Publikumserfolg. Mit einer völlig veränderten Mungo Jerry hatte Dorset 1973 noch einmal einen Hitparadenerfolg. Alright Alright Alright und Longlegged Women Dressed In Black waren allerdings auch die letzten Chartnotierungen für Mungo Jerrys Flaschenmusik.
Am Mammuterfolg von In The Summertime gemessen, konnte sich Ray Dorset noch so sehr mit Blues- und Rockklängen abstrampeln wie auf der LP Boot Power (1972), konnte live Electronics-, Keyboard- und Drum-Sound offerieren - es half alles nichts. Seitdem gehörten Mungo Jerry zu den Rock-Zombies, die alljährlich auf Nostalgie-Festivals auftraten. Dorset versuchte mit Peter Green und Vincent Crane (Atomic Rooster) noch einmal aus der Summertime-Tretmühle auszubrechen, doch wollte das Album A Case For The Blues 1987 niemand hören. Dass seine Kompositionen allemal noch Hitqualitäten hatten, bewies Kelly Marie, als sie 1980 Feels Like I'm In Love, die B-Seite einer früheren Mungo Jerry-Single, zum Nummer-eins-Hit in Großbritannien hochjubelte.
In diesem Jahrzehnt verlegte sich Dorset neben seiner Bluesaktivität mit der Green/Crane-Truppe Katmandu mit Mungo Jerry auf einen Touristen-Latinosound, doch die Hits des Dezenniums waren nicht die nur in Afrika erfolgreichen Singles Forgotten Land, On A Night Like This oder eine Reggae-Version von Dylans Knockin' On Heaven's Door, sondern abermals In The Summertime. In einer Koproduktion von Mungo Jerry mit den Brothers Grimm enterte der Evergreen 1987 den Spitzenplatz der britischen Independent Chart.
Während der Neunziger arbeitete Dorset vorwiegend für Film und Fernsehen, beispielsweise trug er Musik für die TV-Serie "Prospects" und den Oscar-prämierten irischen Film "The Crying Game" bei. Außerdem verhalf er mit Toon Army dem Fußballclub Newcastle United zu einer neuen Hymne. Der Klang von Mungo Jerry, mit denen er die CD Old Shoes, New Jeans einspielte, wurde nun von Steve Jones (kb, acc), Les Calvert (bg) bestimmt. Aber der Hit hieß - wie denn sonst? - In The Summertime. Der HipHopper Shaggy platzierte sich mit einem Soundtrack von Ray Dorset damit 1995 weltweit auf Nummer eins.
Im neuen Jahrtausend berief der emsige Musikant, wo immer und mit welcher Klangerwartung auch immer er auftrat, drei unterschiedliche Mungo Jerry-Ensembles ein: in England die Originalband für Pop und Rock sowie Mungo Jerry & The Goodtime Gamblers für Skiffle und Jug, in Deutschland die Mungo Jerry Bluesband für Blues und R & B. Im Juni 2005 feierte er das 35-jährige Band-Jubiläum am Ort, wo Mungo Jerry startete: beim Hollywood-Festival im britischen Newcastle-under-Lyme.
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs und
Zusammenstellungen (Auswahl):
Mungo Jerry (1970)
Electronically Tested (1971)
You Don't Have To Be In The Army To Fight In The War (1971)
Memoirs Of A Stockbroker (1971)
Boot Power (1972)
Greatest Hits (1973)
Long Legged Women (1974)
Impala Saga (1976)
Lovin' In The Alley (1977)
File (1977)
Rockin' Snakes (1994)
Old Shoes, New Jeans (1997)
Candy Dreams (2001)
Move On - The Latest And The Greatest (2002)
Adults Only (2003)
Naked - From The Heart (2007)
When She Comes, She Runs All Over Me (2007)
LP Ray Dorset:
Cold Blue Excursion (1972)
LP mit Peter Green, Vincent Crane:
A Case For The Blues (1987)

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