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HOOKER, JOHN LEE

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Hooker,John Lee

Biografie

John Lee Hooker (voc, g), auf einer Farm nahe Clarksdale, Mississippi, wahrscheinlich am 22. August 1917 (es kursierten auch die Daten 1918, 1919, 1920) geboren, hat als Bluesmusiker den Stil zahlreicher Rockgruppen wie Rolling Stones, Animals, Yardbirds, Canned Heat, Groundhogs, Steve Miller Band etc. nachhaltig beeinflusst. Nach Wanderjahren durch die ganzen USA wurde er um 1947 in Detroit ansässig und nahm 1948 für das Label Modern Records und die Marke Sensation seine ersten Platten auf. Seine erste Single Boogie Chillen wurde sofort zur Nummer eins auf der Jukebox-Chart.

In den folgenden sechs Jahren besang er unter zehn Pseudonymen rund 70 Singles für 21 verschiedene Labels: als Delta John für Regent, als Birmingham Sam für Savoy, als Johnny Williams für Staff und Gotham, als Texas Slim für King, als The Boogie Man für Acorn, als John Lee und Johnny Lee für De Luxe, als John Lee Booker für Gone, Chess, Chance, DeLuxe und Rockin’ sowie unter seinem richtigen Namen unter anderem für Modern, Sensation, Regal, JVB, Chart, Fortune, Specialty und Vee Jay.

Die Single I’m In The Mood erreichte 1951 eine Millionenauflage. Hooker war von der Firma abgefunden worden und verdiente nichts daran. Seine Platten machten ihn zu einem Star in schwarzen Rhythm & Blues-Zirkeln, zum Geheimtipp bei Rock ’n’ Roll-Fans und Folklore-Enthusiasten sowie zum Studienobjekt für Anthropologen und Musikwissenschaftler. Jacques Demêtre nannte den Sänger, der bald zum Dauergast amerikanischer Folklore-Festivals wurde, "den vom musikalischen Gesichtspunkt primitivsten und afrikanischsten aller Bluesinterpreten". Marshall W. Stearns fand, er summe "auf eine Art, die an einen Dudelsack erinnert". John W. Peters beschrieb seinen Stil als "eine Synthese aus versengender emotionaler Glut, einer unerbittlichen rhythmischen Intensität und einer ursprünglichen Poesie von höchst originellem Charakter".

Bis zur Unerträglichkeit wiederholte Ostinati, ein eingängiger Shuffle-Rhythmus, geläufige Textzeilen voll sexueller Anspielungen, eine oft an das Timbre von schwarzen Geistlichen erinnernde Stimmfarbe und ein ungeheuer intensiver Vortrag definierten seinen Stil. Die Leidenschaft und die Kraft John Lee Hookers, urteilte der Kritiker Nat Hentoff, seien so ungefiltert, dass sie den Zuhörer erschrecken können, der ihn zum ersten Mal hört.

