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Jackson,Michael

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Biografie

Michael Jackson (voc, kb), am 29. August 1958 in Gary, Indiana, geboren, sorgte als Kinderstar bei den Jackson Five (später Jacksons, siehe Bio) für pikante Kontraste, indem er mit Elan und Einfühlungsvermögen Schlagertexte vortrug, die thematisch weit außerhalb seines kindlichen Erfahrungsbereiches lagen. 1972 überraschte der Pubertierende mit seiner Freundschaftsode an die Ratte Ben, die in dem gleichnamigen Horrorfilm eine tückische Hauptrolle spielte. Nach diesem Superhit nabelte sich das Jungidol stetig von seiner Brüder-Gemeinde ab und stilisierte sich zum triebhaften Entertainer: "Nur auf der Bühne fühle ich mich zu Hause. Da lebe ich, da wurde ich geboren, da allein bin ich sicher." Gleichzeitig perfektionierte sich der wunderliche Knabe im Studio als Musik-Magier. Das Album Off The Wall (1979), erstes Produkt einer Kollaboration mit Producer Quincy Jones, schoss als "furios flammendes Finale der Disco-Ära" in die Hitparaden, wie der "New Musical Express" jubelnd registrierte. Don't Stop 'Til You Get Enough und andere Attraktionen der LP flirrten unter Jones' dramatischer Anleitung, "als seien sie in akustisches Neon getaucht", sie "zuckten perfekt im Puls der Zeit", während Michaels Stimme in einem "elektrischen Kraftfeld der Sounds" zu tanzen schien.

Die Nachfolge-LP Thriller (1982) wurde zunächst von der Kritik wegen der sparsameren Produktionspyrotechnik verhalten aufgenommen. Unter multimedialem Promotioneinsatz brach das Werk jedoch binnen zwei Jahren alle Branchenrekorde: Es wurde weltweit rund 50 Millionen Mal verkauft, in der Sowjetunion auf Underground-Kassetten gehandelt, in Südafrika als Anti-Apartheid-Hit gefeiert. Denn Jackson war der erste schwarze Künstler außerhalb des Jazz, der zum globalen Idol jenseits al-ler Rassenschranken und Altersabgrenzungen aufsteigen konnte. Seit den Beatles vermochte kein anderer Performer dermaßen massenmagnetisch zu wirken, seit Elvis Presley hat kaum ein anderer Rockstar die Phantasien und Sehnsüchte einer Musikkonsumentengeneration so eindeutig bestimmt. Wenn Jacksons Falsettstimme durch seine oftmals banalen Nonsensverse winselte, sich in Murmeln, Stöhnen und Schluckauflauten verlor, mit schweren Atmern den polyrhythmischen Background-Effekten voranhaspelte und schließlich mit pubertären Kieksern wartete, bis ihn die Musik wieder einholen konnte, vereinigten sich Unschuld und ausgekochter Professionalismus, unverstellte Gefühlstiefe und ausgefuchste Kalkulation zu einem explosiven Gemisch.

Den definitiven Push zum Weltbestseller bekamen Songs wie Billie Jean durch exquisit gestylte Videos, die die Märchenwelt des "Wizard of Oz" mit der mysteriösen Aura eines "film noir" aus den vierziger Jahren anreicherten. Der 14 Minuten lange Videofilm "Thriller" (von Hollywood-Regisseur John Landis 1983 inszeniert) offenbarte Jackson als perfekten Tanzakrobaten, dem sogar Altmeister Fred Astaire applaudierte: "Er bewegt sich wundervoll, es ist das reine Vergnügen, ihm zuzuschauen." Der monumentale Erfolg des Thriller-Albums schien den "Peter Pan des Pop" ("Newsweek") jedoch nachhaltig zu verstören. Der erste Superstar des globalen Dorfes, der alle elektronischen Register ziehen konnte, wollte kein Idol zum Anfassen sein und zog die Kommunikation mit seinen Anhängern über Bildschirm und Laserdisc vor.

Fortan machte er durch groteske Geheimniskrämerei und bedenkliche private Schrullen von sich reden, aber auch durch clevere Deals: So kaufte er 1985 für 47,5 Millionen Dollar den lukrativen Songkatalog der Beatles mit 260 Titeln der Pilzköpfe und stellte sich 1986 dem Softdrink-Hersteller Pepsi zur Rekordgage von 15 Millionen Dollar für drei Werbespots zur Verfügung. Im gleichen Jahr war er als Titelheld des ersten perfekten 3-D-Films "Captain Eo" (Regie: Francis Ford Coppola) in Disneys Vergnügungsparks zu sehen, in denen sich das "Bambi der Rockmusik" ("Die Zeit") ohnehin am liebsten die Weltfluchtstunden vertrieb. Da er keine Interviews mehr gab, konnten Gerüchte über exzessive Schönheitsoperationen, Hormonbehandlungen, sexuelle Desorientierung und makabre Hobbys ungeniert kursieren. "Michael", sinnierte die englische Kritikerin Julie Burchill, "ist der reichste und neurotischste schwarze Mensch, der je auf Erden wandelte".

