Dr. John the Night Tripper war der Bühnenname des weißen Studio-Rockmusikers Malcolm "Mac" Rebennack (voc, p, g, dr), erster und einziger Hohepriester des Voodoo Rock. Am 20. November 1941 in New Orleans, Louisiana, geboren, war ihm die Vorstellungswelt des Voodoo-Kults mit seinen Zauberamuletten und seiner Schwarzen Magie von Kind auf vertraut. Seine Großmutter, sagte er, beherrschte Levitation und Telekinese: Sie konnte mit der Kraft ihrer Gedanken Tische rücken und Gegenstände schweben lassen. Sein Vater, ein ausgepowerter Arbeiter, hinterließ ihm nichts als vier zerfledderte Folianten über Mystizismus. Und nach einem Regen, so behauptete er wenigstens, sei ihm einmal der Geist von Marie Laveaux, der berühmten Louisiana-Hexe des 19. Jahrhunderts, auf dem Friedhof erschienen. Derlei Halluzinationen untermalte Dr. John, einen Goldreif im Ohr und mit magischen Federn, Katzenknochen und Schlangenhäuten geschmückt, mit geheimen und halbvergessenen Kultrhythmen aus den Bayou-Sümpfen, heidnischer Musikfolklore aus Haiti, verstümmelten Mardi Gras-Karnevalsmärschen und dem alten New Orleans-Jazz aus der Preservation Hall. Eine seltsam hypnotische Spannung ging von seinen mit heiserer Stimme eher gekrächzten und geflüsterten als gesungenen Rockliturgien aus, zu denen er als Jüngling vom schwarzen Piano-Entertainer Professor Longhair, der Voodoo-Magierin Sister Catherine aus dem "Tempel des Unschuldigen Blutes" und von der Straßenmusikantin Sister Eunice angeregt worden war. Auf seinen LPs Babylon und Remedies hat er sich mit dünnen Texten und dürftigem Resultat auch als Gesellschaftskritiker versucht. Bei vielen Rock- und Blues-Plattenaufnahmen hat er als Begleitmusiker mitgewirkt und manchen Hit, beispielsweise When This Battle Is Over für Delaney & Bonnie, komponiert. Einmalig jedoch war er nur, wenn er das Übernatürliche beschwor und in die Abgründe des Aberglaubens und des kollektiven Unterbewußtseins der US-Südstaatenbewohner hinunterstieg. Dann, etwa auf seiner LP The Sun, Moon And Herbs, waren sich selbst Stars wie Mick Jagger und Eric Clapton nicht zu schade, ihn schlicht zu begleiten. Nach seiner Trennung von Atlantic 1975 nahm er für andere Marken wie DJM, United Artists, Horizon und Warner Bros. noch mehrere LPs auf, war aber unfähig zu kontinuierlicher Studio- und Promotionarbeit. Ende der Siebziger zog er nach New York und konzertierte als Pianosolist vielfach in Europa. 1982 stöhnte er auf einer in London aufgenommenen LP mit der Chris Barber Band: Take Me Back To New Orleans (Titel) - jedenfalls heim nach Amerika. 1984 experimentierte er in New York unter dem Titel Jet Set auf dem kleinen Label Streetwise mit Hip Hop und zog sich infolge gesundheitlicher Probleme von Live-Auftritten zurück. 1986 produzierte er zusammen mit Doc Pomus ein Album des schwarzen Blues-Sängers Jimmy Witherspoon, Midnight Lady Calls The Blues, und trat 1987 mit einer Blues-Supergroup bei der Grammy-Verleihung in Los Angeles auf. Seine LP In A Sentimental Mood (1989) mit Jazz-Standards wurde von der Kritik wegen des "exquisiten Geschmacks bei der Auswahl der Stücke" als "eine Perlenkette aus Ebenholz und Elfenbein" ("Musikexpress") gerühmt. Den Grammy erhielt er für sein Duett Makin' Whopee mit Rickie Lee Jones. Stimmlich klinge Dr. John, so John Carr in "New Musical Express", wie ein "riesiger Ochsenfrosch mit Mandelentzündung": allerhöchstes Lob. Wenn ihm danach war, erschien er unangemeldet im Humus der Musikszene von New Orleans und spielte - einigermaßen verläßlich beim Mardi Gras und beim jährlichen New Orleans Heritage Jazz and Blues Festival. Mit dem Album Bluesiana Triangle (1990) auf der esoterischen Jazz-Marke Windham Hill akzentuierte er neben David "Fathead" Newman (ts), Art Blakey (dr) seine Improvisationskünste am Klavier und holte sich für sein traditionelles Jazz-Album Goin' Back To New Orleans (1992) mit Al Hirt (tp), Pete Fountain (cl) und den Neville Brothers einen weiteren Grammy ab. In den Neunzigern wurde immer deutlicher: Jazz war sein Ding. Unter dem Titel Afterglow legte er 1995 ein Album mit Jazz-Standards aus den vierziger und fünfziger Jahren mit Big Band-Begleitung vor. 2000 drückte er im Album Duke Elegant Ellingtons Swing-Evergreens wie Satin Doll, Mood Indigo Perdido, Don't Get Around Much Anymore "seinen Funk-triefenden Louisiana-Stempel auf" ("Musikexpress"). Die CD Anutha Zone (1998), mit Dr. Johns Band Lower 911 im Londoner Abbey Road Studio aufgenommen, hatte ebenfalls kreolischen Funk als Basis, wurde aber noch mehr durch die Gastsolisten Paul Weller (g, voc), Squeeze-Keyboarder Jools Holland sowie Musiker der Bands Portishead, Primal Scream, Ocean Colour Scene, Supergrass, Spiritualized von Space Rock und Britpop geprägt. Pur Rebennack war dagegen das Album Trippin' Live, das er an sieben Abenden im Januar 1997 im Londoner Ronnie Scott's Club mit seiner eigenen Band mitschneiden ließ, bevor deren langjähriger Leader, Saxophonist Alvin "Red" Tyler, 1998 starb. Dr. John knietief im Blues 'n' Boogie und ganz im Diesseits verwurzelt - "Stereoplay": "So klingt der Doc in Höchstform." Die tropische Cajun-Mystik seiner frühen Jahre klang als fernes Echo nur noch im Titel seiner 1994 mit Jack Rummel verfaßten Autobiographie nach: "Under A Hoodoo Moon". Mit dem geschichtsträchtigen Album Creole Moon (2001) zollte er seiner Heimatstadt New Orleans Tribut. Zu den Gästen dieser "persönlichen Interpretation von New Orleans" (Dr. John in den Liner Notes) gehörte neben Fred Wesley und David Fathead Newman Louisiana-Supergitarrist Sonny Landreth.
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