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FINE YOUNG CANNIBALS

Fine Young Cannibals

Biografie

Fine Young Cannibals verstanden es, "überlegene Popmusik zu machen, ohne dass der Eindruck entsteht, sie gäben sich irgendwelche Mühe" ("Time Out"). Roland Gift (voc), geb. am 28. Mai 1962, Andy Cox (g), geb. am 25. Januar 1960, David Steele (bg, kb), geb. am 8. September 1960 (alle in Birmingham), boten "in geradezu arroganter Selbstverständlichkeit eine schicke Vermengung des Soulerbes der sechziger Jahre mit den schwindelerregenden Soundeffekten des High-Tech-Zeitalters" ("New Musical Express"). Gift wehrte jedoch alle Technikergebenheit des Trios ab: "Unsere Stücke könnten zur Not auch auf der akustischen Gitarre gespielt werden." Roland Gift wuchs im nordenglischen Hull auf, beteiligte sich dort engagiert an Schülertheater-Aktivitäten, entschied sich aber nach seiner Übersiedlung in die Hauptstadt London gegen den Besuch einer Schauspielschule und für die Musik. In Cox, Steele fand er Partner, die New Wave-Sensibilität, Rhythm & Blues-Vorliebe mit Dance Music-Neigungen kombinieren konnten. Sie nannten sich nach dem Natalie Wood/Robert Wagner-Jazzmelodram "All The Fine Young Cannibals" von 1960.

Erste Singles wie Blue, Suspicious Minds, ein zaghaftes Remake des Elvis Presley-Klassikers, Ever Fallen In Love, eine von vielen Kritikern überhaupt nicht goutierte Neuversion des Buzzcocks-Standards für den Film "Something Wild", machten die Band in England zu einer zeitweiligen Attraktion. Danach gingen die Musiker, wie abgesprochen, zunächst eigene Wege: Cox und Steele nahmen als Duo Two Men a Drum Machine and a Trumpet eine Platte mit House Music auf und arbeiteten an Kino-Soundtracks; Gift probierte sein Talent als Filmschauspieler in Stephen Frears' "Sammy and Rosie Get Laid" (1987) und der Profumo-"Scandal"-Chronik (1989). Der Einstandserfolg verschaffte ihm eine Rolle in dem französischen Film "Zigzag" und in einer britischen TV-Serie über die ersten westindischen Einwanderer in Großbritannien sowie ein Theaterengagement in seiner Heimatstadt Hull. 1989 fanden sich die drei Cannibals mit dem Album The Raw And The Cooked, benannt nach einer Schrift des Anthropologen Claude Lévi-Strauss, wieder auf der Musikszene ein und enterten die Spitzenpositionen der internationalen Charts.

Erfolgsmotor war die Single She Drives Me Crazy, deren "Schönheit in ihrer kreuzverdammten Entschlossenheit lag, nichts anderes als ein Popsong sein zu wollen" ("NME"). "Gute Popmusik 1989", das wusste die "Village Voice", "ist nicht durch Melodik und ohrwurmige Riffs gekennzeichnet", sondern durch "kraftvolle Rhythmen und vokale Identität". Daran mangelte es Vorsänger Gift überhaupt nicht: "Er liebkost die Songs mit seiner samtglänzenden Stimme, die Fans von Al Green und Smokey Robinson ungemein ansprechend finden werden" ("Stereo Review"). "Sein Geheimnis", erkannte "Time", "ist etwas ganz Simples, Elementares. Selbst, wenn er sich ganz zurücknimmt, klingt er einfach sexy." Eine konträre Kritikermeinung beim "New Musical Express" sprach FYC jeden erotischen Appeal ab. "Designer-Funktionalismus", höhnte Sean O'Hagan, "gebrauchsfreundliche Konsumenten-Muzak, für minimalistische Lofts mit japanischer Chromtechnologie und für Soirées in den schicken Vororten, wo Klänge vom CD-Spieler für das trendgerechte Ambiente sorgen sollen".

Gerade mit diesen Leuten wollten die Kannibalen nichts zu tun haben. Als sie für The Raw And The Cooked 1990 mit dem Brit Award ausgezeichnet wurden, gaben sie den Preis mit dem Hinweis zurück, "nicht in Zusammenhang mit einer Fotogelegenheit für Margaret Thatcher und ihre Konservative Partei gebracht werden" zu wollen.

Gift widmete sich Anfang der neunziger Jahre wieder verstärkt der Schauspielerei, während Cox und Steele ein Minialbum mit Remixes von The Raw And The Cooked veröffentlichten. 1991 wurden die beiden mit dem PSR Award der Urheberrechtsgesellschaft ASCAP geehrt, die gleichzeitig mitteilte, ihr Song She Drives Me Crazy gehöre zu den meistgespielten des Jahres. 1993 waren sie Co-Autoren und Co-Produzenten einer (bei RCA/BMG) nur in England veröffentlichten Comeback-LP des Soulsängers Al Green, der jahrelang als Prediger allem weltlichen Liedgut entsagt hatte: Don't Look Back.

Ein neues FYC-Album, an dem das komplette Trio seit 1993 immer mal wieder arbeitete, wurde nie fertiggestellt. Als der Markt 1996 jedoch dringend nach diesem Album verlangte, entschied sich das Label London für eine Hit-Kompilation, in die drei vollendete neue Songs eingebracht wurden: The Flame, Take What I Can Get und Since You've Been Gone. Das Evergreen She Drives Me Crazy kam zum Album The Finest abermals als Single in den Handel und enterte - auf Platz 36 - im Januar 1997 noch einmal die britischen Charts.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Fine Young Cannibals (1985)
The Raw And The Cooked (1989)
The Raw & The Remix (1990)

Zusammenstellungen (Auswahl):
The Finest (1996)
Greatest Hits (2004)

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