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Jackson,Janet

Jackson,Janet

Biografie

Janet Jackson Damita (voc, kb), am 16. Mai 1966 in Gary, Indiana, als Jüngste im singenden, tanzenden, spielenden Neun-Kinder-Clan geboren, wurde bereits als Siebenjährige von Vater Joe animiert, mit Bruder Randy als Duo auf die Bühne zu gehen. Später fand sie sich in belehrenden und banalen TV-Serien wie "Good Times" "Diff’rent Strokes", "Fame" wieder. Eine Schallplattenkarriere schien der logische dritte Schritt zu sein. Nach zwei Singsang-LPs ohne Resonanz riss das achtzehnjährige Jackson-Küken aus und heiratete James von der Detroiter Popclique DeBarge. Die Protestehe dauerte nur 60 Tage. "Es gibt bloß einen Peter Pan", erkannte sie nach der Rückkehr ins fromme Elternhaus mit Seitenblick auf ihren verträumten Bruder Michael: "Wir anderen müssen erwachsen werden." Dazu gehörte Control über das eigene Leben. "Dies ist ein Album über Kontrolle, meine Kontrolle. Ich hoffe, ihr habt so viel Spaß daran wie ich", begann ihre "reife und selbstbewusste LP" ("New Musical Express"), die sie 1986 in Minneapolis mit den Producern Jimmy Jam und Terry Lewis nach selbstanalytischen Gesprächen aufgenommen hatte.

Die Bekenner-Platte hatte genau die richtige Mischung aus "Seifenenopern-Dialogen, postfeministischen Patzigkeiten, einem Schuss grimmigem Realismus und einem Hauch antiseptischer Verworfenheit" ("The Face"). Freche Songs wie What Have You Done For Me Lately, Nasty, Statements der Eigenverantwortlichkeit ( Let’s Wait Awhile) oder aufgeklärten Verliebtheit ( When I Think Of You) wurden mit Hilfe brillant inszenierter Videos zu weltweiten Hits. In diesen Showclips steppte die Mae West-Bewunderin Janet mit markiger Tanzakrobatik eigener Prägung vollends aus dem Schatten ihrer berühmten Brüder und war letztlich auch mit ihren Platten erfolgreicher: Janet Jackson’s Rhythm Nation 1814 (1989), ein mehrfaches Platin-Album, war für nicht weniger als sieben Top Ten-Singles gut.

Für eine Summe von mehr als 30 Millionen Dollar wechselte die neugebackene "Queen of Pop" ("Q") mit dem Album Janet 1993 zu Virgin. Janet Jackson verstand es, ihren energetischen Soul mit neuerer schwarzer Musik wie Rap zu einem homogenen Ganzen zu verbinden. Für Janet hatte sie nicht nur Ober-Rapper Chuck D von Public Enemy gewinnen können, sondern auch die Sopranistin Kathleen Battle. "Jeder Quadratzentimeter ein Produkt des Video-Zeitalters", schrieb die Londoner "Times", werde Janet Jackson ebenso sehr für ihre pneumatischen Tanzeinlagen und ihre Optik bewundert wie für ihren Gesang. Hier aber spiele die Musik "nicht so sehr in der Aerobic-Halle als im Massagesalon". Vor allem ließ sie es in der Kasse klingeln: Innerhalb eines Jahres wurden von Janet mehr als zehn Millionen Exemplare abgesetzt.

Ein Angebot des Magazins "Playboy", sich für viel Geld nackt ablichten zu lassen, habe sie abgelehnt, erklärte die attraktive Sängerin 1994 in einem "Spiegel"-Gespräch, bekannte sich aber zum Sex, auch in ihrer Bühnenshow. "Janet erscheint, im Gegensatz zum Bruder, aus Fleisch und Blut", so Kritiker Uwe Sauerwein 1995 im Berliner "Tagesspiegel": Der Kontakt zum Publikum bereite ihr sichtlich Genuss, die Show gehöre "zum Besten, was die Popwelt momentan zu bieten hat". Im Film "Poetic Justice" von John Singleton spielte Janet Jackson 1994 ihre erste Kinorolle. Später wolle sie sich "noch einen weiteren Kindheitstraum erfüllen: einen Auftritt am Broadway". Ihr Bemühen um emotionalen Tiefgang sei noch unerfüllt, urteilte Kritiker David Sinclair in London, "aber man kann einem Mädchen nicht übelnehmen, es immer wieder zu versuchen". Virgin waren diese Versuche 1996 für vier Alben eine Garantiesumme von 80 Millionen Dollar wert. Den Reigen der lukrativen Alben eröffnete 1997 The Velvet Rope. "Knackige Dance-Tracks mit trockenen oder wummernden Dampfhammer-Beats" ("Musikexpress") waren mit langatmigen Selbsterfahrungsballaden verkoppelt. "Es hat mich 31 Jahre gekostet, dieses Album zu machen", flötete sie, ergriffen von der Ernsthaftigkeit des eigenen Werkes, "weil ich meinem Leben auf den Grund gehen musste und all diese Dinge ausgegraben habe." Auf die Frage, welche Dinge denn nun, gab sie sich verschlossen: "Oh, das ist sehr persönlich." Vier Jahre und eine kostspielige Scheidung später deklarierte sie anlässlich ihres Albums All For You (2001): "Mein Motto ist nicht: Sex sells. Ich setze lieber auf mein musikalisches Talent." Ihr Ex-Ehemann Rene Elizondo forderte zehn Millionen Dollar für die 30 Songs, die er für sie geschrieben hatte.

