Start | CARMEL | Rowohlt-Biografie

CARMEL

Carmel

Biografie

Carmel machten seit 1981 in Manchester Musik und orientierten sich dabei an Soul-Romantikern wie Smokey Robinson, Marvin Gaye, Jazz-Diseusen wie Billie Holiday, den emotional aufgewühlten Spielweisen John Coltranes und der erotischen Tragödin Edith Piaf. Carmel McCourt (voc), geboren am 24. November 1958 im englischen Scunthorpe, Humberside, und ihre Freunde Jim Paris (b), geb. am 13. Januar 1957 in Finchley, London, Gerry Darby (dr), geb. am 13. Oktober 1959 in Finchley, waren mit ihrer Fusion aus Rhythm & Blues, sachten Jazz-Elementen und Afro-Rhythmen vor allem in Frankreich erfolgreich. Doch auch die Heimatpresse wusste Carmels "schwerlastige, kraftvolle Stimme mit einem besonderen Gefühl für die befreiende Ekstase des Gospel" ("Q") zu schätzen: "Atmosphäre, Emotion, Verlangen, Erfüllung und Verlust dampfen aus den Rillen und steigen dir das Rückgrat hoch." ("City Limits") Der "New Musical Express" lobte die Musik des Trios, die "in einem altmodischen Sinne Pop" ("Spex") war, als "melancholisch, magisch, mystisch", bemerkte allerdings: "Je aufgewühlter ihre Stimme wird, desto mehr gleicht sie einer stilisierten, unpräzisen Version ihrer Erinnerungen an schwelgerisch singende Südstaaten-Schönheiten."

Im Mutterland des Rhythm und des Blues kam die Mimikry der Engländerin überhaupt nicht an. "Rolling Stone": "Diese feierlich ausgetragene Fehlgeburt von Jazz, Blues und Gospel ist nicht mehr als ein extremes Beispiel für die britische Poptrend-Geilheit. Anstatt die gleichen Leidenschaften in sich zu entdecken, die die Größen der Gospel- und Jazzmusik getrieben haben, äfft McCourt bloß deren Manieriertheiten nach. Schlimmer noch: Oftmals versucht sie, bluesiger als ihre Vorbilder zu klingen, und artikuliert damit die arrogante Unterstellung, dass die großen Stars nicht "soulful" genug waren. Bei einer derart flachen Sängerin ist das schlichtweg lachhaft."

Tatsächlich stand Carmel mit ihrer Pop-Jazz-Mischung kommerziell zunächst im Schatten von Sade Adu, künstlerisch in dem von Everything but the Girl. Als die Pop-Jazz-Mode, der Carmel bis hin zu den Jazz-Alben der fünfziger Jahre nachempfundenen Covergestaltung gefolgt war, in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre verebbte, suchte das Trio sein Heil in Selbstkomponiertem und in Coverversionen anspruchsvoller Songs wie Randy Newmans Mama Told Me Not To Come. Für die 1986 veröffentlichte LP The Falling engagierte Carmel Brian Eno und Hugh Jones als Produzenten, konnte aber auch damit das Interesse des heimischen Publikums nicht erneut entfachen. Dafür begeisterten sich die Franzosen zunehmend für die unterkühlte, wie berechnet wirkende Musik - blieben darin aber die einzigen.

In der britischen Heimat blieb die Kritik hart: "An der Stimme gibt es zwar nichts zu mäkeln", schrieb "Mojo" über World's Gone Crazy (1995), "aber sie wird an mäßige Songs verschleudert."

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Carmel (1982)
The Drum Is Everything (1983)
The Falling (1986)
Everybody's Got A Little
Soul (1987)
Set Me Free (1989)
Good News (1992)
World's Gone Crazy (1995)
Live In Paris (1997)

Ähnliche Künstler