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Genesis

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Biografie

Genesis , urteilte Jim Bickhart im "Phonograph Record Magazine", sei "eine fünfköpfige Band mit literarischen Inspirationen, subtil ausgearbeiteten musikalischen Strukturen, deren Songspektrum von Überzeugendem bis zu Prätentiös-Schwerfälligem reicht". Der Genesis-Stil, ergänzte Chris Welch im "Melody Maker", sei "exzentrisch und überaus englisch, Blues schleicht sich schwerlich einmal ein, selbst der Begriff Rock ist zumeist irrelevant".

Dennoch verbuchte die Band ab 1972 außerordentliche Erfolge in England und Nordamerika; in Italien stand ihr Album Foxtrot monatelang auf Platz eins der LP-Listen. Attraktiv wirkte ihre Horror-Theatralik mit einer "fast kontinuierlichen Abfolge von Ereignissen" ("Melody Maker"): Licht-Schocks, besessene Aktion unter Ultraviolett-Effekten, die ihre Gesichter im schwarzen Nichts schweben ließen, dauernde Wechsel von Posen und Kostümen – Fuchsmaske, Mumie, Schamane, Gnom. Gefallen fand auch ihre Nursery Cryme-Grusellyrik vom Mädchen, das dem achtjährigen Henry mit dem Krocketschläger den Kopf in eine Spieldose katapultiert ( The Musical Box), und vom Unkraut, das unablässig wächst und das ganze Land verschlingt ( The Return Of The Giant Hogweed).

Das Ensemble bestand zu dieser Zeit aus Peter Gabriel (voc, siehe Bio), Anthony Banks (kb), geboren am 27. März 1950 in East Hoathley; Steve Hackett (g), geb. am 12. Februar 1950 in London, Mike Rutherford (bg), geb. am 2. Oktober 1950 in Guildford, und Phil Collins (dr, siehe Bio). Gabriel, Banks und Rutherford hatten 1966 mit ihrem damaligen, 1970 ausgeschiedenen Gitarristen Anthony Phillips die ehrwürdige englische Charterhouse School besucht und (unabhängig voneinander) Songs komponiert. Sie taten sich zur Band zusammen, um ihre Kreationen hörbar zu machen. Als sie von der Existenz einer US-Combo namens Genesis hörten, tauften sie sich Revelation, kehrten aber nach Auflösung des Konkurrenzunternehmens zum alten Namen zurück.

Bis 1970 litt die Gruppe, der nacheinander die Schlagzeuger Chris Stewart (1966/67), John Silver (1967 bis 1969), John Mayhew (1969 bis 1970) angehörten, an einem stilistisch uneinheitlichen Repertoire. Die Musiker spielten jedoch so lange konsequent ihre eigenen Stücke, bis sie eine unverwechselbare Form gefunden hatten: lange, hochgradig strukturierte Klanggespinste ohne Improvisationsrisiken, in die dynamisch abgestufte Rezitativgesänge zwischen Wispern und Schrei eingepresst waren. Ihr Werk Supper’s Ready nahm die ganze zweite Seite ihrer LP Foxtrot (1972) ein: eine Suite über die Spaltung einer Persönlichkeit, die in der Realität und in einer Phantasiewelt lebt. Nach dem grandios arrangierten und interpretierten Album Selling England By The Pound (1973), das die personell unveränderte Band im musikalischen Reifezustand zeigte, wurde das Psycho-Thema im folgenden Doppelalbum erneut aufgegriffen. The Lamb Lies Down On Broadway (1974), nach Aussage der Musiker von Pete Townshends Tommy inspiriert, war "eine Hippie-Fabel über die Reise eines amerikanischen Subkulturhelden in sein eigenes Gehirn".

Mit diesem musikalisch nicht zusammenhängenden Songzyklus nach Motiven von Franz Kafka und James Joyce, 1974/75 auf USA- und Europatournee dargeboten, wollten Genesis mit ausgeklügelten Dia-Projektionen auf einer gigantischen dreigeteilten Leinwand den Zuhörer wie immer "aus der Konzerthalle in eine total integrierte Phantasiewelt entführen" (Gabriel). Die Tournee endete mit einem Defizit von 200000 englischen Pfund. In St. Etienne, Frankreich, ging Gabriel im Mai 1975 zum letzten Mal als Leadsänger auf die Bühne. Danach stieg er aus, um sich als Solist zu entfalten. Das stürzte die Band in eine Krise. 400 Sänger wurden ausprobiert, ehe die Musiker entschieden, Phil Collins müsse Gabriels Platz einnehmen, ihre Stimmen seien ähnlich. Zu seiner Entlastung am Instrument wurde Bill Bruford (dr) verpflichtet. Collins veränderte das Konzept der Gruppe, indem er Gabriels Theatralik zurückdrängte und die Kompositionstechnik straffte: "Einige unserer Songs bestanden aus Stückchen und Teilchen und waren nicht so gut konstruiert, wie es hätte sein können. Ich will unser altes Material nicht abwerten, aber die neuen Sachen sind kräftiger, konzentrierter, weniger Stückwerk. Diese Veränderungen haben nichts mit Peters Ausscheiden zu tun. Sie sind einfach ein Teil der Entwicklung unserer Musik" (Collins 1976 gegenüber der "Los Angeles Times").

