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BAD RELIGION

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Bad Religion

Biografie

Bad Religion , 1980 in Los Angeles gegründet, war die erfolgreichste Amateur-Band der achtziger und neunziger Jahre. Mit süffigen Punk-Hymnen versetzten sie kleine Vorstadtclubs ebenso in Wallung wie riesige Stadien. Ihre Songs im kompakten Format schlagkräftiger Politslogans griffen die Folk-Tradition der Fünfziger und Sechziger auf. "Es ist eine Art Volksmusik. Und Volksmusik ist traditionell musikalischer Protest. Ich glaube, unsere Musik verkörpert schon deshalb diese Folk-Attitüde, weil ein Teil unserer Melodien total folkig ist. Wir versuchen, dies in einen Pop-Kontext zu verpacken und eine schöne Mischung daraus herzustellen", postulierte Sänger Greg Graffin gegenüber "NM! Messitsch". Die "Los Angeles Times" assistierte: "Bad Religion ist die lebendige Inkarnation der Theorie, dass Hardcore Punk eigentlich Folk Music ist."

Wie viele andere Punk-Bands begannen auch Bad Religion als Schülercombo. Greg Graffin (voc), geboren am 6. November 1964, Brett Gurewitz (g), geb. am 12. Mai 1964, Jay Bentley (bg), geb. am 6. Juni 1964, und Jay Ziskrout (dr) hielten sich nicht lange damit auf, nach einem Partner zur Vermarktung ihrer Songs zu suchen, sondern gründeten ihr eigenes Label Epitaph, das eine der erfolgreichsten Plattenfirmen in der Geschichte des Punk werden sollte. Schon 1981 erschien ihre erste EP Bad Religion.

Ein Jahr später folgte das Album How Could Hell Be Any Worse mit dem neuen Drummer Pete Finestone. Mit der rasenden Geschwindigkeit der Songs, die selten länger als zwei Minuten waren, veränderten sich auch die Besetzungslisten der frühen Jahre. 1983 wurden Bentley und Finestone durch den Bassisten Paul Dadona und den Schlagzeuger Davy Goldman ersetzt. In dieser Besetzung entstand Into The Unknown, eine Platte, die wegen unmotivierter Keyboard-Einsätze weder Fans noch Kritik begeisterte.

Kurz nach Veröffentlichung warf Brett Gurewitz wegen Drogenproblemen das Handtuch und wurde durch Greg Hetson, geb. am 29. Juni 1961, von den Circle Jerks ersetzt. Den Bass übernahm Tim Gallegos. Die in gewohnter "live fast – die young"-Manier eingespielte EP Back To The Known versöhnte Musiker und Fans, doch 1985 fiel Bad Religion vorerst auseinander. 1988 hatte Gurewitz seine Sucht im Griff und trommelte seine Truppe (Graffin, Hetson, Finestone und Bentley) wieder zusammen. Mit dem ehrgeizigen Album Suffer, das von den Magazinen "Flipside" und "Maximum Rock And Roll" zum Album des Jahres 1988 gewählt wurde, gelang den Antipriestern prompt ein Comeback, das alle bisherigen Erfolge in den Schatten stellte.

No Control (1989), Against The Grain (1991), das die zynische Punk-Hymne 21st Century Digital Boy enthielt, und Generator (1992), zu dem Bobby Schayer, geb. am 23. Dezember 1965, für Pete Finestone kam, festigten den Ruf der Band als unablässiger Lieferant in Songs gegossener Politparolen. Ihr Signet, ein mit durchgestrichenem Kreuz versehenes Verkehrsschild, wurde zum Symbol der linken autonomen Szene in ganz Europa. Auf Recipe For Hate (1993) wich die Band kaum wahrnehmbar vom Schema der unendlichen Variation des ewiggleichen Songs ab, lud Gäste wie Eddie Vedder von Pearl Jam oder den ehemaligen MC5-Gitarristen Wayne Kramer ins Studio und erweiterte ihre Gassenhauer um Spurenelemente von Grunge und Heavy Metal.

"Ich find’s phantastisch, wenn sich Leute unsere Songs anhören und sofort sagen können, das ist Bad Religion", schwärmte Bentley mit kokettierender Unschuld. "Rolling Stone" kommentierte ebenso nüchtern wie treffend: "Their best yet!" Greg Graffin hatte inzwischen eine Professur für Biologie an der Cornell University im Staat New York angenommen. Da auch alle anderen Bandmitglieder Tagesjobs nachgingen, konnte die Band nur mehr in den Sommerferien auf Tournee gehen. Mit ihren Familien im Anhang erinnerte der große Pulk von Bad Religion an eine Punk-Version der Grateful Dead.