1987 ließ Jackson in perfekter Publicity-Planung die LP Bad lancieren, zu deren Titelsong Regisseur Martin Scorsese eine grimmige 16-Minuten-Ghettostory nach New Yorker Polizeiakten beisteuerte. Auch auf diesem weltweiten Superseller waren Selbstkasteiung, Paranoia, pubertäre Morbidität zentrale Stimmungsauslöser. "In seiner transsexuellen Sinnlichkeit weicht Jackson den individuellen Festlegungen aus, die nun mal zu einer Erwachsenenidentität gehören", analysierte die "New York Times": "Das scheint die Jugendlichen heutzutage besonders anzusprechen, die weniger denn je daran interessiert sind, die vermeintliche Idyl-le ihres Halbwüchsigendaseins zu verlassen." Nach einer langen globalen Tournee der Hallen-Umsatzrekorde brachte Jackson 1989 den Film "Moonwalker" heraus, ein "geradezu pathologisches Dokument" ("Der Spiegel") der Ich-Bezogenheit. Fortan, so drohte der Sänger an, wolle er nie mehr live auftreten und sich verstärkt dem Kino-Business widmen.

Doch blieb es bei der Drohung. Die weiten Abstände zwischen Jacksons Produktionen wurden durch LP-Auskopplungen und einen endlosen Strom kleiner und kleinster Meldungen über den Sänger überbrückt. 1989 feuerte er seinen langjährigen Manager DiLeo, eine schillernde Gestalt, und versuchte mit einer Millionensumme seine Schwester LaToya zu hindern, ihre Autobiographie "LaToya: Growing Up in the Jackson Family" zu veröffentlichen; erwartungsgemäß kam der Jackson-Clan, Michael ein-geschlossen, in dem Buch nicht gut weg. Seiner Reputation im Musikgeschäft konnte das nicht schaden. Er kassierte Auszeichnungen aller Art für LPs, Singles und Videos. 1991 führte die Erfolgskette zu einem der lukrativsten Plattenverträge der Geschichte: Für das projektierte Album Dangerous und die fünf folgenden Alben verpflichtete sich Sony zu je etwa 18 Millionen Dollar Vorkasse an Jackson.

Dangerous konnte die kommerziellen Erwartungen erfüllen. "Der melodische Electro-Groove (seines Co-Produzenten) Terry Lewis passt ihm wie angegossen", staunte "Rolling Stone" und lobte besonders die Songs Why You Wanna Trip On Me und In The Closet. Nach dem Erfolg des Albums, der Singles und der Dangerous-Welttournee gab Jackson der schwarzen Journalistin Oprah Winfrey sein erstes Fernsehinterview seit 14 Jahren: ein Public Relation-Ereignis. Er erklärte seine zunehmende Weißhäutigkeit mit einer rätselhaften Krankheit, äußerte sich zu Gerüchten (er habe niemals die Knochen des Elefantenmenschen kaufen wollen) und spazierte mit Winfrey über das gespenstisch erleuchtete Gelände seiner Neverland-Ranch. Während sich im Hintergrund leere Karussells drehten, berichtete Jackson von seinem Engagement für kranke Kinder, die er gruppenweise in seinen Vergnügungspark und seinen Kinosaal einlud.

Seine Neigung zu Minderjährigen sollte ihm 1994 zum Verhängnis werden. Jackson wurde von dem kalifornischen Zahnarzt Evan Chandler beschuldigt, seinen 13 Jahre alten Sohn Jordan sexuell missbraucht zu haben. In den Aufschrei der Presse stimmten bald auch Mitglieder des Jackson-Clans ein, verteidigten ihren Bruder (Janet) oder beschuldigten ihn (LaToya). Er selbst floh ins Ausland, sagte Konzerte der laufenden Tour ab, beteuerte seine Unschuld und versuchte mit allen Mitteln, eine gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden. Nach monatelangem Versteckspielen und Feilschen einigte sich der Star mit dem Vater des Kindes außergerichtlich.

Der Skandal hinterließ tiefe Spuren: Zunächst zog sich der Sänger aus dem öffentlichen Leben zurück und überraschte im Mai 1994 seine Fans mit der Heirat von Presley-Tochter Lisa Marie. Eine Weile ließ er sich nur noch mit seiner Frau sehen, wich aber jedem Interview-Ansinnen aus; 1995 aufkommende Trennungsgerüchte des Paares wurden Anfang 1996 bestätigt. Jackson konzentrierte sich auf seine HIStory, die 1995 erschien. Das Doppelalbum mit dem hintergründig programmatischen Titel bestand aus einer CD mit neuen Songs und einer Best-of-CD mit alten Hits in einer digital aufpolierten Fassung - wie um seine bisherigen Leistungen zu unterstreichen. Die Veröffentlichung wurde von einem beispiellosen PR-Rummel begleitet, der "teuersten, kompliziertesten und beladensten Kampagne aller Zeiten" ("Q").

Jackson ließ sich zum unangreifbaren, martialisch blickenden Monument stilisieren: Die steinerne Jackson-Skulptur auf dem Plattencover wurde als mehrere Meter große Replik in einigen Weltmetropolen aufgestellt. "Das neue Album von Michael Jackson soll alle Rekorde brechen, sonst bricht es den Popstar", spekulierte "Die Zeit". Tatsächlich stand Jackson neben dem Druck der Chandler-Affäre vor allem unter Erfolgsdruck. Vier Jahre nach Dangerous sollte HIStory ihn erneut als(...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Got To Be There (1972)
Ben (1972)
Music & Me (1973)
Forever Michael (1975)
Off The Wall (1979)
Thriller (1982)
Farewell My Summer Love (1984)
Bad (1987)
Dangerous (1991)
HIStory, Past, Present And Future, Book I (1995)
Blood On The Dancefloor - HIStory In The Mix (1997)
Invincible (2001)

Zusammenstellungen (Auswahl):
One Day In Your Life (1981)
Anthology (1986)
Greatest Hits - HIStory, Volume I (2001)
Number Ones (2003)
The Ultimate Collection (2004)
The Essential (2005)
Weitere LPs Jacksons/Jackson Five

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