Resultat der Neuorientierung waren die LPs A Trick Of The Tail (1976), Wind And Wuthering, Seconds Out (beide 1977). Auf der dritten war Bruford durch Chester Thompson (dr) ersetzt worden. Kurze Zeit später verabschiedete sich Hackett für Soloproduktionen mit "einer Mischung aus modernem Minnesang und Weltalltrip" ("Süddeutsche Zeitung"). Die Resttruppe reagierte mit dem Album And Then There Were Three (1978). Je kleiner die Band, desto größer ihr Plattenerfolg: Die Three-LP von Collins, Rutherford und Banks bescherte ihnen den ersten Goldpreis und erreichte in England die dritte, in den USA die 14. Charts-Position. Als Banks und Rutherford 1979 Solo-LPs produzierten und sich Collins nach Ehekonflikten in Kanada niederließ, befürchteten Genesis-Fans endgültig die Auflösung der Gruppe. Die Musiker widerlegten während ihrer USA-Tournee 1980 demonstrativ solche Gerüchte, indem sie an der Kasse des Clubs Roxy in Los Angeles zu dritt höchstpersönlich die Karten zu ihrem Gig verkauften. Ihr Album Duke trug ihnen eine zweite Goldtrophäe ein.

Nachdem auch Collins 1981 mit dem erfolgreichen Debütalbum Face Value (Auflage: zwei Millionen) eine Solokarriere begonnen hatte, dosierten die Musiker sorgfältig ihre Genesis-Aktivitäten, Plattenproduktionen wie Tourneen, ohne den Gruppen-Zusammenhalt in Frage zu stellen. Beim Album Abacab (1981) ließen sie sich vom Bläsersatz von Earth, Wind & Fire begleiten und gewannen damit erstmals einen Platinpreis. Die Millionenauflage von Genesis (1983) hielt diesen Standard. Anstelle der ausgeflippten Pop-Märchen der Peter Gabriel-Zeit war unter dem Regime des illusionslosen Hitmachers Collins solides Klangwerk getreten, das keine Umsatzchance ungenutzt ließ. Mit Invisible Touch (1986) steigerte die Interessengemeinschaft notorischer Individualisten abermals ihre Kommerz-Attraktivität. Das Album hielt sich bis weit ins Jahr 1987 hinein unter "Billboards" Top Ten und spie eine Reihe von Top-Singles aus. Das Video zur Single Land Of Confusion, von den satirischen Puppenspielern der britischen TV-Serie "Spitting Image" gestaltet, erhielt als bestes Konzept-Musikvideo 1987 einen Grammy. Die Tournee, die im September des Vorjahres in Detroit begonnen hatte, schloss im Juni 1987 nach 111 Konzerten in 59 Städten in 16 Ländern. Rund drei Millionen Menschen sahen die Show, allein in den USA blieben mehr als 15 Millionen Dol-lar übrig.

Die Gigantomanie schritt voran. Nach Soloprojekten – Rutherford mit der Band Mike & The Mechanics – funktionierte das Marketing der nächsten Genesis-Scheibe We Can’t Dance (1991) nach der Melodie ihres Titelstücks: "Ich kann nicht tanzen, ich kann nicht singen, ich steh bloß hier und verkaufe alles." Die Tournee zur Platte, von der in den ersten zwei Wochen 750000 Exemplare abgesetzt werden konnten, wurde von der Firma Volkswagen mit 20 Millionen DM gesponsert. Allein 30000 Mitarbeiter von VW kauften sich eine Karte, verriet die "Bild"-Zeitung und versteigerte ein zur Tournee geschaffenes Sondermodell "Genesis", Eintrittskarten und Fan-Sets (CD, Feuerzeug für die Illumination bei Titeln wie Hold On My Heart, Tasche, Autogrammkarte und Souvenirprogramm). 106 000 Menschen hörten die Band auf dem Berliner Maifeld. Im Niedersachsenstadion bezahlten 174 984 Besucher in drei Konzerten umgerechnet exakt 6 515 992 Dollar, mehr als 5 Millionen Euro – Weltrekord. Für Tickets zu den 26 Konzerten in Nordamerika hatten davor 1 115 238 Menschen 30 368 945 Dollar ausgegeben. "Die Geschäfte mit Unterhaltungsmusik werden immer gigantischer", notierte der Berliner "Tagesspiegel": "Anscheinend besteht ein soziales Defizit an gemeinsamen Erlebnissen in der Masse, an kurzzeitiger Intimität in der Öffentlichkeit, das von Konzerten wie dem Genesis-Spektakel befriedigt und kommerziell abgeschöpft wird."

