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James,Rick

Biografie

Rick James (voc, kb), bürgerlich: James Johnson, am 1. Februar 1952 (nach anderen Quellen 1948) in Buffalo, New York, geboren, "brachte die schwarzen Musiktrends der letzten Dekade auf einen Generalnenner: Er vereinte die Funk-Mythologie George Clintons, Stevie Wonders profilierte Zeitkommentare und Ashford & Simpsons Aufsteigerromantik mit dem Ramba-Zamba-Stil der meisten anderen schwarzen Ensembles" ("Village Voice"). Sein hochenergetischer Mix aus ungenierter Anmache und launiger Partymusik, die er selbst "Punk Funk" nannte, wies ihn nicht gerade als musikalisches Schwergewicht aus. "Aber er kannte alle kommerziellen Schleichwege und wusste sich zu verkaufen" ("Melody Maker").

Der Sänger mit der "opernhaften, löwenartigen Röhrstimme" ("New Musical Express"), der seinen erotischen Appeal durch kunstvoll gedrechselte Frisuren und extravagant figurbetonte Kleidung noch zu steigern wusste, hatte eine unstete Jugend hinter sich. Er war aus mehreren Schulen wegen anarchistischer Tendenzen hinausgeflogen, hatte sich mit 15 der Marine-Reserve angeschlossen, beging Fahnenflucht, entkam nach Kanada und gründete in Toronto mit Neil Young und späteren Mitgliedern von Buffalo Springfield, Steppenwolf die Mynah Birds. Die Gruppe brachte ein Album heraus und ging dann nach Detroit. Dort erhielt sie einen Schallplattenvertrag bei Motown, doch bevor eine LP aufgenommen wurde, stellte James sich den US-Militärbehörden. Mynah Birds zerfielen.

Nach seiner Entlassung aus der Haft arbeitete er teils in England, teils in den USA jahrelang als Sessionmusiker, bevor ihn 1978 ein neuer Kontrakt mit Motown als Songschreiber, Producer und Performer ins Rampenlicht rückte. Die Debüt-LP Come And Get It! mit dem Einstandshit You And I machte ihn zum Marktfaktor. Nachfolgehits wie Mary Jane, Bustin' Out, Love Gun, Super Freak etablierten ihn als "populärsten schwarzen Rock 'n' Roll-Star der Welt" ("Rolling Stone"). Vergleiche mit Sly Stone ließ er sich gefallen, Parallelen zu Clintons "kosmischem Genudel" wies er von sich: "Wir reden Tacheles, wir sagen, was wirklich läuft auf den Straßen."

Diesen Anspruch löste er mit seiner Stone City Band auf dem Album Street Songs (1981) überzeugend ein. Polizeigewalt gegen Schwarze, alltäglicher Rassismus in Buffalo, die Hoffnungslosigkeit arbeitsloser Jugendlicher ohne Zukunftsperspektive skizzierte er in grimmig-ironischen Funk-Stücken: "Eines spricht für das Ghetto - man braucht sich keine Sorgen zu machen, es wird auch morgen noch da sein." Sorgen bereitete hingegen das Abgleiten des schnellen Aufsteigers in Drogenmissbrauch und Alkoholabhängigkeit.

Neuere Produktionen nach vorübergehender Therapie (Glow, 1985) stießen auf kritische Ablehnung: "Rick war ja nie Mr. IQ, aber diese Platte ist schlichtweg dumm" ("Village Voice"). Seine sinkenden Plattenumsätze verärgerten Motown, die ihm nahelegten, "mich mehr darauf einzustimmen, was die Kids wollen". Eine Hinwendung zum modischen Rap schien ihm jedoch nicht ratsam: "Das ist heute angesagt, morgen vergessen." Sprach's und engagierte für seine Single Loosey's Rap 1988 die Rap-Schnellsprecherin Roxanne Shante. Daraus, dass diese Single ein R & B-Top-Hit wurde, zog James allerdings keine weiteren Schlüsse. Die bald folgende LP Wonderful war "ein formaler Job" und zeigte, dass "seine Trickkiste nichts mehr enthält" (Kritiker Ron Wynn).

James' Musik wurde zum Steinbruch für Rapper, die ein wirkungsvolles Riff suchten. Der Musiker und seine Freundin Tanya Hijazi kamen in den neunziger Jahren weniger in die Schlagzeilen der Musikpresse als ins Kriminalregister. Wegen Freiheitsberaubung, Drogenmissbrauch und Körperverletzung kam das Paar 1994 ins Gefängnis, aus dem James Mitte 1996 entlassen wurde. Die Haft habe ihn geläutert, glaubte er und wollte seine unterbrochene Musikerkarriere wieder aufnehmen: "Ich weiß heute, dass ich kein Nobody ohne jede Zukunft bin. Ich komme wieder!"

Nicht geprahlt: Sein Comeback-Album Urban Rapsody (1997) überzeugte durch "fette Basslinien, knackige Bläserstöße, licky-licky Gitarren, beseelte Satzgesänge, dazu ein paar fetzige Raps", so das Magazin "Zitty": "Street Funk at its very best." Rick James starb am 6. August 2004 in seinem Haus in Los Angeles. Obgleich bekannt war, dass er an Diabetes mellitus und Herzrhythmusstörungen litt, weshalb er einen Herzschrittmacher trug, wurde zur Feststellung der Todesursache eine Autopsie angeordnet, die ergebnislos blieb. Bei der anschließenden toxikologischen Untersuchung fanden sich folgende Substanzen: Kokain, Valium, Xanax, Methamphetamin, Vicodin, die Antidepressiva Wellburtin und Celexa, das Herzmittel Digoxin und Chlorpheniramin (gegen Grippe). "Musikexpress": "Risiken, Neben- und Wechselwirkungen dieser Kombination würden Bände füllen."

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Come And Get It! (1978)
Bustin' Out Of L Seven (1979)
Fire It Up (1979)
Garden Of Love (1980)
Street Songs (1981)
Throwin' Down (1982)
Cold Blooded (1983)
Glow (1985)
The Flag (1986)
Wonderful (1988)
Urban Rapsody (1997)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Reflections Of Rick (1984)
Bustin' Out - The Very Best Of (1994)
Anthology (2002)
Deeper Still (2007)

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