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Cooke,Sam

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Cooke, Sam

Biografie

Sam Cooke (voc), am 22. Januar 1931 als siebtes von acht Kindern eines Baptistenpredigers in Clarksdale, Mississippi, geboren und in Chicago aufgewachsen (das Geburtsdatum wurde später aus Promotiongründen in 1935 geändert), entwickelte parallel zu Ray Charles aus Gospel- und Popsong-Elementen einen Soul-Interpretationsstil und wurde damit zu einem der großen Anreger der Rockmusik. Otis Redding, Lou Rawls, Rod Stewart und andere nannten seine warme, einschmeichelnde Stimme mit ihren effektvoll platzierten Schluchzern als wichtigen Einfluss. Der Soulsänger Arthur Conley verarbeitete Cookes Yeah Man zum Hit Sweet Soul Music; selbst die Rolling Stones lehnten sich, etwa bei der Interpretation von Little Red Rooster und Good Times, an die Cooke-Versionen dieser Lieder an.

Während der Schulzeit in der Chicagoer Wendell Phillips High School gehörte Cooke dem Ensemble The Highway Q. C.’s an und nahm anschließend mit der Gospelgruppe The Soul Stirrers für die kalifornische Marke Specialty religiöse Gesänge auf. Er trat in dem Veteranenensemble als Neunzehnjähriger derart inbrünstig an die Stelle des ausgeschiedenen Leadsängers Robert H. Harris, dass Producer Art Rupe überrascht mit Jesus Gave Me Water einen veritablen Hit verbuchen konnte.

Sam Cooke war sexy. Bei zahlreichen der 2003 in der Box Sam Cooke With The Soul Stirrers zusammengefassten Gospelaufnahmen, insbesondere 1955 live im Shrine Auditorium von L. A., "sang er das Hohelied auf durchaus irdische, fleischliche Liebe", wie Franz Schöler in einer Rezension konstatierte: "Die Mädels kreischten in Verzückung, als Sam in voller Ekstase Nearer To Thee sang."

Da ihn Specialty jedoch aus dem traditionellen Vorurteil gegenüber einer Verschmelzung geistlichen und weltlichen Musikgutes nur ungern Popsongs produzieren lassen wollte, brachte er seinen ersten Platten-Bestseller You Send Me 1953 auf 2,5 Millionen Singles des kleinen Keen-Labels heraus.

Bob Keen veröffentlichte seine Schlager, leichte Ware, die aber ihre Herkunft aus Gospel und R & B nicht verleugnete, von 1957 bis 1960 auf Singles und drei LPs: Sam Cooke (1958), Encore (1958), The Wonderful World (1960). Indes wollte Cooke Kontrolle über sein Produkt. Zusammen mit seinem Manager J. W. Alexander (Ex-Pilgrim Travellers) schuf er sich in seiner kurzen Karriere einen Musikverlag, Kags Music, und ein eigenes Label, SAR/Derby, für das er 1959 mit der Weltfirma RCA einen Vertriebsdeal abschloss.

Er feierte als Balladensänger Triumphe, beteiligte sich an der Twist-Mode und wurde im Bewusstsein seiner vorwiegend weiblichen Fans zur Verkörperung verhaltener schwarzer Sexualität. Selbst der großmäulige Boxer Muhammad Ali alias Cassius Clay, der sich unter Cookes Anleitung mit dem Titel Stand By Me selbst einmal als Schallplattenkünstler versucht hatte, musste zugeben: "Ich bin zwar der Größte, aber wenn’s ans Singen geht, dann ist Cooke größer als ich."

Nur anfangs enthielten die rund 15 Millionen Singles, die Cookes Samtstimme transportierten, mit Songs wie (I Love You) For Sentimental Reasons, Win Your Love For Me, Love You Most Of All, Everybody Likes To Cha Cha Cha oder Twistin’ The Night Away Schaumgebäck. Mit Bring It On Home To Me, einem Duett mit Lou Rawls, und Songs wie A Change Is Gonna Come, Good Times, Somebody Ease My Troublin’ Mind, Driftin’ Blues, Laughin’ And Clowning, die er teils selbst komponiert hatte, gelangen ihm später Statements mit psychischem Signalwert für das Ghettopublikum. Er wurde zum Man Who Invented Soul, wie RCA 2000 eine vorbildliche 4-CD-Box überschrieb.

