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Biografie

George Michael (voc, g, kb), bürgerlich: Georgios Kyriacos Panayiotou, am 25. Juni 1963 in Nord-London geboren und in den Vororten Finchley, Burnt Oak, Radlett aufgewachsen, assimilierte spielerisch, ohne verklemmte Ambition, schwarze Musikstile und schrieb als "Kronprinz des Pop in den achtziger Jahren" ("The Face") melodisch beachtliche und textlich ungemein einfühlsame Songs. Der Sohn eines griechisch-zypriotischen Einwanderers und einer Engländerin gab sich "viril und verletzlich, pur und pervers" ("Village Voice"), genoss den zweideutigen Klatsch um seine sexuelle Orientierung und hielt bei seiner Vorliebe für afroamerikanische Klänge nichts von konventioneller Rockmusik: "Rock ’n’ Roll bildet sich ein, dass die Musik dich zu etwas erheben kann, was du nicht bist. Wenn du aggressive Gitarrenmusik nudelst, dann wird dein Schwanz automatisch drei Zoll größer. Das ist doch absoluter Schwachsinn."

Diese forsche Ignoranz zahlte ihm ein Teil der britischen Rockpresse mit zynischen Verrissen seiner Aktivitäten heim. "Popimitat und Soulkopie, völlig bedeutungslos, aber eine gute Beschäftigungstherapie", hatte der "New Musical Express" bereits über die Songs gehöhnt, die Michael seit 1982 mit seinem Schulfreund Andrew Ridgeley im Duo Wham! zum besten gab. Dabei waren ihre Hits Young Guns (Go For It), Bad Boys, Club Tropicana, Wake Me Up Before You Go-Go, Freedom, Last Christmas, Everything She Wants, I’m Your Man und The Edge Of Heaven "wie Küsse mit offenen Augen, eine Phantasie, die die Widersprüche der wirklichen Welt nicht als peinlich empfindet" ("Sounds"). Wham! nahmen in liebenswerter Naivität "Motown-Musik und erfanden sie neu mit einer Extradosis Enthusiasmus und Aufschneiderei" ("Q").

Im Wham!-Duo besorgte George Michael die Arbeit als Songschreiber, Arrangeur, Produzent und Sänger, während Ridgeley als Imageträger der Gruppe den Typ des Bad Boy und Playboys verkörperte. Nach einer auf beiden Seiten des Atlantiks erfolgreichen George Michael-Solosingle ( Careless Whisper) und einem spektakulären Konzert in China (1985) drifteten die beiden Freunde auseinander. Als die Managementfirma der beiden Musiker 1986 an einen Entertainment-Komplex mit Geschäftsinteressen in Südafrika verkauft werden sollte, nutzte Michael die Gelegenheit, die Auflösung des Duos zu annoncieren. Im Juni des gleichen Jahres gaben Wham! im Londoner Wembley-Stadion ein aufwendiges Abschiedskonzert für ihre Fans.

Seinen Start als Solist leitete George Michael mit den Singles A Different Corner, I Want Your Sex ein. Trotz des umstrittenen erotischen Gehalts wurde der Sex-Song ein weltweiter Top-Hit. Nur der "NME" wunderte sich: ""Don’t you think it’s time you should have sex with me" – ist das nicht die bescheuertste Textzeile seit Ewigkeiten, treibt einen das nicht schnurstracks zum nächsten Hare-Krishna-Keuschheitsworkshop?" Das George Michael-Debütalbum Faith lobte das Blatt zwar zunächst als "beachtliche Übung in Sachen Eklektizismus", hörte aber doch aus dem Werk "jedes klassische Soul/Funk-Klischee" heraus, "das auf einem Mikrochip untergebracht werden kann". Schwarze Popkonsumenten schien die in eigenständige musikalische Formen gegossene Sympathieerklärung für Bo Diddley, Cameo, Prince nicht zu bekümmern: Sie kauften die LP des weißen Sängers auf den ersten Platz der Black Music Chart. Außerdem: "Wie viele weiße Typen können schon mit Aretha Franklin singen [ I Know You Were Waiting (For Me), 1986], ohne wie ein bleichgesichtiger Trampel zu klingen?" ("Village Voice")

Faith blockierte den Spitzenplatz der US-LP-Chart für zwölf Wochen und hielt sich insgesamt 87 Wochen auf der Liste. Es wurde als "Album of the Year" in L. A. mit einem Grammy, als "International Hit of the Year" in London mit einem Ivor Novello Award ausgezeichnet, der Star als "Songwriter of the Year" gleich noch dazu. Außerdem kitzelte die A & R-Abteilung von Epic nicht weniger als sechs Top-Singles aus der LP. Im April 1990 zählte die "Sunday Times" George Michael mit einem geschätzten Vermögen von 65 Millionen Pfund auf Platz 128 unter die 200 reichsten Briten. Der manisch-perfektionistische Sänger schien seinen Superstarruhm schwer zu verkraften und wurde von Todesahnungen geplagt: "Ich habe das Gefühl, ich werde nicht sehr lange leben. Es ist nicht bloß die Angst vor dem Alter oder ein geheimer Todeswunsch, es ist ein bestimmtes Gefühl. Und bislang lag ich immer richtig mit meinen Ahnungen, was die Zukunft wohl bringen könnte."

Zunächst weltliches Ungemach: Aufgrund seines immensen Erfolges, acht Top-Hits allein in den achtziger Jahren, hatte er seinen im Januar 1989 geschlossenen Vertrag mit Epic/CBS schon Ende des Jahres nachbessern lassen. Als er 1990 Listen Without Prejudice, Vol. I eingespielt hatte, wurde der Vertrag durch CBS-Nachfolger Sony noch einmal geändert.