1971 wurden die Blues Rock-LPs Hooker ’n’ Heat mit Canned Heat sowie Endless Boogie mit der Steve Miller Band als Begleitensembles veröffentlicht. 1971 gehörten für Never Get Out Of These Blues Alive Charles Musselwhite und Van Morrison zu seinen Begleitmusikern. 1980 gab er eine Gastrolle in John Belushis und Dan Aykroyds Film "The Blues Brothers". 1986 war seine Musik in Steven Spielbergs "The Color Purple" ("Die Farbe Lila") zu hören. 1989 sang er die Titelrolle in Pete Townshends theatralischem Rockalbum The Iron Man. Die von Roy Rogers produzierte LP The Healer (1989) mit Gastauftritten von Carlos Santana, Canned Heat, Robert Cray, George Thorogood, Los Lobos hielt sich 38 Wochen in den Charts und brachte ihm für das Duett I’m In The Mood mit Bonnie Raitt seinen ersten Grammy ein. Im Oktober 1990 wurde seine Musik von zahlreichen Rock- und Bluesinterpreten im New Yorker Madison Square Garden dargeboten, im gleichen Jahr war er neben Miles Davis im Grammy-nominierten Soundtrack des Films "The Hot Spot" zu hören. Im Januar 1991 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Das Album Mr. Lucky mit Keith Richards, Van Morrison, Ry Cooder, Tom Waits, Santana und anderen wurde ebenfalls für einen Grammy nominiert. Im metallicfunkelnden Anzug, mit Hut und Sonnenbrille hockte er auf der Bühne und spielte zur Begleitung einer Coast to Coast Blues Band mit wechselnder Besetzung endlose Boogie Shuffles in der Tonart E und ließ – so der "Musikexpress" – "Töne aus dem Hals, als hätte er mit Reißnägeln gegurgelt". Nun endlich, über 70, wurde er auch anständig dafür bezahlt. "Das Geld regnet jetzt vom Himmel", erklärte er 1993 in einem "Spiegel"-Gespräch, "wie warmer Regen." Hooker ließ sich eine dreiviertel Autostunde südlich von San Francisco nieder, kaufte zwei Häuser, einen Wagenpark mit unter anderem einem BMW, einem Mercedes, einer Lincoln Continental Stretch Limousine, einem metallicschwarzen Jaguar, insgesamt 15 Vehikeln, und renommierte in Interviews: "Ich fahre sie alle, das war mein Kindertraum, aber ich hab gar keinen Führerschein."

Hooker war auf seine alten Tage plötzlich "in". Saxophonist Branford Marsalis ließ ihn auf seiner Platte I Heard You Twice The First Time (1992) mitspielen. Pepsi-Cola und Lee-Jeans unterlegten ihre TV-Commercials mit seinem hypnotisierenden Blues-Beat. Das "Guinness Buch der Rekorde" rückte ihn als den ältesten Musiker ein, der je die Top Five erreichte, und für die höchste Chartplazierung eines Bluesalbums in Großbritannien. Der Staat Tansania druckte in beschränkter Auflage eine Hooker-Sondermarke, die in den USA für vier Dollar verkauft wurde. 1994 brachte Virgin The Legendary Modern Recordings wieder auf den Markt. Chill Out (1995), coproduziert von Carlos Santana, und Don’t Look Back (1997), produziert von Van Morrison, vereinigten "alle Stärken und Eigenarten des Mississippi-Mannes" ("Stereoplay").

"I’m gonna live for the future, not for the past", sang er im Titelstück Don’t Look Back. Tatsächlich hatte die Zukunft des Namens Hooker im Blues Business bereits begonnen. Seine Tochter Zakiya, am 1. April 1948 als Vera Lee Hooker in Detroit geboren, hatte sich den Bühnennamen nach dem Suaheli-Wort für Intelligenz zugelegt und war 1991 zum ersten Mal mit ihrem Vater aufgetreten. Sie lebte mit ihrem Mann, dem Plattenproduzenten Allan Christopher, in Oakland, Kalifornien, und zog erst drei Kinder auf, ehe sie sich den Bühnentraum erfüllte. 1993 debütierte sie mit dem programmatischen Album Another Generation Of The Blues. Ihre zweite LP Flavors Of The Blues (1997) wurde durch den Titel ihres Vaters Bit By Love geadelt.

Als Hooker am 22. August 1997 seinen 80. Geburtstag feiern ließ, antwortete er auf die Reporterfrage nach der genauen Datierung: "Irgendwann im Sommer 1917 bin ich geboren, keine Ahnung, wann genau. Damals zählte das Leben eines Niggers nicht viel, niemand machte sich die Mühe, das Datum aufzuschreiben. Außerdem: Spielt das wirklich eine Rolle?" Zum 50-jährigen Jubiläum seines ersten, bescheidenen Single-Hits Boogie Chillen (1948) kompilierte Virgin 13 Duette mit Partnern und Freunden wie Bonnie Raitt, Booker T. Jones, Robert Cray, Van Morrison aus dem zurückliegenden Jahrzehnt. Drei Songs, darunter Boogie Chillen, wurden speziell zu diesem Anlass mit Eric Clapton, Ry Cooder, Ben Harper, Charlie Musselwhite eingespielt.

