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Biografie

The Clash formierten sich 1976 in London mit Mick Jones (g), geboren am 26. Juni 1953 in London, Paul Simonon (bg), geb. am 15. Dezember 1956 in London, Terry Chimes (dr), Joe Strummer (voc, g) zu einem radikalen Punk-Ensemble, das sich in gestylter Militanz naiv links gab und "aus unkontrollierter Aggression und Galgenhumor seine Musik zusammenbastelte. Dabei entdeckte und definierte die Gruppe jene gefährliche Unberechenbarkeit wieder, die die Essenz jeder wahrhaft großen Rock and Roll-Musik ausmacht" ("Time").

Strummer, bürgerlich: John Graham Mellor, ein am 21. August 1952 in Ankara/Türkei geborener Diplomatensohn, hatte 1974 nach abgebrochenem Schulbesuch die Hausbesetzerband 101’s gegründet, während Jones zu der Zeit die Punk-Band London SS mit Chimes, Nicky "Topper" Headon (dr), geboren am 30. Mai 1955 in Bromley, Kent, leitete, zu der auch Simonon stieß. Animiert von dem Krawallerfolg der Sex Pistols gab Strummer seine Band auf und schloss sich mit Keith Levene (g) der Jones-Band an, die sich fortan The Clash nannte und zum Start mit den Sex Pistols auf Tournee ging. Im Gegensatz zum Nihilismus der Pistols machten The Clash jeden ihrer Songs über Rassismus, Polizeibrutalität und soziale Entfremdung "zu einer Schlacht mit Siegesaussichten" ("New York Times").

Ihr "epochales Debütalbum" war "die denkbar akkurateste Schnappschussaufnahme vom Großbritannien des Jahres 1977", eine Serie von "Blitznachrichten, Flugblättern, Einberufungsbefehlen zum Straßenkampf" ("New Musical Express"). White Riot, die erste Single, oder Nachfolgestücke wie London Calling, (White Man In) Hammersmith Palais, London’s Burning, Safe European Home, Stay Free, Career Opportunities begeisterten als Klassiker des Punk-Genres, überschritten aber auch dessen Grenzen. Das Quartett Jones, Strummer, Headon, Simonon (Chimes kam und ging verschiedene Male) verstieg sich jedoch zunehmend "auf Barrikaden aus Pappmaché" zur "miesesten Art politischer Sloganmacherei" (Kritiker TonyParsons).

Die übertrieben affektierte Zuneigung zum Underdog-Stil Reggae, Disco-Elemente als Funk der verlorenen Großstadtseelen, Rockabilly- wie Honky Tonk-Zutaten, ein Themen-Sammelsurium von Montgomery Clift bis zum spanischen Bürgerkrieg verdeutlichten auf LPs wie London Calling, Sandinista! "die verzweifelte Beziehungslosigkeit, mit der sich The Clash aus dem großen Füllhorn all der Dinge, die "politisch" heißen, das herausgreifen, was sie, ohne hinzusehen, in die Finger kriegen" ("Sounds"). Mit der "geopolitischen Sicherheit einer Wermutpennerin" ("Village Voice") führte Strummer ("Ich glaube ernsthaft, ich bin auserwählt, die Wahrheit zu verkünden und mit dem ganzen Scheißdreck aufzuräumen") den "Rebellen-Schick" ("Melody Maker") seiner Protestband allen "Touristen an der Punk-Peripherie" vor, "die einen Logenplatz für die Apokalypse suchen" (Kritiker Jay Cocks).

Nachdem Headon 1982 wegen "politischer Differenzen" ausgeschieden und Jones 1983 gefeuert war (er realisierte sein Clash-Konzept später mit Big Audio Dynamite), reformierten Strummer und Simonon die Band mit Vince White, Nick Sheppard (g), Peter Howard (dr) und fanden bisweilen zur alten aufsässigen Form zurück. This Is England (1985) "präsentiert ein aufregendes Drama sozialer Unterdrückung, wie es sieben Jahre zuvor Give ’em Enough Rope zur Ehre gereicht hätte" ("New Musical Express"). "The Clash hatten kaum jemals die richtigen Antworten, aber sie waren clever und zeitbewusst genug, immer die richtigen Fragen zu stellen", lobte "Q" die Band, "deren einziges Verbrechen in Großbritannien war, dass sie aus der Mode kam" ("Rolling Stone"). Tony Parsons: "Es zeigte sich, dass sie zwischen zwei Stühlen saßen: der gängige zeitgenössische Kommentar zum Zustand der Welt und ihre enge eindimensionale Sicht desselben – und die alte militärische Mythologie als Bestätigung von Jugendlichkeit, Vitalität, Integrität und Männlichkeit. Es war entsetzlich."

Strummer, der sich längst als Oberhaupt der Clash verstand, löste 1986 die dahindümpelnde Band auf. Clever genug, konnte er sich mühelos im Rockbusiness halten: Er spielte Rhythmusgitarre für die Pogues und sprang als Leadsänger für den unpässlichen Shane MacGowan ein. Ebenso war er an der Produktion des Films "Sid and Nancy" über den Sex Pistols-Bassisten Sid Vicious beteiligt. Headon, der bei Mercury als Solointerpret das Album Waking Up (1986) und drei Singles veröffentlicht hatte, wurde im November 1987 zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er Heroin an einen Junkie verkauft hatte, der daran starb. Nach dem Knast arbeitete er als Taxifahrer und lebte später, krank und immer noch süchtig, wieder bei seinen Eltern.

