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Led Zeppelin

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LED ZEPPELIN

Biografie

Led Zeppelin , Ende 1968 in London gegründet, stiegen ohne wesentliche Unterstützung durch die Massenmedien und mit nur zwei gegen den Willen der Musiker aus LPs ausgekoppelten Singleplatten ( Whole Lotta Love, Immigrant Song) in die Gruppe der Rock-Spitzenverdiener auf. Nach ihrer ersten USA-Tournee im Februar/März 1969, auf der sie sich noch mit 750 Dollar Abendgage begnügen mussten, konnten die Heavy Rocker bis zu 75 000 Dollar für ein Konzert kassieren. Ihre ersten vier Alben, jedes über zwei Millionen Mal verkauft, trugen ihnen Platintrophäen ein; allein die Autorentantiemen waren mittlerweile in Dollar siebenstellig. "Absicht der Gruppe ist es", schrieb "Time" 1970, "alle Stile und Techniken des heutigen Rockspektrums auszubeuten, ohne dessen harten Kern eines direkten Gefühlsausdrucks zu verfehlen."

Wohl um diesem rückwirkend auch sprachlich gerecht zu werden, hechelte 2005 H. P. Daniels in "Tip": "Hochspannungsblues. Elektrisch und akustisch. Folk mit keltischem Einschlag. Und immer wieder Höllenlautstärke. Vertrackte rhythmische Figuren zu schwermetalligen Riffereien. Und darüber das hysterische Schreien von Plant. Spitzes Kreischen, tiefes Gurgeln, orgiastisches Stöhnen. Das aber auch immer wieder zurückfand ins Melodische. Mit traumwandlerischer Sicherheit, exakt auf den Punkt, auf den richtigen Ton. Makelloses Timing. Berauschendes Phrasing …" Tatsächlich verstand es der Gitarrist Jimmy Page vortrefflich, seinen mit Hilfe eines Ringmodulators, einer mit dem Geigenbogen bearbeiteten Gitarre und mehrfachen Echohalls erzeugten Experimentiersound mit dem erotischen Show-Exhibitionismus des Sängers Robert Plant in Einklang zu bringen. "Quetsch mich, Baby", kreischte Plant beispielsweise im Lemon Song, "bis mir der Saft die Beine runterläuft" (Squeeze me, baby, till the juice runs down my leg). Der orgiastische Blues Rock, "in dem alle Frustrationen der Teens und angehenden Twens gespeichert sind" (Franz Schöler), war eine superverstärkte Fortentwicklung des alten Yardbirds-Stils.

Page (g, bg), am 9. Januar 1944 als Sohn des Personalchefs einer Industriefirma in Heston geboren, hatte (als Nachfolger von Eric Clapton, Jeff Beck) zuletzt diesem berühmten Ensemble angehört und galt daneben als einer der besten Sessionmusiker Londons, der auch auf Platten von Donovan, Joe Cocker, Rolling Stones zu hören war. Den Bassgitarristen John Paul Jones, bürgerlich: John Baldwin (bg, kb), am 3. Januar 1946 geborener Sohn eines Big Band-Pianisten aus Sidcup, hatte Page bei der Produktion von Donovans Hurdy Gurdy Man kennengelernt. Sänger Robert Plant (voc, harm, bg), am 20. August 1948 geborener Ingenieurssohn aus West Bromwich, und Schlagzeuger John Bonham aus Redditch, geboren am 31. Mai 1948 als Sohn eines Zimmermanns, kamen von der Birminghamer Band of Joy; Plant hatte auch schon bei Alexis Korner gesungen. Ihre musikalischen Leistungen fanden trotz aller Virtuosität nicht den Beifall versierter Rockkritiker. Don Heckman in der "New York Times": "Plants nasaler Bluesstil übertreibt die schwarze Passion bis zur Belanglosigkeit von Plastiksex. Page ersetzt Einfälle durch mechanische Geläufigkeit und musikalische Klarheit durch plumpe Strukturen. Jones’ Beiträge, die wohl bemerkenswertesten in der Gruppe, werden im Ensemblestil unangemessen überbetont."

