Start | Lightfoot,Gordon | Rowohlt-Biografie

Lightfoot,Gordon

Im Handel erhältliche Produkte

Lightfoot,Gordon

Biografie

Gordon Lightfoot (voc, g), am 17. November 1938 in Orillia, Kanada, geboren, war ein Cowboy-Entertainer von sanfter Maskulinität. Mit verhülltem Optimismus und manchmal niederdrückender Ehrlichkeit sang er von denArtefakten menschlicher Sehnsucht, von Landstraßen (Carefree Highway), Flughäfen (Early Morning Rain) und Eisenbahnen (Canadian Railroad Trilogy), von "Liebe und Ahornsirup" (Songtitel). Der vieldekorierte Veteran der kanadischen Folksongszene ließ seinen Rückblick vorwiegend in romantischer Pose ausschweifen. Er versuchte den Zuhörer mehr "durch oberflächliche Schönheit als durch kernige Bemühungen um Expressivität" ("Rolling Stone") für sich zu gewinnen. Gordon Meredith Lightfoot Jr. studierte 1957/58 am Westlake College of Music in Los Angeles Jazz-Komposition und -Orchestrierung.

Nach seiner Rückkehr nach Kanada gehörte er drei Jahre der Combo The Swinging Eight an, mit der er in der CBS-Fernsehshow "Country Hoedown" aufspielte. Mit Terry Whelan (voc) nahm er als Folk-Duo Two Tones die LP Two Tones At The Village Corner (1962) auf, bereiste 1963 Europa und blieb für ein Jahr als Moderator der BBC-TV-Sendung "Country & Western Show" in London hängen. Das Folkpaar Ian und Sylvia Tyson, das ihn zu Beginn der sechziger Jahre in den Kleinkunst-Pubs Torontos entdeckte und an Bob Dylans Manager Albert Grossman vermittelte, machte sein Lied vom "frühen Morgenregen" bekannt.

Peter, Paul & Mary hatten 1965 einen Hit mit Lightfoots For Loving Me, und zu den Standards im Repertoire des Countrysängers Marty Robbins gehörte sein Ribbon Of Darkness. Die Eigeninterpretationen If You Could Read My Mind (1970), Sundown (1974) brachten ihm internationalen Hitparadenruhm. Der "Minnesänger der Morgendämmerung" (Songtitel) hatte sich nie um elektrisches Equipment bemüht. Mit den Co-Akustikern Rick Haynes (bg), Red Shea (g) und einem Clan ausgefuchster Countryspieler polierte er seine Alben zu Hochglanzbildern der Sehnsucht nach "kandierten Äpfeln, Diesel-Lastern und Zügen" ("Rolling Stone"). Seine melodische Erfindungskraft und seine thematische Vielseitigkeit waren nicht allzu ausgeprägt, obwohl er sich auch schon mal an einem Plädoyer für verfolgte Meerestiere versuchte (Ode To Big Blue auf Don Quixote, 1972).

Zwei Jahre nachdem der überzeugte Kanadier mit seinem größten Hit Sundown die Spitze der US-Popcharts erklommen hatte, las er im US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" die Story vom Untergang des Frachters "SS Edmund Fitzgerald" auf den Großen Seen zwischen den beiden Ländern, der bei einem schweren Sturm im November 1975 mit 29 Besatzungsmitgliedern gesunken war. Er übersetzte den "Newsweek"-Artikel beinahe Wort für Wort in einen Song und kam mit The Wreck Of The Edmund Fitzgerald (1976) abermals in die Top Five der US-Popliste: Position zwei. Der Wohlklang virtuos geführter Instrumente und Stimmen machten Lightfoots Alben mitunter zu akustischen Delikatessen, selbst wenn er Mitte der Achtziger "kaum noch was Gescheites zu sagen hatte" ("Stereo Review").

Nach East Of Midnight (1986) brachte er bei ständig steigendem Alkoholkonsum kaum noch neue Songs zustande. Die Firma behalf sich mit dem zweiten Best-of-Album Gord's Gold Vol. II (1988). Doch auch zur Promotion war er nicht mehr fähig. Mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker konnte er sich von der Sucht befreien. Nach Clubtourneen und einzelnen Konzerten wagte er sich 1992 in Toronto mit Terry Clements (g), Michael Heffehan (kb), Rick Haynes (bg), Barry Keane (dr) wieder ins Studio. Das Album Waiting For You (1993), ohne Studio-Gimmicks fast ausschließlich akustisch in One Take Cuts aufgenommen, wurde auf einer Nordamerikatournee mit 36 Konzerten vorgestellt und und mobilisierte ein erstaunlich großes, heterogenes Publikum. Alt-Hippies saßen neben neoromantischen Teen-agern. In der Massey Hall in Toronto dauerte das Lightfoot-Festival sechs Tage, 1995 wurde es eine weitere Woche lang wiederholt.

Und auch die Plattenverkäufe zogen wieder an. Mitte der Neunziger passierte die Auflage des stillen Dauersellers Gord's Gold die Zwei-Millionen-Grenze. In diesem Jahrzehnt gab er jährlich etwa 50 Konzerte, brachte aber mit Waiting For You (1993) und A Painter Passing Through (1998) nur zwei CDs auf den Markt. Im Herbst 2002 fiel er zu Hause in Orillia nach dem Durchbruch eines Magengeschwürs ins Koma und konnte nur mit Mühe gerettet werden. Nach seiner Genesung ging er für das Album Harmony (2004) sofort wieder ins Studio. Seine zwanzigste LP sei die erste gewesen, "die ich auf dem Rücken liegend aufnahm", sagte er und zeigte nach zwei weiteren Unterleibsoperationen mit dem Titel seiner nächsten Tournee, dass er den Humor nicht verloren hatte. Er nannte sie "The Better Late Then Never Tour".

Gordon Lightfoot wurde mit so gut wie allen kanadischen Preisen prämiert, die man als Singer/Songwriter gewinnen konnte, darunter 15 Juno Awards und 2003 die höchste zivile Auszeichnung des Landes: Companion of the Order of Canada. Er war Mitglied der Canadian Music Hall of Fame (seit 1986) und der Canadian Country Music Hall of Fame (seit 2001). In den USA wurde er fünfmal für einen Grammy nominiert, aber niemals ausgezeichnet. Dafür hätte er wohl US-Bürger werden müssen. Lokalpatriot Lightfoot: "Impossible!"

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Lightfoot! (1966)
The Way I Feel (1967)
Did She Mention My Name (1968)
Back Here On Earth (1968)
Sunday Concert (1969)
Sit Down Young Stranger (1970 wiederveröffentlicht unter dem Titel If You Could Read My Mind)
Summer Side Of Life (1971)
Don Quixote (1972)
Old Dan's Records (1972)
Sundown (1974)
Cold On The Shoulder (1975)
Summertime Dream (1976)
Endless Wire (1978)
Dream Street Rose (1980)
Shadows (1982)
Salute (1983)
East Of Midnight (1986)
Waiting For You (1993)
A Painter Passing Through (1998)
Harmony (2004)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Early Lightfoot (1969)
The Best (1970)
Classic Lightfoot:
The Best Of Gordon Lightfoot (1971)
The Very Best Of (1974)
Gord's Gold (1975)
Early Morning Rain (1976)
Songbook (1985)
Gord's Gold, Vol. 2 (1988)
The Best Of (1989)
Original Lightfoot (1992)
The United Artists Collection (1993)
Complete Greatest Hits (2002)

Ähnliche Künstler