1991 kehrten The Clash mit ihrem Song Should I Stay Or Should I Go in die Charts zurück – der erste Nummer-eins-Hit der Clash. Wenig verwunderlich, denn die Titelfrage wurde im Rahmen eines Levi’s-Jeans-Werbespots gestellt und von einer Generation gehört, die die ersten Platten der Band nur aus der Sammlung ihrer Eltern kannte. Im Herbst 1999 wurde ein Dokumentarfilm von Don Letts über The Clash unter dem Titel "Westway to the World" im Coronet-Kino in Notting Hill Gate vor der überlebenden Londoner Punk-Prominenz uraufgeführt – darunter auch Strummer, der in den Neunzigern u. a. Techno Dance Tracks hergestellt hatte und am Ende als "verbrauchter, verhärmter alter Mann" ("Musikexpress") mit seiner Band Mescaleros bei Sommerfestivals aufgetreten war. Stars der Jahrtausendwende wie Ice Cube, Rancid, Silverchair, No Doubt, Indigo Girls hatten ihm kurz zuvor mit 14 Coverversionen von Chart-Hits unter dem Titel Burning London gehuldigt.

Also ging er mit Mick Jones, Paul Simonon sowie Tonmeister Bill Price noch einmal ins Studio, um Clash-Live-Aufnahmen aus den Jahren 1978 bis 1982, die bisher nur als Bootlegs im Handel waren, nun endlich als offizielles Album zu veröffentlichen. From Here To Eternity (1999) löste bei Columbia/Sony eine Serie von acht Clash-Wiederveröffentlichungen aus und schloss den Superlativen von einst neuen Kritikerjubel an. "Musikexpress": " From Here To Eternity atmet, schwitzt, spuckt Punkrock. In jeder Minute." – "WOM Journal": "Die Authentizität, die unbearbeitete Energie, die aus jedem Song strömt wie Lava aus einem explodierenden Vulkan, ist das vielleicht stärkste Argument dafür, dass The Clash die größte Rockband aller Zeiten waren." Oder so.

Am 22. Dezember 2002 starb Joe Strummer plötzlich, als er seinen Hund spazieren führte. Die zunächst vermutete Todesursache Herzinfarkt bestätigte sich später nicht, er starb an einem unentdeckt gebliebenen, angeborenen Herzfehler, hatte also ein halbes Jahrhundert lang im Risiko gelebt. In dem Prachtband "The Clash" mit 350 Schwarzweiß- und Farbbildern aus der gesamten Karriere, die der Fotograf Bob Gruen 2003 im Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf veröffentlichte, wurde Strummer mit den Sätzen zitiert: "Als ich jünger war, habe ich ein Buch über Indianer gelesen. Darin stand, dass ein Cherokee, der vor einer Entscheidung steht, immer die waghalsigere Alternative wählt. Und ich dachte immer: Na los! Das Leben macht ja keinen Spaß ohne waghalsige Entscheidungen."

Zur Zeit seines Todes war er – nach Rock Art & The X-Ray Style (1999) und Global A GoGo (2001) – mit dem dritten Album seiner Mescaleros beschäftigt. Die Titel Coma Girl und Get Down Moses waren fertig. Zwei Wochen nach der Beisetzung bat die Witwe Lucinda die Bandmitglieder Martin Slattery und Scott Shields, das Album Streetcore (2003) aus Material aller verfügbaren Quellen zu ergänzen, darunter das eigene Studio oder auch die BBC, wo Strummer gelegentlich als DJ Gastrollen gegeben hatte.

Das Resultat, urteilte Lorenz Maroldt im "Tagesspiegel", sei "ein Kunstwerk, das ganz natürlich klingt". Der Musiker wirke darauf "energisch, pulsierend, kämpferisch, gefühlvoll, direkt wie seit Jahren nicht mehr". Das Album endet mit Strummers letzten Worten im Studio nach einer gelungenen Aufnahme: "Okay, that’s a take!"

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
The Clash (1977)
Give ’em Enough Rope (1978)
London Calling (1979)
Sandinista! (1980)
Combat Rock (1982)
Cut The Crap (1985)
Permanent Record (1988 Soundtrack, mit anderen)
The Clash On Broadway (1991 Box mit drei CDs, enthält Live-Aufnahmen, Demos, bis dahin Unveröffentlichtes)
From Here To Eternity – Live (1999)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Black Market Clash (1980)
The Story Of The Clash (1988)
Super Black Market Clash (1993)
The Essential (2003)
LP Topper Headon:
Waking Up (1986)
LPs Mick Jones mit Big Audio Dynamite:
This Is Big Audio Dynamite (1985)
No. 10 Upping St. (1986)
Tighten Up, Vol. ’88 (1988)
Megatop Phoenix (1989)
The Globe (1991)
Higher Power (1994)
F-Punk (1995)
LPs Joe Strummer:
Earthquake Weather (1989)
Rock Art & The X-Ray Style (1999)
Global A GoGo (2001)
Streetcore (2003)
The Future Is Unwritten (2007)

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