Blue Öyster Cult
Biografie
Blue Öyster Cult , 1971 auf Long Island, New York, gegründet, brachte die Rock-Magie der Doors, das hysterische Pathos von Black Sabbath, den zynischen Boogie der Rolling Stones und die apokalyptische Ekstase der MC 5 in so phantasievoller Manier zusammen, dass die erste LP gleich als "das Album der siebziger Jahre" ("Circus") verdächtigt wurde.
Eric Bloom (voc, g, kb), geboren am 1. Dezember 1944, Albert Bouchard (dr, voc), geb. am 24. Mai 1947, Joe Bouchard (bg, voc), geb. am 9. November 1948, Allen Lanier (g, kb), geb. am 25. Juni 1946, und Donald Roeser (g), geb. am 12. November 1947, gebärdeten sich in Stücken wie "Heiße Schienen zur Hölle", "Städte von Rock and Roll in Brand gesetzt" und "Sie ist so schön wie ein Fuß" mit einer solchen technischen Überlegenheit, dass ihre "Sphärenmusik" ("Daily News") gelegentlich beinahe manieriert klang. Hippie-Albträume pressten sie durch ihre elektronischen Filter: den Altamont-Horror, den Schrecken einer Rauschgiftschieber-Denunziation, die Furcht vor dem Sadismus frustrierter Polizisten.
Die Gräuelstorys wurden von dem Co-Autor und Rock-Literaten Richard Meltzer in bizarrer Ironie abgefangen und in der Musik zum Schauer-Amüsement verkehrt: "Es ist, als ob Hitchcock und Kubrick sich gegenseitig Geschichten über ihre sexuellen Lustträume erzählen" ("Rolling Stone"), eine "vortreffliche Balance zwischen Ästhetik und Arschtritten". Im Gegensatz zu dem ritualistischen Humbug und verquälten Kinderschreck-Theater der Mötley Crüe, Twisted Sister, Quiet Riot schillerte dieses "Destillat glorioser Rockmusik" ("New Musical Express") wie ein "unaufhaltsames, hochvoltiges nächtliches Mythenspiel" ("Stereo Review").
Erfinder, langjähriger Mentor, Producer und Manager der Band war der "Crawdaddy"-Journalist Sandy Pearlman, der seine Rock-Lyrik zuvor mit dem Leadsänger Les Bronstein unter dem Namen Soft White Underbelly und Stalk-Forrest Group an Elektra zu verhökern versucht hatte. Er startete die Band 1972 clever als Vorgruppe einer ausgedehnten USA-Tournee von Alice Cooper und bereitete ihr auf dessen Territorium zwischen Schock-Rock und Heavy Metal den Markt. Eigene Songtexte sowie Lyrik des "Crawdaddy"-Kollegen Richard Meltzer und von Allen Laniers zeitweiliger Geliebten Patti Smith, die gelegentlich auch mitsang, sorgten für literarisches Niveau. Songs wie Flaming Telepaths, Astronomy und vor allem Pattis Career Of Evil auf der dritten LP Secret Treaties (1974), ihr Flirt mit dem Abseitigen und Abgründigen, schienen perfekt den Geist von Altamont zu verkörpern und die Band in die Nähe der Neo-Nazis zu rücken. Für platte Propaganda waren sie indes zu kryptisch.
Mit dem Live-Album On Your Feet Or On Your Knees erreichte die Band 1975 ihre höchste Charts-Notierung, Platz 22, und milderte danach ihren Stil. Agents Of Fortune (1976), wiederum mit zwei Patti Smith-Kompositionen, enthielt mit dem Byrds-inspirierten (Don’t Fear) The Reaper ihren größten Single-Hit – Platz zwölf in den USA; erst im Juni 1978 gefolgt von Platz 16 in England. Eine ausgedehnte Welttournee 1978 mit 250 Konzerten wurde für das zweite Live-Album Some Enchanted Evening mitgeschnitten, das dritte, ETL (Extra Terrestrial Live), folgte 1982.
Inzwischen hatte sich die Cult-Truppe auf ihre Wurzeln im dunklen, metallenen Psychogrund zurückbesonnen. Mit Cultösaurus Erectus (1980) gab der Science-Fiction-Romancier Michael Moorcock ( Black Blade) seinen Einstand als Songautor. 1982 musizierte Robbie Krieger von den Doors im Country Club in Reseda, Kalifornien, mit der Band. Im gleichen Jahr nahm "Dharma" Roeser mit Flat Out für Portrait Records sein erstes Soloalbum auf. Besetzungsveränderungen bestimmten die Achtziger. 1986 ging Lanier, hinzu kamen Jimmy Wilcox (perc), Tommy Zvoncheck (kb). 1988 stieg Joe Bouchard aus, um mit Neil Smith, ehemals Alice Cooper, die Gruppe Deadringer zu gründen. Mit dem Sampler Career Of Evil – The Metal Years beendete Columbia 1990 die Zusammenarbeit mit der Band.
Blue Öyster Cult überlebte in den Neunzigern mit Jon Rogers (bg), Chuck Bungi (dr) als Club Act, trug 1992 den Soundtrack zum Horrorfilm "Bad Channels" bei und hatte es zunehmend schwerer, ein Publikum zu finden, das seinem immer noch leicht literarischen Anspruch entsprach. Im August 1995 trat die Band beim Nudistenfest im Turtle Lake Resort bei Union City in Michigan auf – nackt, versteht sich. Trotzig stellten die Musiker ihre Auftritte unter das Motto: "On Tour Forever" – gegen Ende des Jahrzehnts in der Besetzung Roeser, Bloom, Lanier mit Danny Miranda (bg), John O’Reilly (dr). Mit Curse Of The Hidden Mirror (2001) und A Long Day’s Night (2002) auf Sanctuary brachten sie sogar noch Silberlinge hervor, allerdings ohne jede Aussicht auf Gold.
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Blue Öyster Cult (1972)
Tyranny And Mutation (1973)
Secret Treaties (1974)
On Your Feet Or On Your Knees (1975)
Agents Of Fortune (1976)
Spectres (1977)
Some Enchanted Evening (1978)
Mirrors (1979)
Cultösaurus Erectus (1980)
Fire Of Unknown Origin (1981)
ETL (Extra Terrestrial Live)
(1982)
The Revölution By Night (1983)
Club Ninja (1984)
Imaginos (1988)
Cult Classic (1994)
Heaven Forbid (1998)
Curse Of The Hidden Mirror (2001)
A Long Day’s Night (2002)
Live In America (2007)
Zusammenstellungen (Auswahl):
Career Of Evil – The Metal Years (1990)
Workshop Of The Telescopes (1995)
LP Donald Roeser:
Flat Out (1982)

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