Der streitbare Sänger, der sich 1998 als schwul outete, hatte 1989 schon einmal eine Verleumdungsklage gegen das Klamaukblatt "The Sun" gewonnen. 1992 ließ er seiner Plattenfirma mitteilen, dass er sich nicht an seinen Vertrag gebunden fühle, und gab mit einer spektakulären Geste den Millionenvorschuss zurück. Begründung: Er habe einmal als Teenager einen Vertrag mit der großen amerikanischen Gesellschaft CBS abgeschlossen, sehe sich nun aber als kleiner Teil eines Elektronikkonzerns, der nichts von Kunst verstehe: "Sony scheint in Künstlern kaum mehr als Software zu sehen." Seinen Anwalt Mark Cran ließ er vor dem Londoner High Court vortragen, er fühle sich betrogen. Sony habe das Siebenfache seiner Tantiemen über die Jahre an Gewinn eingestrichen. Überdies beklagte er im Zeugenstand die mangelnde Promotion für sein Album mit dem beziehungsreichen Titel "Hört ohne Vorurteile", das in der Tat mit einer Auflage von acht Millionen Stück nur halb so erfolgreich war wie der Vorgänger Faith: "Sony hat mein Album regelrecht abgewürgt." Die Firma habe ihren Künstler deckeln wollen, weil dieser sich der Aussage seines Albums entsprechend geweigert habe, Videos aufzunehmen. Der Song Praying For Time war das Statement eines Popstars, der sich in seinem Ruhm unwohl fühlte, Freedom 90 eine Absage an den mächtigen Videosender MTV.

Nach 74 Verhandlungstagen wies Richter George Parker auf 273 Seiten Urteilsbegründung George Michaels Klage ab: "Der Vertrag ist vernünftig und gerecht." Noch bevor es zu der vom Künstler angestrebten Berufungsentscheidung vor dem Europäischen Gerichtshof kam, kauften der von den Showbiz-Moguln Steven Spielberg, Jeffrey Katzenberg und David Geffen neugegründete Entertainment-Gigant Dreamworks SKG für die USA sowie Virgin Records für den Rest der Welt Michael mit 40 Millionen Dollar aus dem Sony-Vertrag. Sein neuer Deal: dem Vernehmen nach zwölf Millionen Dollar Vorauskasse und eine generöse Umsatzbeteiligung für nur zwei LPs. David Geffen: "George hat auf diese Weise die Kontrolle über seine Musik und seine Lebensplanung. Was die Musik angeht, ist das großartig. Ob es sich auch auszahlt, wird die Zukunft zeigen."

1993 verlor er seinen Lebensgefährten Anselmo Feleppa an den Folgen von Aids. Die Pressereaktion auf das erste Album nach Sony im Sommer 1996 war zunächst zögerlich: "Michaels neuer Edelpop ist nicht ohne Tiefgang" ("Stereoplay"). "Michael versinkt in einer wollüstigen Einsamkeit, in der entfernte Jazzbläser oder wabernde synthetische Streicher seine Selbstverliebtheit dekorieren" ("New York Times"). Unter dem programmatischen CD-Titel Older (1996) hatte er den überwiegenden Teil des Albums allein produziert, Keyboards, Bass und Percussion selbst eingespielt. Nachdem schon die Ballade Cowboys And Angels auf Listen Without Prejudice die Atmosphäre von Astrud Gilbertos Bossa Nova-Aufnahmen aus den sechziger Jahren vermittelt hatte, widmete er Older nun ganz dem verstorbenen brasilianischen Komponisten Antonio Carlos Jobim und dessen Melancholie. Sicher sei der "selbsternannte Spartakus der Popmusik" ("Der Spiegel"), so unkte Kritiker Jon Pareles in der "New York Times", im Alter von 33 "better off now as a crooner" – als Schnulzensänger besser bedient.

Als wär’s Prophetie: Drei Jahre später reüssierte Michael mit Songs From The Last Century (1999), Oldies aus dem Repertoire von Frank Sinatra ( Where Or When), Doris Day ( Secret Love) und sogar Rudy Vallee ( Brother, Can You Spare A Dime), aber auch Sting ( Roxanne) und Roberta Flack ( Last Time Ever I Saw Your Face), abermals an der Spitze der Charts. Der älteste Song war 68, der jüngste knapp zehn Jahre alt. Die von Phil Ramone produzierte "Platte des Monats" ("Musikexpress") war "mehr als eine hastig in die Welt gesetzte Saisonplatte: Das hat Stil, das ist große Performance" ("Tip").

Auch aus aussichtslos erscheinenden Situationen ging George Michael als Sieger hervor. Am 7. April 1998 gab sich ein vermeintlicher Cruiser, mit dem der Star in einer öffentlichen Toilette im Will Rogers Park, Beverly Hills, anzubändeln versuchte, als Undercover-Cop zu erkennen und nahm ihn fest.(...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Faith (1987)
Listen Without Prejudice, Vol. 1 (1990)
Five Live (1993 mit Queen und Lisa Stansfield)
Older (1996)
Songs From The Last Century (1999)
Patience (2004)
Twenty Five (2006)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Ladies & Gentlemen – The Best Of George Michael (1998)
Twenty Five (2006)
LPs mit Wham!:
Fantastic! (1983)
Make It Big (1984)
Music From The Edge Of Heaven (1986)

Zusammenstellungen (Auswahl):
The Final (1986)
If You Were There (The Best Of Wham!)
(1997)

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