Schon 1963 hatte er in einer All Star Session für die LP Night Beat, die u. a. den grandiosen Willie Dixon-Blues Little Red Rooster enthielt, mit dem anderen Soul-Erfinder Ray Charles (und Billy Preston an der Orgel) zusammengewirkt. Auf LPs dokumentierte er seine Herkunft, Spannweite und Tradition: Swing Low (1961) mit Spirituals, ein Jahr später My Kind Of Blues. Auf Live-LPs demonstrierte er, wie das Publikum auf ihn reagierte.

Sam Cooke At The Copa, am l8. Juli 1964 in New Yorks Copacabana aufgenommen, war "genial und sogar ein bisschen verschmitzt auf eine jive-ige, Las-Vegas-hafte Art, dessen ungeachtet aber beseelt auf ganz eigene Weise", so Matt Diehl, Musikchef der Zeitschrift "Interview" in Los Angeles: "Wenn das die Delikatesshäppchen waren, dann war Harlem Square die Hausmannskost."

Das Album Live At The Harlem Square, Club, 1963, am 12. Januar 1963 in Miami, Florida, eingespielt, zeigte Cooke vor einem großen schwarzen Ghettopublikum auf seinem energetischen Höhepunkt als Gospel Soul-Interpret, dessen Band von King Curtis’ honkendem Saxophon aufgeheizt wurde. Es wurde postum erst 1985 veröffentlicht. Denn am 11. Dezember 1964 wurde Sam Cooke von der 55-jährigen weißen Managerin des Hazienda-Motels an der South Figueroa Street von Los Angeles, deren Büro er nach einer nächtlichen Party in derangierter Kleidung betrat, irrtümlich erschossen.

Zum Begräbnis in Chicago defilierten etwa 200000 Menschen an seinem Sarg mit Glasdeckel vorbei. Bobby "Blue" Bland und Lou Rawls sangen am Grab. Ray Charles intonierte Angels Are Watching Over Me. Aus dem Nachlass veröffentlichte RCA nur noch ein weiteres Studioalbum: Sam Cooke Sings Billie Holiday (1966).

1985 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame introduziert. Im gleichen Jahr machte ein Werbespot für Levi’s-501-Jeans, in dem weltweit sein Hit What A Wonderful World erklang, Cookes Musik überraschend noch einmal populär. 1987 nahm ihn die Songwriters Hall of Fame auf. 1995 verlieh ihm die Apollo Theatre Foundation in New York/Harlem ihren Chairman’s Award. 1999 folgte endlich auch der Grammy für sein Lebenswerk. Die Biographie "You Send Me: The Life and Times of Sam Cooke" von Daniel Wolff erschien 1995 im Verlag William Morrow in New York.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs und
Zusammenstellungen (Auswahl):
Hits Of The 50’s (1960)
Twistin’ The Night Away (1962)
The Best Of Sam Cooke (1962)
Mr. Soul (1963)
Feel It (1963)
Night Beat (1963)
Ain’t That Good News (1964)
At The Copa (1964)
Shake (1965)
Try A Little Love (1965)
The Best Of Sam Cooke Vol. 2 (1965)
The Unforgettable (1966)
The Man Who Invented Soul (1968)
The One And Only (1968)
The Late And Great Sam Cooke (1969)
This Is Sam Cooke (1970)
Unforgettable (1973)
Interprets Billie Holiday (1976)
Forever (1976)
When I Fall In Love (1979)
Fabulous Sam Cooke (1983)
Solitude (1984)
Another Saturday Night Live At The Harlem Square Club, 1963 (1985)
The Man And His Music (1986)
Wonderful World (1986)
You Send Me (1986)
The Man Who Invented Soul (2000 4-CD-Box)
The Portrait Of A Legend (2003)

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