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Minogue,Kylie

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Minogue,Kylie

Biografie

Kylie Minogue Ann (voc), am 28. Mai 1968 in Melbourne, Australien, geboren, mauserte sich von der Stock/Aitken/Waterman-Marionette zu einer Pop-Ikone, deren Duett mit Nick Cave 1995 schließlich dem Kultsänger zu unerwarteter Popularität und ihr selbst zur Glaubwürdigkeit in Rockkreisen verhalf; MTV hatte das atmosphärisch dichte Video zum Cave-Song Where The Wild Roses Grow wieder und wieder abgespult.

Die kleingewachsene Minogue war in ihrer Heimat bereits in den achtziger Jahren zum beliebten TV-Star in Soap Operas wie "The Sullivans", "The Hendersons", "Neighbours" aufgestiegen, als sie 1987 im Rahmen eines Fußballspiels The Locomotion sang, einen Song, den 1962 Little Eva (siehe Bio) zu Hit-Ehren geführt hatte. Das Teenagerliedchen in der Minogue-Fassung beeindruckte die A & R-Manager des australischen Labels Mushroom so sehr, dass sie eine Single veröffentlichten; die Coverversion wurde die erfolgreichste australische Single der achtziger Jahre.

Mit I Should Be So Lucky konnte Minogue den Erfolg nicht wiederholen. Ihre Gesangskarriere schien beendet, bevor sie überhaupt richtig in Gang gekommen war. Lediglich die Hitfabrik Stock/Aitken/Waterman (siehe Bio) in Großbritannien zeigte Interesse an der Platte und veröffentlichte sie auf dem eigenen PWL-Label.

Wie von SAW geplant, stellte sich der Erfolg dieser wie der folgenden Single Got To Be Certain und der ersten Minogue-LP Kylie (1988) beinahe automatisch ein. Ende 1988 konnte sich Kylie Minogue in Großbritannien mit Barbra Streisand und Madonna vergleichen – was die Verkaufserfolge betraf. Der glatte SAW-Sound kam in den USA nicht ganz so gut an, doch stieg der SAW-Remix von The Locomotion in "Billboard" auf Platz drei. Die cleveren Produzenten ließen Minogue 1989 mit Jason Donovan zusammen die Ballade Especially For You singen, dann wieder solo Hand On Your Heart, Wouldn’t I Change Anything, Never Too Late. In Großbritannien wurden es Hits, in den USA hatten die Hörer bald genug von der SAW-Gleichförmigkeit, die zweite LP Enjoy Yourself schaffte es gerade noch in die Charts. Eine Umwertung des Teenie-Images der Sängerin war dringend nötig, wenn auch die Single Tears On My Pillow – eine Coverversion eines Hits von Little Anthony aus dem Jahr 1958 – ohne Weiteres die britische Hitparade eroberte.

Mit Rhythm Of Love (1990) und Let’s Go To It (1991) versuchte die Sängerin Hörer jenseits des zwanzigsten Lebensjahres zu erreichen, doch waren dem zunächst durch das SAW-Image Grenzen gesetzt. In Großbritannien weiterhin als Sängerin und Filmschauspielerin ("The Delinquents") äußerst populär, sank sie in den USA in die Bedeutungslosigkeit: Die Leser der Zeitschrift "Smash Hits" kürten sie zur "Schlechtesten Sängerin". Gerechtfertigt war dies weniger durch ihre Stimme – Minogue verfügte durchaus über einen eigenen Stimmklang und ging mit ihren Songs keinerlei vokale Wagnisse ein – als durch die Fassade der Ewig-zu-Jugendlichen.

