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BLONDIE

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Blondie

Biografie

Blondie , 1975 in New York gegründet, rekonstruierten wie in den klassischen Drei-Minuten-Schlagern der Shirelles, Shangri-Las, Ronettes die Pop-Sagenwelt der fünfziger und sechziger Jahre, in der "Rock als Geheimbund der Fans, als eine eingeschworene Phantasiewelt der Teenager" (Kritiker Nik Cohn) seine mystische Verklärung erfuhr.

Als Pin-up-Girl der Band im Niemandsland zwischen aggressivem Punk Rock und gefälligem Plastik-Pop agierte Deborah "Debbie" Harry (voc), am 1. Juli 1945 in Miami geboren. Nach Gelegenheitsjobs als Barfrau, Kosmetikerin und "Häschen" im New Yorker "Playboy"-Club beteiligte sie sich 1972 am Rock-Damentrio Stilettoes.

Unter die 40 bis 50 Begleitmusiker, die die Damen binnen zwei Jahren verbrauchten, geriet auch der Kunststudent und Gitarrist Chris Stein, am 5. Januar 1950 in Brooklyn geboren, mit dem Debbie die Frauenriege alsbald zur Blondie-Formation ummodelte. Zum festen Kern der Truppe gehörten schließlich Frank Infante (g), Gary Valentine (bg), Jimmy Destri (kb), Clem Burke (dr).

Genau wie das 1930 von Murat Young kreierte Comic-Strip-Vorbild Blondie Bumstead betonte Debbie Harry in Aufputz und Auftreten eine mediengefällige Eigenständigkeit. Ihr proletarischer Glamour, eine Mischung aus "Gammel, Glanz und ausgeflipptem Chic" ("New York Times"), verlieh der Garagenband, die 1976 mit X Offender auf Platte debütierte, ein marktgängiges Styling. Debbies Kindfrau-Singsang tönte auf den 20 Millionen Platten, die Blondie weltweit absetzen konnten, nicht selten uninspiriert, teilnahmslos, kontaktarm, zynisch und schuf vor einem energetisch rockenden Instrumental-Hintergrund faszinierende Spannungsmomente.

Mit zunehmender Ambition des Paares Harry/Stein zerfloss der kompakte Rocksound zu einem Stilmischmasch aus Kinomusik, Country & Western, Reggae, Disco und Broadway-Melodik. Heart Of Glass (1979), Call Me, eine Kollaboration mit Giorgio Moroder für den Film "American Gigolo" (1980), The Tide Is High (1980), eine Coverversion des Songs von der Reggae-Truppe The Paragons, Rapture (1981) gerieten zu weltweiten Hits. "Wir haben immer die richtigen Karriereschritte gemacht", brüstete sich daraufhin Chris Stein.

Das 1981 veröffentlichte Harry-Album KooKoo wurde kein Kritiker- und Kommerzerfolg, obwohl die Producer Nile Rodgers und Bernard Edwards von Chic ihre Klientin nach bislang oberflächlichen Flirts mit schwarzer Musik zur totalen Liaison mit Ghetto-Punk und Disco-Funk brachten.

Weitere Soloaktivitäten anderer Gruppenmitglieder legten 1983 die Auflösung des Blondie-Bundes nahe. Debbie Harry musste danach ihre Karriere für Jahre unterbrechen, als Chris Stein mit einer tückischen Blutkrankheit zum vorübergehenden Pflegefall wurde.

Ende 1986 war die Sängerin mit "dem derangierten Sex-Appeal einer Vorstadt-Monroe" ("Der Spiegel") wieder auf der Musik-Szene, nachdem sie ihr fotogenes Gesicht gelegentlich in Filmen wie "Union City" (1979), "Videodrome" (1982), "Forever Lulu" (1986) gezeigt hatte. Rockbird, mit dem Hit French Kissin’ In The U.S.A., empfand "Stereo Review" als "High-Dreck in High-Tech". Auch "Rolling Stone" war vom Comeback der Pop-Ikone aus den siebziger Jahren enttäuscht: "Sie hat kein überzeugendes Konzept für die Achtziger gefunden." Tatsächlich konnte sie das gar nicht finden, weil von ihr erwartet wurde, "Marilyn Monroes verlorene Tochter" ("Mojo") wieder und wieder zu spielen.

Das Cover der 1989 erschienenen LP Def, Dumb & Blonde (Stein war inzwischen genesen) zeigte eine müde, melancholische Deborah Harry – einmal abgesehen von dem bitteren Titel der Platte. 1993 versuchte die Sängerin noch einmal, ihrer versandenden Karriere neuen Schwung zu geben. Debrava-tion erzielte aber ebenso wie die bald darauf folgende Zusammenstellung von Blondie-Raritäten Blonde And Beyond kaum mehr als einen Achtungserfolg. 1995 trat Debbie Harry, auch in Europa, als Sängerin des Lounge Lizards-Ablegers The Jazz Passengers auf – vom Rock-Publikum weitgehend unbemerkt. Von der Jazzkritik wurden die drei Platten, die sie mit den Passengers aufnahm, jedoch hoch gelobt.