Mit Stranger Than Fiction (1994), einer Hommage an Allen Ginsberg, wechselten die nach außen unkorrumpierbaren Punks ins Major-Lager und durchstießen erstmalig die Millionengrenze. Brett Gurewitz geriet wegen seines Labels Epitaph in einen Interessenkonflikt und verließ die Band, diesmal endgültig. Den "Glimmer Twins des Punk" ("NM! Messitsch") war eine Hälfte genommen. Der neue Gitarrist, Brian Baker von Minor Threat, geb. am 25. Februar 1965, konnte das kreative Potenzial Gurewitz’ nicht ausgleichen. The Gray Race (1996) und das Live-Album Tested (1997) vermittelten den Eindruck, die Band habe sich ausgepowert.

In den Shows war davon jedoch nichts zu spüren. "Bad Religion verwandelten sich langsam, aber sicher in die AC/DC des Punk Rock" ("WOM Journal"). Der sich auf No Control beziehende Titel des 1998 veröffentlichten Albums No Substance war kein Eingeständnis mangelnder Substanz, sondern ein Kommentar zur Gesellschaft der Jahrtausendwende. "Genug ist genug. Wir sind an dem Punkt angekommen, an dem wir 90 Prozent unserer Zeit damit verbringen, unsere Rechnungen zu bezahlen, und nur noch zehn Prozent zur emotionalen Stimulanz zur Verfügung haben, die wir als Menschen benötigen. Wir halten uns selbst zum Narren, indem wir technologische Innovation mit Fortschritt gleichsetzen. Wir verwandeln uns von einer realen Gesellschaft in eine Gemeinde von Robotern. Da kann man wohl schon von einem Mangel an Substanz sprechen", so der Biologe Graffin auf der Homepage seiner Band. Leider konnte es die Musik des Albums trotz des provokanten Folk Punk-Hits Raise Your Voice mit Gastsänger Campino von den Toten Hosen nicht mit dieser programmatischen Erklärung aufnehmen.

1999 gab es kein Album von Bad Religion. Statt dessen arbeitete Graffin an seinem Enthüllungsbuch "Band Aid: The Music Industry from a Band’s Perspective". Erst 2000 legte die Gruppe mit The New America und Brett Gurewitz als Gast an der Gitarre eine weitere Sammlung schmissiger Punk-Hymnen hin, die sich mit der Rolle des Individuums im Zeitalter virtueller Entfremdung befassten. "So viel Sozialkritik ist zwar ehrenwert, aber ein wenig Subtilität wäre auch nicht verkehrt" ("Zitty").

Ein Jahr später kehrte Gurewitz ganz zu Bad Religion zurück und zog seine endlich wieder in alter Frische aufspielende Band auch auf sein Label Epitaph zurück. "Ich bin wie einer jener Fußballer, die Großes leisten, in einem anderen Team aber plötzlich völlig versagen, weil sie einfach nicht in die Mannschaft passen. Als Brad in die Band zurückkam, war plötzlich das originale Feeling wieder da", erklärte Graffin. Und es wirkte Wunder. Auf dem nunmehr mit drei Gitarristen eingespielten Album The Process Of Belief (2002) zeigten sich die alten Kämpen endlich wieder in jener virulenten Spiel- und Sangeslaune, die einst den Ruf der Westcoast-Punks begründet hatte. "Bad Religion gehören zu den letzten Bands, die ihre Finger in die blutenden Wunden des Planeten legen und das Selbstverständnis Amerikas beharrlich neu hinterfragen" ("Tip"). Etwas unentschieden wirkte der politische Anspruch der Band, was ohne Frage der allamerikanischen Orientierungslosigkeit nach dem 11. September 2001 geschuldet war.

Umso pointierter machten sie ihrem Unmut auf das amerikanische Establishment 2004 auf The Empire Strikes First Luft. Trotz gutgemeinter Bemühungen in einem Song wie Los Angeles Is Burning wollte die von Alben bis in die Mittneunziger gewohnte Gassenhauer-Stimmung nicht mehr recht aufkommen. Ohne Bad Religion aufzulösen, nahm sich Graffin daher zunächst eine Solo-Auszeit und verlegte sich auf traditionell anmutende amerikanische Folksongs. Sein weitgehend akustisch eingespieltes Album Cold As The Clay (2006) verriet ungleich mehr Spaß am Song als die letzten Produktionen von Bad Religion.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
How Could Hell Be Any Worse (1982)
Into The Unknown (1983)
Suffer (1988)
No Control (1989)
Against The Grain (1990)
Generator (1992)
Recipe For Hate (1993)
Stranger Than Fiction (1994)
The Gray Race (1996)
Tested (1997)
No Substance (1998)
The New America (2000)
The Process Of Belief (2002)
New Maps Of Hell (2007)
The Dissent Of Men (2010)

Zusammenstellungen (Auswahl):
80–85 (1990)
All Ages (1995)
LPs Greg Graffin:
American Legion (1997)
Cold As The Clay (2006)

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