Keys,Alicia
Biografie
Alicia Keys (p, voc), als Alicia Cook am 25. Januar 1981 im Hell’s Kitchen-Distrikt von Harlem, New York, geboren, brachte das Kunststück fertig, im Alter von 21 mit Talent, Ehrgeiz und dem Promotion- und Marketinggeschick ihres Mentors Clive Davis von ihrem Debütalbum Songs In A Minor (2001) mehr als zehn Millionen Exemplare abzusetzen, fünf Grammys und so gut wie jeden Musikpreis des Globus abzuräumen, ohne damit die Presse zu verprellen. Nicht einmal der präpotent gewählte Künstlername Keys (= Klaviertasten) konnte kritische Journalisten und notorische Miesmacher zu Häme inspirieren. Thomas Groß in der "Zeit": "Keys wie die vielen Tonarten, die sie beherrscht, Keys wie der Schlüssel zu den Zielgruppen."
Als Alicia zwei war, hatte sich der Vater, ein schwarzer Airline Steward, von der Familie abgesetzt. Die italienischstämmige Mutter Terri Augello, eine oft unbeschäftigte Kleindarstellerin in Broadway-Musicals, nahm einen Nebenjob als Anwaltsgehilfin an, um der frühreifen Tochter eine adäquate Ausbildung zu ermöglichen. Mit fünf bekam Alicia Klavierunterricht, schrieb mit 14 ihre ersten Songs, ging aufgrund ihrer Leistungen ein Jahr früher von der Highschool ab und beendete das Studium an der Professional Performance Arts School in Manhattan nach zwei Jahren mit Auszeichnung. Sicherheitshalber bereitete sie sich durch hartes Training auch noch auf eine Sportkarriere vor und gehörte 1996 zum Olympia-Schwimmerinnenteam der USA.
Die Musik bot schon damals die größere Verheißung. Bei einer Sportveranstaltung der Harlemer Polizei, so die Legende, bei der sie mit ihrer Girl Group u. a. die später im Debütalbum enthaltenen eigenen Songs Butterflyz und The Life vortrug, habe sie ihren ersten Freund Conrad Robinson kennengelernt, der ihr Vocal-Training übernahm. Robinsons Bruder Jeff wurde ihr Manager und vermittelte sie zu Columbia. Dort wurden die mit ihr aufgenommenen Songs jedoch nur für die Soundtracks von "Men in Black", einem Remake des Thrillers "Shaft", sowie des zweiten Teils von "Dr. Doolittle" verwurstet. In ihrer Not wandte sie sich über Jeff Robinson mit einem Demoband an den legendären Arista-Chef Clive Davis, Entdecker oder Förderer von Rockstars wie Janis Joplin, Santana, Bruce Springsteen, Aretha Franklin, Whitney Houston und vielen anderen.
"She’s the real deal", entschied Clive Davis und kaufte Alicia Keys aus dem Columbia-Vertrag heraus: "Ein herausragendes Talent, eine Schönheit, ein Alltimer, wie es zuvor Aretha Franklin war." Nur verlor Davis, 68, Autor der Autobiographie "Inside the Record Business", bei Arista soeben seinen Job. Statt, wie angeboten, unkreativ in den Vorstand der Bertelsmann Music Group einzutreten, entschied er sich ein weiteres Mal für ein eigenes Label: J Records (nach seinem zweiten Vornamen Jay), ein 50:50 Joint Venture mit BMG. Die Künstlerin Keys nahm er mit, investierte zwei Millionen Dollar für die Songs In A Minor sowie dazugehörige Videos und richtete der jungen Tasten-Queen sogar ein eigenes Studio ein. Wichtiger noch: Der Firmenchef übernahm selbst sämtliche wichtigen Promotion-Jobs. Er lud eine handverlesene Hundertschaft Top-Journalisten zu einer Pressekonferenz ein. Er sorgte dafür, dass sein Schützling bei 15 großen US-Magazinen auf dem Cover erschien. Er antichambrierte bei TV- und Rundfunkstationen in Schlüsselmärkten persönlich und erreichte bei MTV Powerplay.
In der Woche vor der Auslieferung des Albums erschien Alicia Keys nicht nur coast to coast in Jay Lenos TV-Talkshow, sie präsentierte die erste Single Fallin’ auch vor den 40 Millionen Zuschauern der Talkerin Oprah Winfrey, Amerikas schwarzer Mutter der Nation. Resultat: CD und Single etablierten sich sofort an der Spitze ihrer jeweiligen Charts. Das Album wurde in der ersten Woche 300.000-mal verkauft. Es begann, beseelt interpretiert, mit Beethovens Mondscheinsonate, die für das Stück Piano & I kurz darauf in HipHop-Beats überging. "Das Beste an Alicia Keys ist zweifellos ihre Fähigkeit, die zentralen Lehren ihrer Vita in gefühlvolle Lieder zu fassen", schrieb "Zeit"-Kritiker Thomas Groß: " Fallin’, ihr signature tune, variiert das alte Soul Queen-Thema des Würdebewahrens in einer würdelosen Welt. A Woman’s Worth klagt Respekt ein für hart arbeitende Mitglieder der Gesellschaft. Milde Sozialkritik, gepaart mit gediegenem Spielvermögen und Sinn fürs alltägliche Melodram sind die Essenzen ihres Stils."
Auch der zweite, schwierigere Teil des "making of a star" gelang: ein dem Debüt adäquates zweites Album. Mit The Diary Of Alicia Keys (2003), für das sie wieder fast alle Songs schrieb, Piano spielte und produzierte, löste sie alle Versprechen ein. Auch wenn sie sich einmal helfen ließ, waren die Produktionsassistenten erste Sahne: Timbaland für das Stück Heartburn, Kanye West für You Don’t Know My Name. Wieder okkupierte das Album auf den US-Popcharts sofort den Spitzenplatz.
"An Sophistication abermals ihrem Alter weit voraus", lobte Martin C. Strong in der "Great Rock Discography", "zeigt dieses Album mit seiner makellosen Verbindung von klassischer und zeitgemäßer Black Music, von purem Pop und der Selbsterkundung der Singer/Songwriterin, dass ihr Talent für eine erheblich längere Haltbarkeit ausgelegt ist als das der meisten ihrer Art." Ähnlich auch die Rezension von Jürgen Ziemer im deutschen "Rolling Stone", doch mit einem leicht unterschiedlichen Dreh: " The Diary Of Alicia Keys schwebt auf geradezu beängstigend hohem Niveau – hier gibt es nichts zu kritisieren. Außer, man sehnt sich nach etwas Echtem, nach einem Tropfen Schweiß unter den rasierten Achseln, nach Misstönen, die beweisen: Alicia Keys ist ein Mensch, ihre Lieder kommen aus der Seele." Dann der Satz, der den Sarkasmus und die Häme künftiger Rezensionen vorausahnen ließ: "Und da bin ich mir nicht so sicher."
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Songs In A Minor (2001)
The Diary Of Alicia Keys (2003)
Unplugged (2005)
As I Am (2007)
The Element Of Freedom (2009)


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