Weit mehr Presse-Hall gab es aber zu dem als "Blondies zweiter Frühling" ("Musikmarkt") hochgejubelten Revivalalbum No Exit (1999). Schon vor der Veröffentlichung hatten die nicht hinzugebetenen Ex-Mitglieder Nigel Harrison und Frank Infante Debbie Harry, Stein und ihre Mitspieler Jim Destri (geb. am 13. April 1954 in Brooklyn), Clement Burke (geb. am 24. November 1955 in Manhattan) vor einem New Yorker Gericht auf eine Million Dollar verklagt. Um Geld gehe es ihnen bei dem neuen Album aber gar nicht, konterte Burke: "Die Plattenfirmen haben unseren Back-Katalog in den letzten Jahren bis zum Abwinken gemolken, und wir haben gut daran verdient, sodass endlich Zeit für etwas Neues war."

Das kam aber mit "seicht pluckernden Sequencergrooves, seifigen Keyboards, süßlichen Tonfolgen und verstaubten Korg-Sounds" ("Tip") ganz wieder auf das Alte heraus. "Eine Band", so Kritiker Hagen Liebing, "die die Gnade des frühen Ausstiegs aus dem blutarmen Achtziger-Pop hatte, knüpft mit No Exit genau an diesen wieder an – als gelte es, ausgelassene Fettnäpfchen aufzuspüren."

Mit dem durch den milden Single-Hit Maria beflügelten, auf einer Welt-Tournee 1999 mitgeschnittenen Live-Album Livid (2000) ging die Kritik noch härter ins Gericht. Aus der Blondine der 70er Jahre mit der markanten Stimme sei ein ältliches Mädchen geworden, kotterte der "Musikexpress", "das seinen eigenen Kunststoff-Pop darbietet, als habe es zum Nachtisch eine übergroße Portion Zuckerwatte gegeben". Kritiker Lukas Grasberger: "Debbie, geh zum Therapeuten. Und nimm endlich die Lockenwickler aus den Ohren."

Erst seit der Wiedervereinigung 1998 sei die Band hinter ihr gut und zuverlässig, sagte Debbie Harry 2003, als sie ihr Album The Curse Of Blondie promotete, und ihr ehemaliger Gitarrist und Liebhaber Chris Stein kommentierte, sie sei sicher bekifft oder besoffen gewesen, als sie das sagte. Jedenfalls hatte sie sich ihre CD, die mit Songs wie Good Boys, Golden Rod, Shakedown oder Last One In The World immerhin ganz passablen Hausfrauen-Pop enthielt, wohl nicht so genau angehört.

Jedenfalls waren am 7. Mai 2004, als in New York das Album Live By Request (2005) aufgenommen wurde, die alten Recken Stein, Destri und Burke wieder dabei, außerdem Paul Carbonara (g), Kevin Patrick (kb) und Leigh Foxx (bg). "Der Bubblegum-Pop blubbert wie eh und je, die Keyboards quäken, die Gitarren machen Druck, Clem Burke trommelt nahezu jede Nuance nieder, The Tight Is High humpelt eher, als dass es groovt, Rapture will schier kein Ende nehmen, und Debbie Harrys lippenstiftverschmierte Lolita-Erotik von ehedem ist einem eher tantenhaften Sex-Appeal gewichen" (Peter Felkel). Was zu beweisen war.

Nach der Veröffentlichung von Panic Of Girls (2010) gab Gitarrist Paul Carbonara seinen Ausstieg bekannt und wurde durch Tommy Kessler ersetzt.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Blondie (1976)
Plastic Letters (1977)
Parallel Lines (1978)
Eat To The Beat (1979)
Autoamerican (1980)
The Hunter (1982)
Def, Dumb & Blonde (1989)
The Complete Picture (1990)
No Exit (1999)
Livid (2000)
The Curse Of Blondie (2003):
Live By Request (2005)
Panic Of Girls (2010)

Zusammenstellungen (Auswahl):
The Best Of Blondie (1981)
Blondie’s Hits (1981)
Once More Into The Bleach (1989)
Blonde And Beyond – Rarities And Oddities (1994)
Eat To The Beat (2007 Box mit DVD)
LPs Debby Harry:
KooKoo (1981)
Rock Bird (1986)
Debravation (1993)
Necessary Evil (2007)
LPs Debbie Harry mit The Wind in the Willows:
The Wind In The Willows (1968)
No Exit (1999)
Live In New York (1999)
LPs Debbie Harry mit The Jazz Passengers:
In Love (1994)
Individually Twisted (1996)
Live In Spain (1998)
LP Jimmy Destry:
Heart On A Wall (1982)

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