FLEETWOOD MAC
Biografie
Fleetwood Mac rangierten 1969 nach einer Hitparadenauswertung des "Melody Maker" in der englischen Erfolgsstatistik auf Platz eins: mit 748 Punkten vor den Beatles (671) und vor Stevie Wonder (661). Die Band hatte sich im August 1967 von John Mayalls Bluesbreakers abgespalten, denen Peter Green (g, voc, harm; siehe Bio), John McVie (bg), geb. am 26. November 1946 in London, Mick Fleetwood (dr, voc), geb. am 24. Juni 1947 in Redruth, Cornwall, zuvor angehört hatten. Vierter Mann des Gründungsquartetts wurde Jeremy Spencer (voc, g; siehe Bio). 1968 kam Danny Kirwan (g, voc), geb. am 13. März 1950 in London, hinzu.
Ihr Blues hielt sich zunächst so nahe an schwarzen Vorbildern, dass die Zeitschrift "Eye" von einer "fast lächerlich zu nennenden Mimikry" sprach. Die Klavierfiguren in Hellhound On My Trail stammten unverarbeitet aus der Memphis Slim-Version von If You See Kay; Spencers Gitarrenstil war eine Kopie von Elmore James, Green kopierte B. B. King. Mit Stücken wie Albatross und Greens Black Magic Woman, das später ein Welt-Hit für San-tana wurde, spielten sich die Musiker jedoch rasch frei. Schon im Januar 1968 waren sie im Plattenstudio musikalisch erfolgreich mit dem Bluesinterpreten Eddie Boyd zusammengetroffen. Bei einer Blues Jam At Chess (Titel des Doppelalbums) begegneten sie genau ein Jahr später in Chicago schwarzen Vorbildern wie Willie Dixon (voc, b), Walter "Shakey" Horton (voc, harm), Otis Spann (p, voc) und anderen als gleichwertige Partner. Ebenfalls im Januar 1969 nahmen sie in New York zusammen mit Spann das Album The Biggest Thing Since Colossus auf.
Als Peter Green 1969 ausschied, profilierte sich Spencer durch die LP Kiln House als dominierender Musiker. Er sprengte die Bluesfesseln und trieb seine Mitspieler in einen an früheren Teenager-Idolen wie Buddy Holly und den Everly Brothers orientierten Rock 'n' Roll, bis auch er während einer Amerikatournee Anfang 1971 Fleetwood Mac verließ. Danach wurde der Band-Sound von Bob Welch (g, voc), geb. am 31. Juli 1946 in Los Angeles, Danny Kirwan (g, voc) und McVies Frau Christine (voc, p), die unter ihrem Mädchennamen Christine Perfect einst zu Chicken Shack gehört hatte, geprägt. Sie kam am 12. Juli 1943 im englischen Birmingham zur Welt. 1972 firmierten auch Bob Weston (g, bj, harm, voc), Dave Walter (voc, harm), Steve Nye (org) unter dem Namen Fleetwood Mac. Als unbestrittener Chef hatte sich mittlerweile der Drummer etabliert, der den Bandnamen auch in seinen Personalpapieren führte: Mick Fleetwood. Sein Anrecht auf den Gruppennamen wurde im Frühjahr 1974 einer Bewährungsprobe ausgesetzt. Manager Clifford Davis beanspruchte den Titel und schickte eine frisch zusammengestellte Pickup-Band als Fleetwood Mac auf USA-Tournee. In der gerichtlichen Auseinandersetzung bekam Fleetwood Recht.
Die Gruppe hatte beschlossen, in Amerika zu bleiben, und siedelte sich in Kalifornien an. Ihr erstes total in den USA produziertes Album Heroes Are Hard To Find mit Fleetwood (dr, perc), Weston (g), Welch (g, voc), John McVie (bg), Christine McVie (kb, voc) zeigte sie in guter Form. Als Welch 1975 ausstieg, um das Trio Paris zu gründen, schlug der Produzent Keith Olsen das Duo Lindsey Buckingham (voc, g; geb. am 3. Oktober 1947) und Stevie Nicks (voc; geb. am 26. Mai 1948) als neue Bandmitglieder vor. Die erotische Spannung der zwei Bühnenpaare McVie und Buckingham/Nicks zahlte sich schon mit der ersten gemeinsamen LP Fleetwood Mac (1975) aus: Sie spielte vier Millionen Dollar ein und wurde sofort mit Platin prämiert. Buckingham, dessen einprägsame Songs wie Go Your Own Way, Monday Morning, Never Going Back Again, Arrangierfinessen und Improvisationsqualitäten ihn schnell zum eigentlichen Leader erhoben, inszenierte die Songs mit den Band-Charakteren wie kleine Theaterstücke. Jeder Musiker spielte eine Rolle, die exzentrische Stevie Nicks die der Isadora Duncan. Dennoch klangen die Stimmen auf den Platten beinahe aseptisch asexuell. Der zunehmende Erfolg und die fortwährende physische Nähe trieben die beiden Paare in der Band 1976 auseinander.