Zur Zeit ihres fünften Albums (1973), mit dem sie aus ihren bisherigen Erfolgsmustern auszubrechen versuchten, wurde ihre beschränkte Kreativität auch wohlmeinenden Kritikern klar. Franz Schöler in der "Zeit": "Ein Song ist nur noch dazu da, um instrumentales Können zu beweisen. Das konsternierte Publikum begreift, dass hier Rockmusik nur noch ein Egotrip ist." Wie viele erfolgreiche Bands hatten auch Led Zeppelin 1974 ein eigenes Plattenlabel mit dem Namen Swan Song gegründet. In der kommerziell unergiebigen Konzertsaison 1974/75, in der die US-Tourneeumsätze um mehr als ein Drittel zurückgingen, konnten die vier Musiker mit ausverkauften Hallen ihren Ruf als Rock-Moneymaker festigen. In London verkauften sie das Stadion Earl’s Court mit 20000 Plätzen fünfmal hintereinander aus. 1975 legten sich aber auch düstere Schatten über die Band. Auf der griechischen Insel Rhodos erlitt Plant mit seiner Familie am 4. August einen schweren Autounfall und wurde lebensgefährlich verletzt. Zugleich machte das Gerücht von schwarzer Magie und satanischen Praktiken der Led Zeppelin-Musiker in Fan-Kreisen die Runde. In der Juniausgabe 1975 der US-Zeitschrift "Crawdaddy" hatte Page im Gespräch mit dem Schriftsteller William S. Burroughs geäußert: "Im Led Zeppelin-Konzert ist das Ziel Energie bei den Spielern und beim Publikum. Um das zu erreichen, muss man die Quellen magischer Kraft anzapfen, so gefährlich das auch sein mag."

Page, der nebenbei in London eine okkultistische Buchhandlung betrieb, hatte das Haus Boleskin des einflussreichen, 1947 gestorbenen Magiers und Satanisten Aleister Crowley bezogen und komponierte 1975 Musik für Kenneth Angers unvollendeten Film "Lucifer Rising". Am 27. Juli 1977 starb während einer Amerikatournee der Band daheim in England Plants fünfjähriger Sohn Karac an den Folgen einer Mageninfektion. Plant: "Mir wurde klar, dass ich auf dem falschen Dampfer war. Ich konnte mit meiner Trauer nicht umgehen, weil ich nicht darauf vorbereitet war, ein erwachsener Mann sein zu müssen. Es gibt nicht genug Goldene Schallplatten, um dieses Kind zurückzuholen." Am 25. September 1980 starb Schlagzeuger Bonham in Pages Haus nach einer Alkohol- und Drogenorgie an seinem Erbrochenen. Nur zwei Led Zeppelin-LPs erschienen in der zweiten Hälfte der Siebziger: Presence (1976) und In Through The Out Door (1979). Nach Bonhams Tod veröffentlichte die Band eine kryptische Presseerklärung mit dem Tenor: "So können wir nicht weitermachen." 1982 erschienen vier LPs der aufgesplitteten Band: der Soundtrack zum beziehungsreich betitelten Film "Death Wish II" von Jimmy Page sowie dessen erste Solo-LP, Robert Plants Soloplatte Pictures At Eleven sowie Coda, eine Sammlung alter Titel und Demos der Band. Pages Album Outrider (1988) exponierte als Gäste drei Vokalisten: John Miles, Chris Farlowe und den alten Kompagnon Robert Plant. Ein Plagiatsprozess – Bluessänger Willie Dixon hatte allzu große Ähnlichkeiten von Whole Lotta Love mit seinem You Need Love eingeklagt – war inzwischen außergerichtlich beigelegt worden. Nachdem sich Led Zeppelin 1985 für das Live Aid-Konzert mit Phil Collins und Tony Thompson (dr) wiedervereinigt hatten, stieg für ein Reunion-Konzert zum 40. Jubiläum der Plattenfirma Atlantic am 14. Mai 1988 im New Yorker Madison Square Garden Johns Sohn Jason Bonham am Schlagzeug ein.

