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MAYFIELD, CURTIS

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Mayfield,Curtis

Biografie

Curtis Mayfield (voc, p, g), am 3. Juni 1942 im Cook County bei Chicago, Illinois, geboren, hatte sich seit Beginn seiner Solokarriere 1970 als führender Autor und Interpret der bissig-sozialkritischen Richtung in der Soulmusik qualifiziert. Seit seinem 1967 für die Impressions geschriebenen Hit We’re A Winner, einem der ersten Songs zum Thema "black is beautiful", wurden seine Verse ( Beautiful Bro-ther Of Mine, Mighty Mighty, This Is My Country, Choice Of Colors) zunehmend aggressiver, bis ihm mit seiner Filmmusik zum Rauschgiftthriller "Superfly" (1972) ein Meisterstück musikalisch-poetischer Realitätsdurchdringung ge-lang. Mayfield beschränkte sich längst nicht mehr auf Rassenprobleme; er attackierte aus der Ghettoperspektive die Sozialstruktur der USA. Dabei "quetscht er" mit seiner hohen, mitunter kastratenhaft klingenden Stimme "Wörter und Phrasen in Taktteile, die nach Meinung jedes Musikformalisten dafür einfach zu knapp sind, und schafft mit seiner unbequemen Einbettung der Songs in die metrischen Strukturen eine magische Spannung" ("New York Times").

Komponiert hatte er von Kindesbeinen an: Rainbow, später ein Hit Gene Chandlers, schrieb er mit zwölf; Gypsy Woman, mit dem die Impressions 1961 reüssierten, hatte er mit 14 in der Schublade. Nach dem bei Soulinterpreten beinahe obligatorischen Stimmtraining im Gospelchor schloss er sich 1956 in Chicago der Combo Alphatones an und gründete kurze Zeit später zusammen mit Jerry Butler, geboren am 8. Dezember 1939 in Sunflower, Mississippi, die Roosters, die sich alsbald in Impressions umtauften. Als Butler 1959 seine Solokarriere begann, begleitete ihn Mayfield zunächst zwei Jahre lang als Gitarrist, rief aber 1961 die Impressions wieder zusammen und verschrieb ihnen Bestseller wie Amen, Keep On Pushing, People Get Ready. Oftmals arbeitete er dazu lediglich früher entstandene eigene Gospelstücke in der gleichen Manier um, in der Ray Charles um 1954 die Soulmusik begründet hatte: "Ich strich das Wort Gott im Text und überließ es dem Hörer, die Lücke auszufüllen und die Botschaft zu finden, die Gospels im Allgemeinen vermitteln. Im Stück Keep On Pushing setzte ich an die Stelle von "Gott gab mir die Kraft" die Sequenz: "Ich habe meine Kraft erhalten, und es hat keinen Sinn stehenzubleiben …""

1970 verließ Mayfield die Impressions, blieb aber ihr Haupt-Songlieferant und ihr Plattenproduzent. Er präsidierte dem eigenen Label Curtom und zählte nach dem Welterfolg seines Superfly-Soundtracks (mehr als zwei Millionen LPs wurden verkauft) sowie seiner von Gladys Knight & The Pips interpretier-ten Filmmusik zum schwarzen Familien-Lichtspiel "Claudine" (1974) im US-Musikgeschäft zur Prominenz. Die Langspielplatte Sweet Exorcist, die nichts mit dem Satansfilm "The Exorcist" zu tun hatte, enthielt eindrucksvoll vorgetragene Liebeslieder ( Suffer, Make Me Believe In You) sowie optimistischere Gesellschaftskommentare. Sein Power To The People klang weit weniger aggressiv und revolutionär als der gleichnamige Song von John Lennon.

Nach einer Zusammenarbeit mit Aretha Franklin 1976/77, die Hits wie Sparkle und Almighty Fire hervorbrachte, schrieb er Musik zu dem gesellschaftskritischen Gefängnisdrama "Short Eyes" und spielte die Hauptrolle. 1983 ging er mit den Impressions noch einmal auf eine kurze Tournee. 1985 gab er wohl aus steuerlichen Gründen sein Label Curtom auf und etablierte mit dem Album We Come In Peace With A Message Of Love die Marke CRC. Die LP erschien nur in den USA, das Label ging schnell wieder ein. 1988 übergab er seinen Katalog an die Soulfirma Ichiban, behielt aber die Kontrolle über seine Copyrights.

