MORODER, GIORGIO
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Biografie
Giorgio Moroder (electronics, bg), am 26. April 1940 in St. Ulrich, Südtirol, geboren, erzielte als Produzent und Interpret mit dem minimalistischen Einsatz elektronischer Gimmicks eine maximale kommerzielle Wirkung. Zu aggressiver elektronischer Punktierung, die an das Flackern des Disco-Stroboskoplichtes erinnern oder den erhöhten Herzschlag des überhitzten Dauertänzers simulieren mochte, ließ er seine Muse Donna Summer (siehe Bio) von 1976 bis 1980 auf sieben vergoldeten Alben in die "Albträume eines bösartigen Universums" geraten: "Da kämpft sie mit ihrer Kindfraustimme gegen eine frenetische Synthesizerbasslinie aus dem linken Kanal an und duckt sich gleichzeitig vor einem Vocoderklang aus dem rechten Kanal, der wie eine Peitsche auf Beton schlägt. "I Feel Love", wirft sie zaghaft ein, doch ein künstlicher Harmoniegesang heult wie ein Geschwader Turbojets dazwischen. "I Feel Love" – und verfremdete Gitarren kreischen lustvoll wie metallische "Star Wars"-Monster, die in einer Wiederaufbereitungsanlage kopulieren" ("Tip"). Einen solchen Umgang mit Mensch und Technik nannte der "Melody Maker" "schiere Brillanz, ultramoderne Musik, die sich neben Eno, Fripp, Kraftwerk und Bowie behaupten kann".
Im gleichen Jahr erschien Moroders "revolutionäres Album" From Here To Eternity, auf der der Bewunderer von Tangerine Dream, Kraftwerk, Popol Vuh "die volle Power des Synthesizers im Popkonzert" ("Rolling Stone") präsentierte. "Das Anpassungsgenie" ("Stern") hatte zunächst als Sessionmusiker und Studiohilfe in Berlin und München gearbeitet, bevor er 1969 mit Mendocino (Michael Holm), Arizona Man (Mary Roos) als Produzent sowie mit Looky, Looky als Solointerpret reüssieren konnte.
Für Donna Summer, damals bei der Münchner "Hair"-Truppe und Backgroundsängerin in seinen Musicland-Studios, tüftelte er in einer nächtlichen Bastelstunde eine Parodie auf den französischen Stöhnhit Je t’aime mois non plus zurecht, der in einer auf nahezu 17 Minuten gestreckten Version ein Welterfolg wurde. Dem Team Moroder, Summer, Keith Forsey (Songschreiber, Drummer), Harold Fal-termeyer (Arrangeur), Pete Bellotte (Co-Produzent), Jürgen Koeppers (Toningenieur), das wie eine Rockband zusammenarbeitete, gelang mit Bad Girls (1979) "das quintessenzielle Album der späten siebziger Jahre, das Furcht, Hysterie, Dekadenz, hilflose Suche und Zelebration des narzisstischen Ich in brillanten musikalischen Statements einfing und das präzise Abbild einer zerrissenen Generation im Umbruch lieferte" ("Der Spiegel").
Moroder widmete sich nach der Trennung von Donna Summer vorwiegend Soundtrackarbeiten, etwa für "Foxes", "American Gigolo", "Cat People", "Scarface", "Electric Dreams" und "Die unendliche Geschichte". Für die Filmmusiken zu "Midnight Express" (1978), "Flashdance" (1983), "Top Gun" (1986) erhielt er Oscar-Auszeichnungen. Den Olympischen Spielen in Los Angeles lieferte er 1984 mit Reach Out die inoffizielle Hymne, beglückte auch die Olympiade in Seoul 1988 ( Koreana) und die Fußballweltmeisterschaft 1990 mit seiner Art Soul.
Sein ambitioniertestes Projekt brachte ihm kein Gold, sondern nur gallige Kommentare: 1984 bot er eine nachkolorierte und mit einem Rock-Soundtrack unterlegte Neufassung des Fritz Lang-Klassikers "Metropolis" als "Snack für die Fantasy-Generation" ("Stern") im Kino an. "Seine größte Leistung bestand darin, "Metropolis" noch kitschiger erscheinen zu lassen, als es ohnehin schon war", befand die "Village Voice" nach der Besichtigung des mit Millionenaufwand herausgeputzten Kinoschinkens.
Wenn er 1992 auch noch einmal mit einer Tanzplatte ( Forever Dancing) an seine früheren Erfolge anzuknüpfen versuchte, so galt sein hauptsächliches Interesse nun schnellen Autos: Er entwarf einen eigenen Sportwagen, den Cizeta Moroder, und vertiefte sich später in computergenerierte Foto- und Videokunst.
Zu den Popkünstlern, die seine Klangkünste im Studio in Anspruch nahmen und ihm à la longue zu drei Grammys, vier Golden Globes und mehr als 150 Goldenen Schallplatten verhalfen, gehörten Barbra Streisand, David Bowie, Elton John, Freddie Mercury, Cher, Janet Jackson und Bonnie Tyler, aber auch die Italo-Rocker Gianna Nannini und Edoardo Bennato, die Sparks, Blondie und die Miami Sound Machine sowie mit Kenny Loggins und Graham Nash Exponenten des kalifornischen Rock. Einige seiner Stars, darunter auch Chaka Khan und Jennifer Rush, versammelte er auf dem Album Magic Movie Hits (1994).
Giorgio Moroder, der neben seinem Wohnsitz und Studio in Beverly Hills für die Ferien auch immer noch ein Haus im Südtiroler Grödnertal besaß, wurde 2005 vom italienischen Staatspräsidenten Carlo Azelio Ciampi zum Commendatore ernannt.
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs (Auswahl):
That’s Bubble Gum That’s Giorgio (1968)
Son Of My Father (1972)
Giorgio’s Music (1973)
Knights In White Satin (1976)
From Here To Eternity (1977)
Midnight Express (1978 Soundtrack)
E=MC2 (1979)
Foxes (1980 Soundtrack, mit anderen)
American Gigolo (1980 Soundtrack, mit anderen)
Cat People (1982 Soundtrack)
Flashdance (1983 Soundtrack, mit anderen)
Solitary Men (1983 mit Joe Esposito)
Electric Dreams (1984 Soundtrack, mit anderen)
Metropolis (1984 Soundtrack, mit anderen)
Die unendliche Geschichte – Teil 1 (1984 Soundtrack, mit anderen)
Innovisions (1985)
Top Gun (1986 Soundtrack, mit anderen)
Die unendliche Geschichte – Teil 2 (1990)
Forever Dancing (1992)
LP mit Phil Oakey:
Phil Oakey/Giorgio Moroder (1985)

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