The Electric Light Orchestra (ELO) wurde 1969 von drei Musikern der Move in Birmingham als Experimentalformation gegründet. Roy Wood (cello, g, cl, bg, voc), als Ulysses Wood am 8. November 1946 geboren, Jeff Lynne (voc, p, g), geboren am 30. Dezember 1947, Beverley "Bev" Bevan (dr), geboren am 24. November 1946 (alle in Birmingham), probten mit Wilf Gibson (vi), Bill Hunt (p, horn) und den Cellisten Hugh McDowall, Michael Edwards, Andrew Craig eine Fusion von klassischer Musik und Rock'n'Roll. Die ambitionierte Produktion ihres ersten Albums balancierte die disparaten Stile ungeschickt gegeneinander aus und versuchte, Brüche, Konzeptionsmängel und ungenaue Arrangements mit tontechnischen Gags zu überspielen. Rezitative Singstellen wurden eingefügt, Tracks mit klassischen Soli rückwärts eingespielt, Lynne sang seine Verse teilweise durch ein Megaphon, Wood mischte Geräuscheffekte und elektronisches Rauschen hinzu. Die Multispur-Kakophonie sollte dem Anspruch des Electric Light Orchestra gerecht werden, "da anzufangen, wo I Am The Walrus von den Beatles aufhört" (Lynne). Obwohl der Kritikerbeifall für die erste LP den Erfolg des Experiments zu bestätigen schien, verließ Wood 1972 die Band und nahm Hunt und McDowall mit in seine Formation Wizzard, die er als Rock'n'Roll-Orchester aufbaute.
"ELO macht richtig auf Ernst, wir machen viel mehr Spaß", erklärte Wood den Orchester-Break. Die Formation um Lynne, der im ständigen Austausch über die Jahre Michael D'Albuquerque (bg), Richard Tandy (kb), Kelly Groucutt (bg, voc), Mik Kaminski (vi), Melvyn Gale (cello) und andere angehörten, mixte jedoch zum Vergnügen einer ständig wachsenden Hörerzahl weiterhin an ihrem Erfolgs-Tonikum Klassik-Rock. "Die Hektik enerviert bisweilen, der Einfallsreichtum der Klangbastler verblüfft jedoch", lobte 1974 "Die Welt". Der "Melody Maker" fand heraus, warum ELO zum Erfolg geriet, was den meisten Stilmischern mißlang: "Der grundlegende Unterschied zu den anderen Bands, die eine solche Melange versucht haben (Nice, Deep Purple, vielleicht Procol Harum), liegt darin, daß ELO speziell für diese Art von Musik gegründet worden ist. Dementsprechend hat ELO von vornherein die dazu notwendige Instrumentierung berücksichtigt. Ihr Repertoire basiert überwiegend auf klassischen Themen oder Zitaten daraus, und die Aufteilung ist fünfzig zu fünfzig, weder zugunsten noch zuungunsten der einen oder anderen Musikform."
Tatsächlich zitierte ELO nur äußerst selten aus klassischen Vorlagen (Roll Over Beethoven, In The Hall Of The Mountain King). Wohl aber spielten die Musiker unter Anleitung von Lynne virtuos mit der Klangwelt der traditionellen Kunstmusik. Zwischen 1974 und 1977 lief die Orchestermaschine auf Hochtouren: Eldorado - A Symphony By The Electric Light Orchestra (1974), Face The Music (1975), A New World Record (1976) und das Doppelalbum Out Of The Blue (1977) bombardierten die Zuhörer mit massiven Streicherklängen, heulenden Glissandi-Chören, filigranen Synthesizer-Sounds und immer wieder handfestem Rock, für den vor allem Lynne selbst und Drummer Bevan sorgten. Der Niedergang nahm seinen Anfang, als Lynne sich genötigt glaubte, den Bombast-Sound des Orchesters an die aktuelle Disco-Welle anpassen zu müssen: Discovery (1979) ärgerte mit banalen Liedchen und sturem Disco-Beat. Schlimmeres folgte: 1980 beteiligte sich Lynnes Ensemble an dem Soundtrack zu Olivia Newton-Johns peinlichem Musical-Film "Xanadu". Wie zur Strafe dafür blieb trotz guter Charts-Notierungen des Albums auf der nachfolgenden ELO-Tour durch die Vereinigten Staaten das Publikum weg. Lynne hatte einen schwerwiegenden Fehler gemacht, als er die Streicher entließ und durch weitere Keyboards ersetzte; lediglich Kaminski durfte bleiben. Trotzdem hielt sich der Kern des Klangkörpers um Lynne, Bevan, Tandy, Groucutt auf der Szene und brachte in den achtziger Jahren immer wieder mal ein Album heraus, dessen "gelackte Studio-Patina" ("Billboard") nur noch matt glänzte. 1986 rang sich das Quartett zur LP Balance Of Power durch, für Lynne war diese Platte die letzte ELO-Produktion. Während er seine Karriere erfolgreich als Produzent und Musiker fortsetzte, hoben Bevan, Groucutt, Kaminski Electric Light Orchestra Part Two aus der Taufe. Die neue Band, verstärkt um Eric Troyer (kb), Pete Haycock (g), Neil Lockwood (g), Louis Clark (arr, cond), veröffentlichte 1991 ihr Debütalbum und erschreckte durch Mangel an eigenen Ideen. Mühsam versuchten die Musiker, Lynnes Sound zu reproduzieren, doch wies kein einziger Song "das Pop-Feuer eines Mr. Blue Sky oder Sweet Talkin' Woman auf" ("Q").
Auch das Live-Debüt von ELO II stand unter einem unglücklichen Stern. Das erste Konzert einer Europatournee im Frühjahr 1993 in Ballymena im katholischen Nord-Irland wurde gecancelt, weil Ian Paisleys Democratic Unionist Party befand, die Band spiele "Teufelsmusik". Mit dem Titel der zweiten, teuflisch mittelmäßigen ELO II-Platte (1994) war wohl nur noch zu fragen: Moment Of Truth?
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