Sie änderte dies beinahe schlagartig, kehrte in Videos und Live-Shows plötzlich den Sex-Vamp heraus. Zwar distanzierte sie sich später von dieser Phase ihrer Karriere, doch hatten die Aktionen ihr nun das Image einer zweitklassigen Madonna eingebracht. Als sie sich 1992 von SAW trennte, versuchte sie ihrer Karriere eine Wendung zur Ernsthaftigkeit zu geben. "Ich bin manchmal ziemlich deprimiert", sagte sie Ende 1992, "weil ich nicht in einer einzigen Sache wirklich brillant bin. Ich sehe ganz gut aus, ich kann singen, ich kann gut tanzen. Alles irgendwie durchschnittlich. Und das ist doch deprimierend."

Die zeitweilige Freundin des INXS-Sängers Michael Hutchence werkelte am ersten Album ohne Dirigat von Stock/Aitken/Waterman zwei Jahre lang herum, wechselte Produzenten und verwarf Songs, selbst wenn sie von Prince stammten. Als Kylie Minogue (1994) endlich erschien, war das Album ein Dokument der Orientierungslosigkeit: Unterstützt von Pet Shop Boys, M People, St. Etienne und anderen, hatte die Sängerin beinahe jedem Trend einschließlich House gerecht werden wollen und dabei den Überblick verloren. Anfang 1995 sagte sie in einem Interview, sie "träume davon, mit Blur oder Nick Cave zu arbeiten … um zu sehen, was sie mit mir anfangen könnten".

Landsmann Nick Cave, ein heimlicher Minogue-Verehrer, nahm wenige Monate später die Mörderballade Where The Wild Roses Grow zusammen mit ihr auf und machte sie im Videoclip zur schönen Wasserleiche. Das sei, so die Sängerin, "ein entscheidender Wendepunkt" in ihrem Leben gewesen. Für Impossible Princess (1997) schrieb sie selbst die Songtexte und mischte sich auch in die Produktion ein. Das Album wurde erst im Frühsommer 1998 ausgeliefert: Der Unfalltod von Diana, Princess of Wales, ließ der Plattenfirma den Titel ungeeignet erscheinen. Das Drum ’n’ Bass-lastige Produkt mit Anklängen an Björk, Garbage und Portishead hieß in Europa nun einfach Kylie Minogue. Als es nach 43 000 verkauften Exemplaren in den Läden liegenblieb, kündigte ihr die Firma.

Was tun? Das "Chamäleon der Popmusik" ("Der Spiegel") tingelte etwas im Theater, gab in einer Musicalfassung von Shakespeares "Der Sturm" auf Barbados in der Karibik die Miranda, trällerte im Studio-Background für die Pet Shop Boys, ließ sich für Unterwäschewerbung (Hennes & Mauritz) auf Plakatwänden ablichten und trat in Winzrollen in Kunst-, Trash- und Underground-Filmen vor die Kamera. "Viele nette, kleine Projekte, aber nicht gerade das, was man eine Karriere nennt", so die Sängerin: "In einem Film werde ich nach zwei Sekunden brutal aufgeschlitzt. War aber ein Superspaß, weil ich herausgefunden habe, dass es Kunstblut in Geschmacksrichtungen von Minze bis Maracuja gibt."

Und obgleich sie sich das Wort Comeback in Interviews verbat ("Ich war nie weg!"), knüpfte sie mit ihrem Album Light Years (2000), fremdbestimmt, wieder dort an, wo sie schon einmal ganz oben war: in Stock/Aitken/Watermans Disco-Manufaktur. Zum so genannten Relaunch of Kylie Minogue attachierte ihr das EMI-Label Parlophone neben drei weiteren Produzenten Johnny Douglas (George Michael, All Saints), Mark Picchiotti (Madonna) und Steve Power (Robbie Williams). Die wollten alle nur das eine von ihr: Disco, Disco, Disco – im Sound, in den Songtiteln ( Disco Down , Your Disco Needs You), in den Lyrics, in denen sie der ganzen internationalen Love Parade auch auf Deutsch und Französisch einhämmerte: "Du bist niemals allein / Du weißt, was du tun musst / Lass dein Volk nicht im Stich / Deine Disco braucht dich!"