Nach den geschäftlichen Turbulenzen ein gesundheitliches Desaster: Bei einem Open Air-Konzert auf dem Footballplatz der Wingate High School in der East Flatbush Section des New Yorker Stadtteils Brooklyn traf ihn eine vom Sturm losgerissene Lichttraverse. Er war vom Hals abwärts querschnittsgelähmt. Kurze Zeit später brannte sein Haus in Dunwoody, einer Vorstadt von Atlanta, ab. Den 28. Februar 1991 deklarierte die Stadt Los Angeles zum Curtis Mayfield Day. 1993 brachte die Marke Shanachie unter dem Titel People Get Ready – A Tribute To Curtis Mayfield eine Benefizplatte heraus. Die Interpreten Jerry Butler, Huey Lewis, Bunny Wailer, Vernon Reid und andere stifteten die Hälfte ihrer Tantiemen für den gelähmten Komponisten. 1994 nahm ihn die Bürgerrechtsorganisation NAACP in ihre Ruhmeshalle auf. Bei einer Gala der Superstars (Bruce Springsteen, Steve Winwood, B. B. King, Bonnie Raitt und andere) empfing er in der New Yorker Radio City Music Hall den Grammy Legends Award. Auf dem WEA-Tributalbum All Men Are Brothers (1994) waren außer den genannten Künstlern auch Aretha Franklin, Whitney Houston, Rod Stewart, Elton John, Phil Collins und andere zu hören.

Und obgleich er in einem Interview mit der "New York Times" beklagte, er könne ohne seine Gitarre schwerlich komponieren und lerne gerade, mit einem stimmaktivierten Computer zu arbeiten, legte Mayfield 1996 das Album New World Order mit neuen Liedern vor. Aretha Franklin und Mavis Staples wirkten als Gäste mit; mit Sandra St. Victor sang der Komponist im Duett. Mit seinem Sohn Todd C. Mayfield, der nun die Geschäfte führte, gründete er für die Rap-Generation das Label Conquest, das ebenfalls von Ichiban vertrieben wurde. "Curtis Mayfield ist für die Soulmusik, was Bach für die Klassik, Gershwin und Berlin für die Popmusik waren", erklärte Aretha Franklin bei einer Laudatio 1994. "Aber das Wichtigste ist – er lebt!" 1997 bekräftigte "Rolling Stone": "Schwarze Musik, wie wir sie heute kennen, gäbe es nicht ohne ihn."

1999 wurde er – nach einer ersten Ehrung dieser Art mit den Impressions 1991 – zum zweiten Mal in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen: für sein Solowerk. An den Feierlichkeiten konnte er nicht mehr teilnehmen, die Ärzte amputierten wegen Diabetes sein rechtes Bein. Curtis Mayfield starb am Weihnachtssonntag, dem 26. Dezember 2000, in Roswell, Georgia, im Krankenhaus. Seinen Falsett-Gesangsstil hatte er früher einmal kommentiert: "Vielleicht schaut man hinauf zu Gott, wenn man so singt. Ich liebe es, wenn bei Gospel und Soul die Stimmen im Himmel verschwinden."

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs und
Zusammenstellungen (Auswahl):
Curtis (1971)
Curtis/Live! (1971)
Roots (1971)
Superfly (1972 Soundtrack)
Back To The World (1973)
Curtis In Chicago (1974)
Sweet Exorcist (1974)
Got To Find A Way (1974)
Move On Up (1974)
There’s No Place Like America Today (1975)
Give, Get, Take And Have (1976)
Never Say You Can’t Survive (1977)
Do It All Night (1978)
Short Eyes (1978 Soundtrack)
Heartbeat (1979)
Something To Believe In (1980)
Love Is The Place (1981)
Honesty (1982)
We Come In Peace With A Message Of Love (1985)
Take It To The Streets (1990)
The Anthology 1961–1977 (1992)
Living Legend (1995)
New World Order (1996)
Love, Peace, Understanding (1997 drei CDs)
The Curtis Mayfield Story 1961–1990 (1998 3-CD-Box)
LPs und
Zusammenstellungen (Auswahl)
mit den Impressions:
The Impressions (1963)
Never Ending Impressions (1963)
Keep On Pushing (1964)
People Get Ready (1965)
Greatest Hits (1965)
One By One (1965)
Ridin’ High (1966)
Fabulous Impressions (1967)
We’re A Winner (1968)
This Is My Country (1968)
Check Out Your Mind Young Mod’s Forgotten Story (1969)
Best Impressions Preacher Man (1973)
Early Years (1973)
Finally Got Myself Together (1974)
Three The Hard Way (1974)
Sooner Or Later (1975)
Best Of Versatile 16 Great Hits Big 16 (1975)
First Impressions (1975)
Loving Power (1976)
Originals (1976)
It’s About Time (1976)
For Your Precious Love (1976)
The Right Combination (1980 mit Linda Clifford)
Vintage Years Come To My Party Fans The Fire (1981)
Right On Time (1983)
In The Heat Of The Night It’s Allright (1985)
People Get Ready – Live (1988)
Back To The World (1988)
BBC Radio One – Live In Concert (1990)
Off All Time (1990)
The Anthology 1961–1977 (Box-Set, 1992)
Move One Up – The Singles Collection (2 CDs, 1999)
Soul Legacy (2001 4-CD-Box)
Greatest Hits (2006)

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