Mit der Tournee und der LP We Can’t Dance, die sich in Deutschland 24 Wochen an der Spitze der Bestsellerliste hielt, war zumindest für Phil Collins eine Schallgrenze erreicht. Im März 1996 erklärte er, sich künftig nur noch Jazz-Projekten, Filmmusik und seiner Solokarriere widmen zu wollen, und verabschiedete sich von den Kollegen. Banks und Rutherford engagierten Ray Wilson (dr, Ex-Stiltskin) und fingen sofort am Album ohne Collins zu bosseln an. Dem deutschen "Rolling Stone" war die LP im September 1997 einen lakonischen Nachruf wert: " Calling All Stations heißt das Opus – doch ob noch jemand antwortet? Genesis in den 60er Jahren? Eine Schülerband. Genesis in den 70er Jahren? Rockmusik in progressiver Vollendung, erst(...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
From Genesis To Revelation (1969)
Trespass (1970)
Nursery Cryme (1972)
Foxtrot (1972)
Genesis Live (1973)
Selling England By The Pound (1973)
The Lamb Lies Down On Broadway (1974)
A Trick Of The Tail (1976)
Wind And Wuthering (1977)
Seconds Out (1977)
And Then There Were Three (1978)
Duke (1980)
Abacab (1981)
Three Sides Live (1982)
Genesis (1983)
Invisible Touch (1986)
We Can’t Dance (1991)
The Shorts – The Way We Walk (1992)
The Longs – The Way We Walk (1992)
Calling All Stations (1997)
Live Over Europe (2007)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Roots (1975)
Archives Vol. 1 (1967–1975)
(1998 4-CD-Box)
Turn It Again – The Hits (1999)
Archives Vol. 2 (1976–1992)
(2000 3-CD-Box)
Genesis 1976–1982 (CD/DVD-Box, 2007)
Turn It On Again – The Hits (Tour Edition 2007)
LPs Mike Rutherford:
Smallcreep’s Day (1980)
Acting Very Strange (1982)
LPs Mike Rutherford mit Mike & The Mechanics:
Mike & The Mechanics (1985)
The Living Years (1988)
Word Of Mouth (1991)
Beggar On A Beach Of Gold (1995)
Mike And The Mechanics (1999)
Rewired (2004)

Zusammenstellung:
Hits (1996)
LPs Tony Banks:
A Curious Feeling (1979)
The Fugitive (1983)
Soundtracks (1986)
Statement (1989)
Bankstatement (1989)
Still (1991)
Strictly Inc. (1995)
Seven (2004)
LPs Anthony Phillips:
The Geese And The Ghost (1977)
Wise After The Event (1978)
Sides (1979)
Private Parts And Pieces (1979)
Private Parts And Pieces II:
Back To The Pavilion (1980)
1984 (1981)
Private Parts And Pieces III:
Antiques (1982)
Invisible Men (1983)
Private Parts And Pieces IV:
A Catch At The Tables (1984)
Private Parts And Pieces V:
Twelve (1985)
Private Parts And Pieces VI:
Ivory Moon (1986)
Private Parts And Pieces VII:
Slow Waves, Soft Stars (1987)
Tarka (1988)
Missing Links One:
Finger Painting (1989)
Slow Dance (1990)
Private Parts And Pieces VIII:
New England (1992)
Sail The World (1994)
Missing Links Two:
The Sky Road (1994)
Gypsy Suite (1994)
The Living Room Concert (1995)
Meadows Of Englewood (1995)
Private Parts And Pieces IX:
Dragonfly Dreams (1996)
Missing Links Three:
Time And Tide (1997)
Live Radio Sessions (1998)
Private Parts And Pieces X:
Soirée (2000)
Radio Clyde (2003)
Field Day (2005)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Harvest Of The Heart (1985)
Anthology (1995)
Legend (1997)
Archives Collection Volume One (1998)
Soft Vivace (2002)
All Our Lives (2002)
Soundscapes (2003)
Archive Collection Volume Two (2004)
LPs Steve Hackett:
Voyage Of The Acolyte (1975)
Please Don’t Touch (1978)
Spectral Mornings (1979)
Defector (1980)
Cured (1981)
Highly Strung (1982)
Bay Of Kings (1983)
Till We Have Faces (1985)
Momentum (1988)
Time Lapse (1990)
Guitar Noir (1991)
Blues With A Feeling (1994)
There Are Many Sides To The Night (1995)
A Midsummer Night’s Dream (1996)
Watcher Of The Skies:
Genesis Revisited (1997)
The Tokyo Tapes (1999)
Darktown (2000)
Sketches Of Satie (2001)
Feedback ’86 (2002)
Live Archive 03 (2004)
Live Archive 04 (2004)
Metamorpheus (2005)
Live Archive 05 (2005)
Live Archive 83 (2005)
LP Steve Hackett mit GTR:
GTR (1986 mit Steve Howe)
Weitere LPs Phil Collins, Peter Gabriel

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