Fleming,Joy
Biografie
Joy Fleming (voc), bürgerlich: Erna Strube, am 15. November 1944 in Rockenhausen in der westdeutschen Pfalz geboren, in Mannheim aufgewachsen, war bis 1974 nicht nur die einzige deutsche Soul-Interpretin von Rang, sondern auch die einzige deutsche Sängerin/Songautorin, der in ihrer Muttersprache Bluestöne gelangen.
Ihren Neckarbrücken Blues sang sie Ende 1972 auf einer Singleplatte in Mannheimer Dialekt: "Here mol her, was isch dr jetzt sache will, des is a kleene Gschicht von gestern morge. Da ist der Briefträger zu mir komme un hat gsacht: "Kleene, kumm mal her, isch hab der was zu sacha. Dein Kal, der is schon widder iewer die Brück, iewer die Brück is er wieder niewer, zu der annere." – "Oh", hab isch zu dem Briefträger gsacht, "heer mol, des is mein Kal sei Sach. Mr zwingt keen Mensche zu seim Glück, und wenn er meent, er muss iewer die Brück, soll er doch, soll er doch, soll er doch. Isch weeß, der kommt aach wieder zrück, der kommt scho wieder, wann er Hunger hat, yeah.""
Bevor sie mit dieser Soul-Moritat in die deutschen Funk-Hitparaden kam, hatte Joy Fleming jahrelang mit dem Ensemble Joy & The Hit Kids (später: Joy Unlimited) vornehmlich in GI-Kneipen getingelt. Platten mit dieser Gruppe gaben ihre Fähigkeiten nicht annähernd wieder. Seit 1973 bemühte sich der Münchner Produzent und Musikverleger Peter Kirsten, die Sängerin zweisprachig im Rock- und Schlagerbereich aufzubauen.
Im Januar 1975 vertrat Joy Fleming die Bundesrepublik Deutschland beim MIDEM-Musikmarkt in Cannes, kurze Zeit später beim Eurovision-Songwettbewerb in Stockholm. Mit dem schwachen, nicht zu ihr passenden Schlager Ein Lied kann eine Brücke sein landete sie nach dem triumphalen Cannes-Auftritt in Stockholm nur auf dem drittletzten Platz 17. Mit englischsprachigen Rocksongs und den Moritaten ihrer LP Menschenskind holte sie sich anschließend auf einer Deutschlandtournee das Wohlwollen ihrer Fans zurück, nicht aber das Vertrauen ihres Produzenten. Peter Kirsten gab Joy Fleming auf, um sich ganz der Karriere seines neuen Stars Gitte Haenning widmen zu können.
Nach dem Grand-Prix-Desaster auf deutsche Art war 1978 auch noch der Versuch gescheitert, das Mannheimer Kellerkind mit Hilfe der USA-erfahrenen Produzenten Sylvester Levay, Keith Forsey und Pete Bellotte als Disco-Queen zu etablieren. Joy Flemings Disco-LP wurde auf dem Atlantic-Label, nur unwesentlich unterschiedlich, mit zwei verschiedenen Covers veröffentlicht: billig und primitiv unter dem Titel I Only Wanna Get Up And Dance, teuer und anspruchsvoll als The Final Thing. Der zweite Titel "Die letzte Sache" war ein zutreffendes Signal. Kirsten hatte danach zur Vertragserfüllung gegenüber seiner Künstlerin nur noch eine LP zu produzieren und bewilligte dafür bloß geringe Mittel. Doch das Album Vocals And Keyboards Only (1981) mit Kristian Schultze an den Tasteninstrumenten geriet zu Joy Flemings Meisterwerk und zu einer der ausgereiftesten Gesangs-LPs mit Standards in englischer Sprache, die je in Deutschland produziert worden waren.
Danach klangen die Songs, die Joy Fleming für das Schlager-Label Jupiter Records aufnahm, zunehmend resignativ: Helden werden auch mal älter (1984) oder – auf der LP Joygeboren (1984) – Das war noch Jazz. Diese Spur hatte sie im Nachhall ihres Neckarbrücken Blues schon 1980 mit einer mundartlichen Single eingeleitet : Ja, wann’s bloß Rock ’n’ Roll is, was ihr wollt. Da sang sie: "Ihr könnt alles von mir haben, bis auf eins: bloß nicht mich. Wenn ihr mich lasst, wie ich will, ist alles okay."
1990/91 gründete Joy Fleming zusammen mit ihrem Mann Bernd Liebenow in ihrem Haus in Hilsbach ein Tonstudio, die Plattenmarke Rö-Mo-Records und den Musikverlag Röttl ’n’ Mouse. Der Output der Operationen in den Neunzigern war unter dem Rock-Aspekt nicht erwähnenswert. Bei den Oldies-Revuen, Schlager-Reminiszenzen und "Top 100"-Auszählungen des deutschen Kommerzfernsehens war Joy nach dem Jahr 2000 gern gesehen und immer wieder gern dabei.
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LP Joy & The Hit Kids:
Overground (1969)
LP Joy Unlimited:
Schmetterlinge (1971)
LPs und
Zusammenstellungen Joy Fleming:
Joy Fleming (1973)
Live (1974)
This Is My Life (1974)
Menschenskind (1975)
Golden Star Portrait (1975)
Have A Good Time (1976)
I Only Wanna Get Up And Dance (1978)
The Final Thing (1978)
Vocals And Keyboards Only (1981 mit Kristian Schultze)
Joygeboren (1984)
Helden werden auch mal älter (1984)
N (1987)
Viele Gesichter (1992)
Joy Fleming und ihre großen Erfolge (1992)
Sentimental Journey ’93 (1993)
L’Attraction (1996 Aufnahmen von 1989)
Since You Are Gone (2006 mit Robert Zephiro Milla)

JPC.de
ALPHAMUSIC.de
ABELLA.de
AMAZON.de
BUECHER.de
BRAVADO.de