Es seien vor allem die Schwulen, die sie verehrten, gestand sie. Aber auch die Disco-Teenies, denen sie das Duett Kids mit Robbie Williams widmete: "We don’t mind doing it for the kids / So jump on board / Take a ride / Feel the high / The kids are alright." Zur TV-Unterstützung räkelte sie sich im Video Spinning Around auf einer Nightclub-Bar und zeigte sich im Anschlussvideo On A Night Like This fast, wie Gott sie schuf. Die Single Spinning Around sprang im Vereinigten Königreich sofort auf Platz eins, andere Titel der CD rotierten einen Sommer lang vor allem in den Diskotheken am Mittelmeer.

That’s Pop? Der deutsche Musikjournalist Stefan Meyer wusste es besser. "Minogue zu beurteilen", so formulierte er in der "Berliner Morgenpost", "funktioniert nicht nur auf der rein kunstimmanenten Basis; der geschmäcklerische Gruppenzwang im Spätkapitalismus macht es schwierig." Dennoch hier das Resultat seines Nachdenkens: "Kylie ist ein Camp-Phänomen der neunziger Jahre und passt daher ins Feldbusch-Big-Brother-Zeitalter." In der prächtigen Bilddokumentation "Kylie" (Bouth Clibborn Editions, London) brachte Julie Burchill das Camp-Phänomen 1999 auf den poetischen Nenner: "Kylie ist wie der Silberstreifen in Geldscheinen – sie steht für Schönheit im hässlichen Musikgeschäft." In einer MTV-Umfrage, wer den schöneren Hintern habe, Kylie Minogue oder Britney Spears, gewann sie: "Ich mag ein Showgirl sein, ich möchte so aufgedonnert wie möglich sein, ich möchte Glitzerklamotten tragen, und jetzt glitzert wieder alles – das ist toll."

Unter einem neuen Plattenvertrag mit Parlophone erschien 2000 das angesichts von acht Produzenten erstaunlich homogene Retro-Disco-Album Light Years mit der Nr.-1-Hitsingle Spinning Around, gefolgt ein Jahr später von der stilistisch ähnlichen CD Fever, deren Single Can’t Get You Out Of My Head nach einer Zählung ihrer Plattenfirma in 34 Ländern die Umsatzstatistik anführte. Die Sängerin sei zur "hochklassigen Projektionsfläche für Männerphantasien" geworden, erkannte der Berliner "Tagesspiegel", die "Bunte" verlieh ihr ein Bambi-Rehlein für das "Comeback des Jahres". Minogue: "Ich habe im Video zu Spinning Around Hot Pants getragen, und jetzt trägt jeder Hot Pants. Ich habe festgestellt, wenn ich weiter etwas tun würde, was ich eigentlich nicht tun will, wäre das so, als wenn ich Selbstmord auf Raten begehen würde. Jetzt mache ich nur noch, was ich wirklich will. Dafür habe ich sehr(...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Kylie (1988)
Enjoy Yourself (1989)
Rhythm Of Love (1990)
Let’s Go To It (1991)
Kylie Minogue (1994)
Kylie Minogue (1998 in AUS u. USA auch u.d.T. Impossible Princess)
Light Years (2000)
Fever (2002)
Body Language (2003)
Showgirl Homecoming Live (2007)
X (2007)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Kylie’s Remixes Volume 1 (1989)
Rhythm Of Love/Shocked Remixes (1991)
Greatest Hits (1992)
Kylie’s Remixes Volume 2 (1992)
Kylie’s Non Stop History (1993)
Greatest Remix Hits 1 (1993)
Greatest Remix Hits 2 (1993)
Mixes (1998)
Impossible Remixes (1998)
Greatest Remix Hits 3 (1998)
Greatest Remix Hits 4 (1998)
Ultimate Kylie (2004)

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