Christine McVie ließ sich scheiden und ging eine langdauernde Liaison mit Dennis Wilson von den Beach Boys ein. Zu allem Überfluss renommierte Currie Grant, Lichtmeister der Band, im Blatt "Rolling Stone" detailliert mit seinen intimen Beziehungen zu beiden Sängerinnen. All diese Wirren fanden ihren Niederschlag im Album Rumours (1977), "einer Art Extrakt aus den Tagebüchern unseres damaligen Lebens" (John McVie). Vier Hit-Singles, darunter der Nummer-eins-Hit Dreams, transportierten die LP mit weltweit rund 25 Millionen verkauften Exemplaren in die Spitzengruppe der auflagestärksten Tonträger aller Zeiten.
Entsprechend ehrgeizig ging Buckingham das Nachfolgeprodukt Tusk an. Fast zwei Jahre lang experimentierte er im Studio mit ungewöhnlichen Songformen und mit dem Sound. Am Ende kostete die Produktion eine Million Dollar und spielte nur vier Millionen wieder ein. Weltweite Tourneeerfolge glichen die Enttäuschung einigermaßen aus; dokumentiert wurden sie durch das Doppelalbum Live (1980). Verstärkte Solotätigkeit von Buckingham, Fleetwood, Stevie Nicks und Christine McVie mit einem soliden und kontinuierlichen Plattenausstoß ließ in den achtziger Jahren das Gerücht nicht verstummen, Fleetwood Mac löse sich auf. Das hatte sich bis 2007 nicht bewahrheitet. Ihr Album Mirage (1982) brachte drei Singles hervor, schoss binnen kurzem auf Platz eins und hielt sich 45 Wochen lang in den Charts: ein perfektes Hochglanzprodukt ohne akustische Widerhaken für die Erinnerung.
Der Vorwurf des britischen "Melody Maker", Fleetwood Mac hätten wohl "über ihren Soloplatten vergessen, wie man als Band arbeitet", ließ sich angesichts von Tango In The Night (1987) nicht aufrechterhalten. Die mit strenger Arbeitsdisziplin täglich zwischen 14 und 22 Uhr produzierte LP wurde von starkem Gruppengefühl getragen. "Es ging", so Christine McVie, "überraschend reibungslos - wie Fahrradfahren: Wenn man erst mal im Sattel sitzt, rollt's ganz von selbst." Mick Fleetwood: "Es gab bei vielen die Furcht, dass die Maschinen bei uns die Herrschaft übernehmen. Und die Leute hatten die überperfekte Musik einfach satt. Kein Atem mehr, kein Gefühl. Ob es Malerei, Literatur, Musik ist - wenn es einen Menschen nicht emotional bewegt, stirbt es nach kurzer Zeit." Insofern war Tango In The Night eine Art Rückkehr zu den frühen Tugenden von Fleetwood Mac auf einer neuen Bewusstseinsstufe. 1988 leistete sich die Gruppe ein Album mit Greatest Hits, trug aber zwei beziehungsreich betitelte neue Lieder bei: No Questions Asked und As Long As You Follow.
Buckingham hatte das Ensemble 1987 kurz vor einer ausgedehnten Nordamerikatournee verlassen. Billy Burnette, als Sohn des Rock-Stars John Burnette geb. am 8. Mai 1953 in Memphis, und Rick Vito (g, voc), geb. am 13. Oktober 1949 in Darby, Pennsylvania, traten an seine Stelle. 1988 bereiste die Band Europa und Australien. Das neue Jahrzehnt begann mit der Nachricht, Stevie Nicks' erstes Soloalbum Bella Donna von 1981 sei nun vier Millionen Mal verkauft. Für die Neunziger galt: Wer einmal zur Kernmannschaft von Fleetwood Mac gehörte (Peter Green ausgenommen), hat ausgesorgt. Die Musiker veröffentlichten erfolgreiche Soloalben und trafen sich bei gutbezahlten Galas. 1993 nahmen Fleetwood, Buckingham, Christine und John McVie sowie Stevie Nicks den Titel Don't Stop als Wahlkampfschlager für den Präsidentschaftskandidaten Bill Clinton auf.