Drei Jahre später war das Album The Best Of Friends (1998) dann auch als Vermächtnis tauglich. John Lee Hooker starb in der Nacht des 21. Juni 2001 im Schlaf in seinem Haus in Los Altos, Kalifornien. In der Woche davor hatte er noch zweimal auf der Bühne gestanden und nach Auskunft von Ohrenzeugen wie stets elektrisierend gespielt: "Er wusste, was er wollte, und er tat es", kommentierte Keith Richards, "und er ist genau so gegangen, wie es für ihn richtig war. Ich würde ihm gern sagen: Hey, John Lee, du hast das getan, wofür wir alle da sind – wir Spielleute und Troubadoure. Du hast es an uns weitergegeben."

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs und
Zusammenstellungen (Auswahl):
Folk Blues (1959)
House Of The Blues (1959)
The Country Blues Of John Lee Hooker (1959)
Blues Man (1960)
I’m John Lee Hooker (1960)
That’s My Story (1960)
Travelin’ (1960)
John Lee Hooker Sings The Blues (1961)
Plays And Sings The Blues (1961)
The Folklore Of John Lee Hooker (1961)
Burnin’ (1962)
Drifting The Blues (1962)
The Blues (1962)
Tupelo Blues (1962)
Don’t Turn Me From Your Door (1963)
Live At Sugar Hill (1963)
Burning Hell (1964)
Great Blues Sounds (1964)
I Want To Shout The Blues (1964)
The Big Soul Of John Lee Hooker (1964)
The Great John Lee Hooker (1964)
Hooker & The Hogs (1965)
It Serves You Right To Suffer (1966)
The Real Folk Blues (1966)
Live At Cafè Au Go-Go (1967)
Hooked On Blues (1968)
Get Back Home (1969)
Simply The Truth (1969)
That’s Where It’s At! (1969)
Get Back Home (1969)
If You Miss ’Im … I Got ’Im (1970)
John Lee Hooker On The Waterfront (1970)
Moanin’ And Stompin’ Blues (1970)
Endless Boogie (1971)
Goin’ Down Highway 51 (1971)
Half A Stranger (1971)
Hooker ’n’ Heat/Infinite Boogie (1971)
I Feel Good (1971)
Never Get Out Of These Blues Alive (1971)
Detroit Special (1972)
Live At Soledad Prison (1972)
Born In Mississippi, Raised Up In Tennessee (1973)
Free Beer And Chicken (1974)
Mad Man Blues (1974)
Alone (1976)
In Person (1976)
Black Snake (1977)
Dusty Road (1977)
The Cream (1978)
Sad And Lonesome (1979)
Everybody Rockin’ (1980)
Sittin’ Here Thinkin’ (1980)
Hooker ’n’ Heat (1981)
Jealous (1987)
Trouble Blues (1988)
Highway Of Blues (1989)
John Lee Hooker’s 40th Anniversary Album (1989)
The Detroit Lion (1989)
The Healer (1989)
Don’t You Remember Me (1990)
More Real Folk Blues:
The Missing Album (1991)
Mr. Lucky (1991)
Boom Boom (1992)
This Is Hip (1992)
Urban Blues (1992)
Nothing But The Blues (1993)
King Of The Boogie (1994)
Original Folk Blues … Plus (1994)
Dimples (Classic Blues)
(1994)
Alternative Boogie:
Early Studio Recordings, 1948–1952 (1995)
Chill Out (1995)
Whiskey & Wimmen (1995)
Blues For Big Town (1995)
Moanin’ The Blues (Eclipse)
(1996)
Alone:
The First Concert (1996)
Don’t Look Back (1997)
Alone:
The Second Concert (1997)
Black Man Blues (1998)
On Campus (2000)
Concert At Newport (2001)
The Cream (2001)
The Real Blues:
Live In Houston 1979 (2001)
Live At Newport (2002)
Face To Face (2003)
Burning Hell (Our World)
(2003)
Rock With Me (2003)
Jack O’ Diamonds:
The 1949 Recordings (2004)
Hooker (4-CD-Box, 2006)
Gold 1948–2001 (2007)

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