B-52's,The
Biografie
B-52's, im Oktober 1976 in Athens, Georgia, bei chinesischem Essen und tropischen Fruchtdrinks gegründet, spielten am Valentinstag 1977 zum ersten Mal vor Collegefreunden ihre fröhlich-exzentrische Partymusik. Cindy Wilson (voc, perc, g), geboren am 28. Februar 1948 in Athens, ihr Bruder Ricky (g), geb. am 19. März 1953 in Athens, Keith Strickland (dr), geb. am 26. Oktober 1953 in Athens, Kate Pierson (org, voc), geb. am 27. April 1948 in Weehawken, New Jersey, Fred Schneider (voc, org, kb, walkie-talkie), geb. am 1. Juli 1951 in Newark, nannten ihre Band nach einem südstaatlichen Slangwort - das seinerseits auf die schweren Bombenflugzeuge der US-Luftwaffe zurückging - für den hochgetürmten Haarputz der weiblichen Ensemblemitglieder und boten eine Musik-Melange, die den antiquierten Sound der Ventures mit der New Wave-Nervosität von Devo, Talking Heads zu verschmelzen schien.
Die "erste surrealistische Surf-Band" ("Billboard") arbeitete mit Kenntnis und Komik die Trends, Stile, Manieren und Traumata der Periode 1955-1965 für das Publikum der entzauberten achtziger Jahre auf. Fellini-Soundtracks, Schwarzweiß-Weltraum-B-Filme, Cartoons, die Tiraden der peruanischen Nachtigall Yma Sumac, Captain Beefheart, der frühe Stevie Wonder, die Unschuld der schmalzigen Balladensänger, der amüsante Firlefanz des Bubblegum und der Kunstgewerbe-Rock der sechziger Jahre verschmolzen zu einem zeitgemäßen tanzbaren Popsound, der sich niemals lächerlich nostalgisch oder herablassend ironisch gab. B-52's waren "moderne Folk-Künstler, die die wahren Träume hinter den Konsumgütern, Groschenblättern, Second-Hand-Klamotten poetisch überhöht artikulieren konnten und als Hommage an die Erzähltechnik der Bilderheftchen Sprechblasen statt Songtexte absonderten" ("New Musical Express"). Denn "Amerikas Glorie, seine wahre Kultur, liegt in dem, was wir wegwerfen" ("Stereo Review").
Nach einer Serie von semiprofessionellen Gigs als Partyunterhalter nahmen B-52's 1978 ihre Single Rock Lobster auf, die bei einer Auflage von nur 2000 Exemplaren ein Kulthit wurde und ihnen einen Vertrag mit dem Warner-Konzern einbrachte. Party Out Of Bounds, Quiche Lorraine, Girl From Ipanema Goes To Greenland, Theme From A Nude Beach waren exzellente Beispiele ihres Talents, Trivialitäten und Geschmacksentgleisungen von damals mit dem Witz und der Sensibilität der Gegenwart zu kombinieren. Allein die von Talking Heads-Leader David Byrne produzierte Mini-LP Mesopotamia (1982) schien eine künstlerische Fehlkalkulation zu sein: "Sie schnippelten das von "Party" weg, wurden arty [kunstgewerblich] und gierten nach Akzeptanz bei New Yorks Avant-Funk-Intelligenzija" ("Rolling Stone").
Mit Whammy! (1983) drehte die Band das Rad zwar wieder zurück, doch wirkte die kalkulierte Einfachheit der Songs und die ausgedünnte Instrumentation inzwischen anachronistisch, zumal zahllose Amateurbands in aller Welt den vermeintlichen Simpel-Sound mehr oder weniger gekonnt nachahmten. Die Produktion von Bouncing Off The Satellites (1986) war bereits von der Erkrankung Ricky Wilsons geprägt, der noch vor der Veröffentlichung der ungewohnt verhaltenen LP am 12. Oktober 1985 an den Folgen von Aids starb. Ihres musikalischen Kopfes beraubt, dachte das Rest-Quartett zunächst an Auflösung, pausierte für längere Zeit und begann 1989 wieder öffentlich aufzutreten, zunächst in Benefiz-Konzerten für Umwelt- oder Tierschutz.
Im selben Jahr erschien das von Nile Rodgers (Chic) und Don Was produzierte Album Cosmic Thing. Die zehn Songs zeigen eine routinierte Band, die zwar die raue Naivität der frühen Tage nur noch hier und da aufblitzen ließ, ihren schnoddrigen Witz aber nicht verloren hatte; die Single Love Shack erwies sich Rock Lobster ebenbürtig. Das erfolgreiche Comeback brachte die Band in die großen Konzerthallen zurück. Sie veröffentlichten eine Best-of-Platte und ein Remix-Album der glücklosen Mesopotamia-LP.
1992 trennte sich Cindy Wilson von den B-52's, die Gewichte innerhalb der Band verschoben sich erneut. Mit Good Stuff versuchte das Trio den Erfolg von Cosmic Thing zu wiederholen. Zumindest teilweise gelang dies, wiederum unter der Regie von Rodgers und Was. Für die 1992 anschließende Tournee wurde als zusätzliche Sängerin Julee Crusie engagiert. Danach wurde es ruhig um die ehemals quirlige Band. Zwei Songs zu dem Steinzeit-Film "The Flintstones" (1994) zeigten nicht einmal mehr einen Abglanz des früheren Ideenreichtums. Fred Schneider, der 1991 bei Reprise mit einem Soloalbum debütiert hatte, unterrichtete an der New Yorker New School of Social Research, Pierson vergnügte sich als Gast der TV-Serie "The Adventures of Pete and Pete" im Kabelkanal Nickelodeon.
Bis 1997 gab die Band so wenige Konzerte, dass Schneider bei den 39. Grammy Awards massiv Gerüchten entgegentreten musste, The B-52's hätten sich aufgelöst. Er hatte soeben ein weiteres Soloalbum, Just Fred (1996), veröffentlicht, 1998 ging die voll reformierte Band nach einem Tryout-Konzert in Athens im vorangegangenen Oktober wieder auf große USA-Tournee. Das dazu veröffentlichte Album Time Capsule - Songs For A Future Generation enthielt neben Highlights aus der Band-Karriere lediglich zwei neue Songs. Es erreichte auch nur die Position 93 in den US-Charts. Schneider verstand die Zeichen der Zeit und warf nun doch das Handtuch. 2008 wagten die B-52's mit dem Album Funplex einen erneuten Anlauf, der aber kaum wahrgenommen wurde.
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
The B-52's (1979 in Deutschland unter dem Titel Play Loud veröffentlicht)
Wild Planet (1980)
Party Mix (1981 Mini-LP)
Mesopotamia (1982)
Whammy! (1983)
Bouncing Off The Satellites (1986)
Cosmic Thing (1989)
Good Stuff (1992)
The Flintstones (1994 Soundtrack)
Time Capsule - Songs For A Future Generation (1998)
Funplex (2008)
Zusammenstellungen (Auswahl):
Dance This Mess Around (1990)
Nude On The Moon:
The B-52's Anthology (2002)
LPs Fred Schneider:
Fred Schneider (1991)
Just Fred (1996)

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