Und schon wieder gab die Kritik weniger der Sängerin als einem Mann hinter den Kulissen Kredit. Ihr Producer Rockwilder, urteilte Ethan Brown im Magazin "New York", habe beispielsweise den Song Come On Get Up durch "erstaunliche Drum Breaks, House Beats und Tabla-Virtuosität" bereichert, während ihre Erotik in Liedern wie Love Scene (Ooh Baby) und When We Oooo so kühl wirke "wie ihres Bruders Michael berühmter Fernsehkuss mit Lisa Marie Presley". Trotz gewaltigen Werbeeinsatzes von Virgin Records hielt sich All For You in den US-Albumcharts Anfang Mai 2001 nur eine einzige Woche auf Platz eins. Dann wurde es von der Girl-Truppe Destiny’s Child verdrängt. Deren Album Survivor war in jener Woche 663 280-mal verkauft worden, All For You nur 605 128-mal.

Das summierte sich immerhin auf drei Millionen allein in den USA und wäre ein guter Ausgangspunkt für das Folgealbum Damita Jo (2004) gewesen, hätte die Lady mit diesem weiteren Vornamen nicht einen Monat vor dessen Veröffentlichung einen entscheidenden Promotionfehler begangen. Während ihres TV-Auftritts beim Superbowl-Finale ließ sie sich zu der Songzeile "gonna have you naked by the end of this song" wie unbeabsichtigt von ihrem Duettpartner Justin Timberlake vor laufenden Kameras die rechte Brust entblößen. Das konservative Amerika war empört. Die Boulevardpresse jubelte das angebliche Missgeschick zum Skandal hoch und prägte das Reizwort "Nipplegate". Janet Jackson: "Ich wurde benutzt. Der Vorfall war das perfekte Vehikel, die amerikanische Öffentlichkeit von den katastrophalen Zuständen der Innen- und Außenpolitik abzulenken. Die Menschen sollten vergessen, dass Teile der Gesellschaft immer mehr verelenden und dass der Präsident die Kontrolle über den Krieg im Irak verloren hat. Deshalb hat man mich zu einem Dämon erklärt, nur wegen einer nackten Brustwarze."

Die marktbestimmenden Popsender boykottierten daraufhin das Album, das zwar in der ersten Verkaufswoche kurz auf Platz zwei der LP-Charts aufblitzte, während die Duett-Ballade I Want You mit Kanye West nur bei R & B-Hörern, die Tanznummern Just A Little While und All Night (Don’t Stop) nur auf der Dance Singles Chart reüssierten – insgesamt enttäuschend. Die seriöse Kritik kartete nach: "Mit Beats von zeitgenössischen Hit-Gurus wie Kanye West klingt Damita Jo wie Retro Soul auf einem Robo-Planeten", so Laura Sinagra von der "Village Voice". Mit dem nächsten, von den Erfolgsproducern Jimmy Jam und Terry Lewis sowie Jacksons aktuellem Liebhaber Jermaine Dupri betreuten Album, das ein Duett mit Mariah Carey enthalte und Ende September zur Veröffentlichung anstehe, werde sie schon alles wieder herausreißen, ließ Janet Jackson im Mai 2006 verlauten. Der geplante Titel 20 Years Old beziehe sich gleichermaßen auf das zwanzigjährige Jubiläum ihrer Debüt-LP Control und auf das Alter, in dem sie sich fühle.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Janet Jackson (1982)
Dream Street (1984)
Control (1986)
Control (The Remixes)
(1987)
Rhythm Nation 1814 (1989)
Janet (1993)
Janet.Remixed (1995)
The Velvet Rope (1997)
All For You (2001)
Damita Jo (2004)
20 Years Old (2006)
Discipline (2008)

Zusammenstellung (Auswahl):
Design Of A Decade 1986–1996 (1995)

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