Bonham jr., der mit seiner Heavy Metal-Band 1989 das Album The Disregard Of Timepicking herausbrachte, war im Mai 1990 Anlass einer weiteren Zeppelin-Reunion: Er heiratete im Heath Hotel im englischen Bewdley nahe Kidderminster seine Jugendliebe Jan Charteris. Ein drittes Zusammentreffen der alten Band ergab sich im Januar 1995 in New York bei der Aufnahme von Led Zeppelin in die Rock and Roll Hall of Fame. Als sie im gleichen Monat bei der Verleihung der American Music Awards im Shrine Auditorium von Los Angeles für ihr Lebenswerk geehrt wurden, ließen sich Page und Plant mit dem Song Black Dog von London aus via Satellit zuschalten. Page hatte 1990 die nach seiner Meinung 26 besten Aufnahmen von Led Zeppelin überarbeitet im Album Remasters ediert und eine CD-Box mit 54 Titeln aus den Jahren 1968 bis 1978 vorgelegt. Seine Anfrage nach einem offiziellen Zeppelin-Comeback beantwortete Plant 1993: "Das ist nicht meine Idee von Ruhm: Männer gereiften Alters, die auf der Bühne herumhampeln und Black Dog spielen – einfach vulgär!"

Als sich die beiden 1994 bei einem Memorialkonzert für Alexis Korner im Buxton Opera House in Derby wiedertrafen, einigten sie sich auf eine Fortsetzung ihrer Kooperation mit anderen Mitteln. Für die "Unplugged"-Serie von MTV, ausgestrahlt am 12. Oktober 1994, wurde das 90-Minuten-Programm "Unledded" mit Charlie Jones (bg), Michael Lee (dr) aufgenommen, dessen Konzentrat auf der CD No Quarter in den Handel kam. "Die Arbeit war heikel wie bei einem geschiedenen Ehepaar", so TV-Producer Alex Coletti. "Die kleinste Irritation hätte alles ruinieren können." Doch das teure Programm, in London, Rabat, Marrakesch und in einem alten Schieferbruch in Wales aufgenommen, bescherte MTV mit "klassischem Zeppelin-Bombast" ("New York Times") die höchste "Unplugged"-Einschaltquote dieser Serie. Im Stück Kashmir spielten ein englisches und ein ägyptisches Streichorchester mit Gnawa-Trancemusikern, in The Battle Of Evermore zupfte Page zum indischen Gesang seiner Freundin Najma Akhtar eine überdimensionale Gitarre mit drei Hälsen, die er kaum umfassen konnte.

"Das Duo nahm seine alten Songs und machte sie größer" ("New York Times"), fügte aber auch acht neue Stücke hinzu. Das Ergebnis war künstlerisch ambivalent, wie fast alles(...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Led Zeppelin I (1969)
Led Zeppelin II (1969)
Led Zeppelin III (1970)
Led Zeppelin IV (1972)
Houses Of The Holy (1973)
Physical Graffiti (1975)
Presence (1976)
The Song Remains The Same (1976 Soundtrack)
In Through The Out Door (1979)
Coda (1982)
BBC Sessions (1997)
How The West Was Won (2003)

Zusammenstellungen:
Remasters (1990)
Boxed Set (1990 vier CDs)
Complete Studio Recordings (1993 zehn CDs)
Boxed Set 2 (1993)
Early Years – Best Of Remasters, Vol. 1 (1999)
Latter Days – Best Of Vol. 2 (2000)
Early Days & Latter Days (2002)
Mothership:
Best Of (2007)
LPs Jimmy Page mit The Firm:
The Firm (1985)
Mean Business (1986)
LPs Jimmy Page:
Death Wish II (1982 Soundtrack)
Studio Works 1964–1968 (o. J.)
Outrider (1988)
Voodoo Blues (1995)
LP Jimmy Page mit Black Crowes:
Live At The Greek (2000)
LPs Robert Plant:
Pictures At Eleven (1982)
The Principle Of Moments (1983)
Shake ’n’ Stirred (1985)
Now And Zen (1988)
Manic Nirvana (1990)
Fate Of Nations (1993)
Dreamland (2002)
Sixty Six To Timbuktu (2004)
Mighty ReArranger (2005)
Nine Lives (2006 Box mit DVD)
LP Robert Plant & Alison Krauss:
Raising Sand (2007)
LPs Jimmy Page und Robert Plant:
The Honeydrippers:
Volume One (1984)
No Quarter:
Jimmy Page & Robert Plant Unledded (1994)
Walking Into Clarksdale (1998)
LPs John Paul Jones:
Scream For Help (1985 Soundtrack)
Zooma (1999)
The Thunderthief (2001)
LP John Paul Jones mit Diamanda Galás:
The Sporting Life (1994)

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