Mick Fleetwood eröffnete 1991 einen Bluesclub in Los Angeles und leistete sich unter dem Namen Zoo (ursprünglich The Cholos) 1992 eine neue Band mit Bekka Bramlett, Tochter von Bonnie Bramlett (Delaney & Bonnie; siehe Bio), als Leadsängerin. Nur eine Platte kam bei Capricorn heraus: Shakin' The Cage. 1994 kam in Alexandria nahe Washington ein weiterer Bluesclub hinzu. Gern erinnerten sich die Musiker ihres Bestsellers Rumours, der 1998 noch einmal auf Platz 18 in die britischen Top 20 einrückte, und nahmen für ihr im Third Encore Studio in Los Angeles live eingespieltes Album The Dance (1997) einige Titel von damals noch einmal auf - mit zweifelhaftem Ergebnis. "Keine Innovationen", registrierte "Rolling Stone" resigniert, "aber doch der Versuch einer Modernisierung." - "Dass die Sologitarre beim letzten Refrain von Don't Stop nicht einsetzt", bemängelte "Zitty", "kann einem den ganzen Tag verderben."
Die Fans sahen es wieder einmal anders. Sie kauften die 17-Track-CD The Dance unmittelbar nach der MTV-Ausstrahlung am 6. September auf Platz eins der US-Charts und erwarben für 36 Millionen Dollar rund 750000 Tickets für 44 Konzerte einer Tournee, die am 30. November in Landover, Maryland, endete. Die Band mit den Gitarristen Neale Heywood, Brett Tuggle, dem Percussionisten Lenny Castro und zwei Background-Sängerinnen wurde für drei Grammys nominiert, aber nicht ausgezeichnet.(...)
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Peter Green's Fleetwood Mac (1968)
Mr. Wonderful (1968)
English Rose (1969)
The Pious Bird Of Good Omen (1969)
Then Play On (1969)
Fleetwood Mac In Chicago/Blues Jam In Chicago Volumes 1 & 2 (1969)
Kiln House (1970)
Future Games (1971)
Bare Trees (1972)
Penguin (1973)
Mystery To Me (1973)
Heroes Are Hard To Find (1974)
Fleetwood Mac (1975)
Rumours (1977)
Tusk (1979)
Live (1980)
Mirage (1982)
Tango In The Night (1987)
Oh Well:
Greatest Hits Live (1989)
Behind The Mask (1990)
Live At The Marquee, 1967 (1992)
Time (1995)
Live At The BBC (1995 Aufnahmen von 1969)
The Dance (1997)
Masters:
London Live '68 (1998)
Shrine '69 (1999)
Live At The Boston Tea Party, Volumes 1-3 (1998-2000 Aufnahmen von 1970)
Say You Will (2003)
Live In Boston (2004)
Zusammenstellungen (Auswahl):
Greatest Hits (1971)
Greatest Hits (1988)
25 Years - The Chain Box Set (1992)
The Complete Blue Horizon Sessions 1967-1969 (1999 6-CD-Box)
The Vaudeville Years:
1968-1970 (1999)
Jumping The Shadow:
The Blues Years (2000)
The Very Best Of (2002)
Men Of The World:
The Early Years (2005 3-CD-Set)
LP John McVie:
John McVie's Gotta Band With Lola Thomas (1992)
LPs Christine Perfect/McVie:
Christine Perfect (1970)
Christine McVie (1984)
Madison Blues (2003 Outtakes von 1970)
In The Meantime (2004)
LPs Bob Welch:
French Kiss (1977)
Three Hearts (1979)
The Other One (1979)
Man Overboard (1980)
Bob Welch (1981)
Eye Contact (1983)
LPs Mick Fleetwood:
The Visitor (1981)
I'm Not Me (1983)
Bridge To Havana (1999)
Something Big (2004)
LP Mick Fleetwood mit Zoo:
Shakin' The Cage (1992)
LP mit Mick Fleetwood Blues Band:
Blue Again! (2008)
LPs Stevie Nicks:
Bella Donna (1981)
The Wild Heart (1983)
Rock A Little (1985)
Street Angel (1994)
Trouble In Shangri-La (2001)
Crystal Visions
The Very Best (2007)
Zusammenstellungen (Auswahl):
The Other Side Of The Mirror (1989)
Time Space - The Best Of Stevie Nicks (1991)
The Enchanted Works Of Stevie Nicks (1998)
LP Buckingham/Nicks:
Buckingham/Nicks (1973)
LPs Lindsey Buckingham:
Law And Order (1981)
Go Insane (1984)
Out Of The Cradle (1992)
Under The Skin (2007)
LP Billy Burnette:
Billy Burnette (1980)
Weitere LPs Jeremy Spencer


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