Country Joe & The Fish
Biografie
Country Joe & The Fish , 1964 in Berkeley bei San Francisco von Joe McDonald (voc, g, harm) als Folk-Ensemble gegründet, elektrifizierte sich ein Jahr später und wurde zur Hausband der nordkalifornischen Studentenrebellion. Ihre Protestsongs I Feel Like I'm Fixin' To Die Rag gegen den Vietnamkrieg, Superbird gegen das amerikanische Polit-Establishment und ihr berühmter Fish Cheer (F-U-C-K) erklangen bei nahezu allen wichtigen Demonstrationen der Campus-Jugend von der University of California in Berkeley.
Zugleich gehörten McDonald, geb. am 1. Januar 1942 in El Monte, Kalifornien, Barry Melton (g, voc), geb. 1947 in Brooklyn, N.Y., Bruce Barthol (bg, harm), David Cohen (g, p, org) und Chicken Hirsch (dr) zur musikalischen Elite unter den West Coast-Bands. McDonald, der mit siebzehn Marinesoldat geworden war und zwei Jahre in Japan gedient hatte, galt als einer der besten Rocksänger "mit einem Stil, der über alle Ausdrucksmöglichkeiten von der lyrischen Ruhe eines Donovan bis zum harten Funky-Schrei gebot" ("Down Beat"). Seine Band offerierte ein ebenso breites Spektrum von Songs: Bass Strings für Drogenkonsumenten, Section Three für die Anhänger des fernöstlichen Mystizismus, Superbird für die Neue Linke, Flying High für die Freaks, Death Sound Blues für die Bluesfans, Janis für Janis Joplin.
"Wir sind keine Rock 'n' Roll-Band", erklärte der einstige Amateurposaunist einer High School-Kapelle. "Wir lehnen es ab, immer die gleiche Musik zu machen, wir improvisieren. Um unsere Botschaft zu verkünden, ist uns jedes Stilmittel recht: Blues, Jazz, Raga, Ragtime und Rock. Und die Botschaft lautet: Lasst die Menschen leben. Stoppt den Hunger in den Slums, den Rassenterror in Harlem, den Krieg in Vietnam." Für das FBI war das ausreichend, für den Sänger und Gitarristen eine eigene Ermittlungsakte anzulegen.
Die antiautoritäre Grundhaltung der Musiker erschwerte ihren Erfolg im Musikgeschäft. Zwar wurden von ihren Platten durchschnittlich zwischen einer viertel und einer halben Million Exemplare verkauft; für eine ihrem Talent angemessene Karriere, der sie 1969 mit ihrem kommerziellsten, aber nicht voll überzeugenden Album Here We Are Again nahe kamen, fehlte ihnen jedoch die Disziplin. In fünf Jahren löste sich das Ensemble fünfmal auf und wurde in leicht veränderten Besetzungen fünfmal wiederbelebt.
Das Ende kam nach Country Joes Auftritt beim Woodstock Festival: "Aus Hippies werden nur schwer Musiker, da sie keinen Anführer akzeptieren. Ich habe versucht, Chef einer Hippie-Rockband zu sein, aber das war ein Widerspruch in sich." Danach arbeitete Country Joe McDonald als Solist im Folk Rock-Idiom, lebte lange Zeit in Frankreich, komponierte einen Teil der Filmmusik zu "Stille Tage in Clichy" und nahm mehrere Alben mit wechselnden, teils prominenten Begleitern auf. Für die LP Hold On, It's Coming betreute beispielsweise Spencer Davis die Produktion.
Ein Unglücksfall während einer Europatournee, bei der Country Joe in Holland schwere Verbrennungen erlitt und drei Monate im Krankenhaus verbringen musste, dazu eine kostspielige Scheidung und die nach seiner Überzeugung nicht ausreichende Unterstützung durch seine Plattenfirma erschütterten sein seelisches Gleichgewicht. Ende 1974 verklagte er Vanguard, die angeblich Platten von ihm durch inadäquate Zumischungen ruiniert hatte, auf eine Million Dollar Schadenersatz und erklärte, in Europa bleiben zu wollen, weil nur dort noch Platz für "Hippie-Anarchisten-Guerillas" sei.
Geldmangel zwang ihn 1975 zur Rückkehr in die USA und zum Abschluss eines Plattenvertrags mit Fantasy. Er heiratete zum dritten Mal und veröffentlichte eine stark Reggae-beeinflusste, versöhnlich wirkende LP: Paradise With An Ocean View (1975). Auf einem Solotrip durch die USA brachte er in einem Jahr 130000 Kilometer hinter sich. Seine Solo-LPs aus jener Zeit, Love Is A Fire (1976), Goodbye Blues (1977) und Rock 'n'Roll From Planet Earth (1978) ließen den einstigen Biss vermissen.
1977 rekrutierte er noch einmal, für das Album Reunion, die Reste der alten Truppe. Auf dem vom Disco-Gedröhn dominierten Musikmarkt der späten Siebziger verhallte der archaische Fish-Kriegsschrei ungehört. Nach einem Ausflug zur Plattenfirma First American Records in Seattle, Washington, die das Album The Early Years (1978) hervorbrachte, begab sich McDonald in die Obhut des Labels Rag Baby in San Francisco. Dort trat er mit dem Song Private Parts auf der LP Leisure Suite (1979) eine neue Phase autobiographischer Songdichtung an: "Hey, please give me a chance / To try one last / Love song before we're through / I would pull out my pen / And my guitar again / Hey, after all we've been through / To feel your love next to me / I would write a rock and roll symphony."
Die folgende LP Animal Tracks (1981) beschäftigte sich rührselig mit dem Schicksal gefährdeter Tierarten wie Raubvögel und Wale sowie - Global Affair - mit der Gefährdung des Planeten. On My Own (1981), im schwäbischen Brackenheim nahe Stuttgart nur mit akustischer Gitarre aufgenommen, artikulierte überwiegend archetypische politische Erinnerungen: A Vietnam Veteran Still Alive (Songtitel). Diese Obsessionen setzten sich in späteren LPs fort. Auf der LP Child's Play (1983) sang er beispielsweise Vietnam Never Again; 1986 kam die LP Vietnam Experience heraus. "New Musical Express": "Das ist nicht mehr abendfüllend." Parallel zu Joe McDonald veröffentlichte auch Barry "The Fish" Melton auf dem Rag Baby-Label Solosongs mit zum Teil erheblich mehr Biss. Bestes Beispiel: Songs Of The Next Great Depression (1981).
In den frühen Neunzigern gehörte er zu den Dinosaurs, einer Band betagter Hippies im Raum San Francisco. Seit 1994 praktizierte Melton im Mendocino County als Anwalt. McDonalds im eigenen Studio in Berkeley fabriziertes Spätwerk, etwa auf der LP Carry On (1995), war nach dem Urteil des Magazins "Tip" "absolutely fulfilling": "Aus den Zutaten Folk, Blues und Rock schöpft McDonald seine von leichtem Hippie-Aroma durchzogenen Songs und serviert diese ohne großes Brimborium mit nonchalanter Souveränität auf Gitarre und Mundharmonika."
Unverändert gab er landesweit in den USA Konzerte, veranstaltete gut besuchte Singer/Songwriter-Workshops und engagierte sich u. a. für die Opfer des Nervengifts Agent Orange und für die Rechte weiblicher Strafgefangener. McDonalds klassische Alben aus den Siebzigern wurden unter dem Sammeltitel A Reflection Of Changing Times von der Firma Acarma in Italien wiederveröffentlicht: www.acarmarecords.com.
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Electric Music For The Mind And Body (1967)
I Feel Like I'm Fixin' To Die (1967)
Together (1968)
Here We Are Again (1969)
Greatest Hits (1969)
C. J. Fish (1970)
The Life And Times Of Country Joe And The Fish (1971)
Reunion (1977)
Live! Fillmore West 1966 (1996)
Zusammenstellung:
Best Of Country Joe And The Fish (1973)
The Early Years (1978)
Collector's Item:
The First Three EPs (1980)
Collected Country Joe And The Fish (1988)
LPs Country Joe McDonald:
Thinking Of Woody Guthrie (1969)
Tonight I'm Singing Just For You (1970)
Silent Days In Clichy (1970 Soundtrack)
Hold On, It's Coming (1971)
War War War (1971)
Incredible! Live! (1972)
Paris Sessions (1973)
Country Joe (1975)
Paradise With An Ocean View (1975)
Love Is A Fire (1976)
Goodbye Blues (1977)
Rock 'n' Roll From The Planet Earth (1978)
Leisure Suite (1979)
On My Own (1981)
In The Fray (1981)
Animal Tracks (1983)
Child's Play (1983)
Peace On Earth (1985)
Vietnam Experience (1986)
Superstitious Blues (1991)
Carry On (1995)
Something Borrowed, Something New (1998)
Eat Flowers & Kiss Babies (1999 mit The Bevis Frond)
www.countryjoe.com (2000)
I Feel Like I'm Fixin' To Sing Some Songs (2000)
Crossing Borders (2002)
Thank The Nurse (2002)
Natural Imperfection (2005)
Zusammenstellungen (Auswahl):
Classics (1989)
The Best Of Country Joe McDonald (1990)
LP Country Joe Band:
Live In Berkeley (2004)
LPs Barry Melton:
Bright Sun Is Shining (1970)
Melton, Levy And The Dey Brothers (1972)
Level With Me (1979)
Songs Of The Next Great Depression (1981)
The Saloon Years (1997)

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